Der Tagebau Hambach als See

15 km von Köln entsteht der zweitgrößte See Deutschlands

Es ist ein Projekt, das ein normales Vorstellungsvermögen übersteigt. Wer derzeit an einem der Aussichtspunkte am Tagebau Hambach steht, der schaut in das größte Loch Europas: Über 300 Meter tief, ein Durchmesser von vielen Kilometern und zugleich das tiefste künstliche Loch in ganz NRW. Ganz unten am Grund des Lochs ist die Braunkohle Kohle zu sehen. Am Rand des Tagebaus ist es windig. Die riesigen Kohlebagger erscheinen vom hier aus gesehen fast winzig klein. (Animation des Sees: RWE)

1978 wurde angefangen das Loch zu buddeln. In Terrassenform werden unglaubliche Massen an Erdreich weggeschafft. In Spitzenzeiten deckte der Tagebau laut RWE fünf Prozent des deutschen Strombedarf.

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Tagebau Hambach wird zum See

Was heute wie eine Mondlandschaft aussieht, war vorher eine ganz normale Fläche mit Ortschaften (u.a. Etzweiler, Tanneck, Lich-Steinstraß). Doch auch die Mondlandschaft soll irgendwann wieder verschwinden. Im Jahr 2029 endet die Kohleförderung und somit auch der Betrieb des Tagebaus Hambach. Der Tagebau soll sich dann in einen riesigen See verwandeln.

„Der Hambacher See wird kommenden Generationen als Badegewässer, Segelrevier und Erholungsgebiet zur Verfügung stehen“, schreibt der Energiekonzern RWE, der Betreiber des Tagebaus ist. Heißt: Nur wenige Kilometer von Köln entfernt wird ab 2030 der zweitgrößte See Deutschlands entstehen. Der See dürfte dann mehrere hundert Meter tief sein und soll ein Volumen von 3,6 Mrd. m³ haben – nur der Bodensee hat in Deutschland mehr Wasservolumen.


Tagebau Hambach: Das Wasser soll aus dem Rhein kommen

Doch woher sollen die Wassermassen für einen solchen riesigen See kommen? Das Grundwasser hier wird seit über 40 Jahren abgepumpt („gesümpft“), ansonsten wäre es nicht denkbar ein 400 Meter tiefes Loch zu graben. Brunnen legen den Boden bis zu einer Tiefe von 500 Metern trocken. Die Terrassen würden dem Druck des Wassers nicht standhalten. Umweltorganisationen, wie der BUND, kritisieren die Folgen der Grundwasserabsenkung für die gesamte Region.

Um das Loch zu fluten ist eine Rohrleitung vom Rhein bis zum Hambacher Tagebau geplant. Heißt: Wasser aus dem Rhein soll diesen riesigen See entstehen lassen. Dazu soll es eine Entnahmestelle bei Dormagen am Rhein geben und entsprechend eine Leitung bis zum heutigen Tagebau.

Tagebau Hambach
So sieht der Tagebau Hambach heute aus. Das ist der Blick vom Aussichtspunkt Terra Nova 2.

Die Mengen, die aus dem Rhein entnommen werden dürfen, sind allerdings begrenzt. Kein Wunder: Wir alle haben das wochenlange Niedrigwasser und die gravierenden Auswirkungen auf die Wirtschaft noch vor Augen (hier die Fotos). Der Rheinpegel darf durch die Entnahme maximal 1 cm abgesenkt werden. Das würde jedoch auch bedeuten, dass das Rheinwasser den See nicht in Wochen, Monaten und auch nicht in Jahren füllen kann. Es steht ein Zeitraum von 40 bis 60 Jahren im Raum.

Fakten zum Tagebau Hambach:

  • Die größte Braunkohlegrube Europas
  • Seit 1978 wird gegraben, seit 1984 Kohle abgebaut
  • Die abgebaute Kohle wird mit der Hambachbahn zu den nahe gelegenen RWE-Kraftwerken gebracht

Laut RWE könnten Flächen und Böschungen, die über Jahrzehnte noch nicht von Wasser bedeckt sind, etwa mit Solaranlagen bestückt werden. Dort, wo heute noch die letzten Häuser des Geister-Ortes Manheim alt (hier mehr dazu) stehen, soll laut RWE eine „Manheimer Bucht“ hochkommen. Hintergrund: Das Erdreich von hier wird laut RWE benötigt, um u.a. ein standsicheres Böschungssystem im Restloch des Tagesbaus herzustellen.

Der BUND kritisiert diese Pläne, nennt die „Manheimer Bucht“ ein „Manheimer Loch“, das die Waldvernetzung gefährde.

Fest steht bislang: Der Tagebau ist in seinen letzten Jahren. Diese Landschaft menschenfreundlich nutzbar zu machen und das Ökosystem ins Gleichgewicht zu bringen, ist eine riesige Aufgabe, wo es auch neben dem Klimawandel noch zahlreiche Aspekte gibt, die man bislang teils überhaupt nicht absehen kann.

Linktipp zum Thema: Auch die ein Teilstück der Autobahn A4 wurde für den Tagebau Hambach verlegt. Wie die stillgelegte Geister-Autobahn heute aussieht, seht ihr in diesem Bericht.

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1 Kommentar

  • Nur blöd, daß vorher eine Verfüllung vorgesehen war. Und sich RWE wieder um die Aufgabe nach der Energiegewinnung aus der Verantwortung entziehen konnte.
    Wie beim Atommüll und den alten Minen.
    Es werden nur Gewinne privatisiert und Verluste trägt dann die Allgemeinheit.
    Für mich persönlich der falsche Weg!
    Zumal Europa auch noch schneller wärmer wird als jeder andere Kontinent!
    Der Rand wird über viele Jahrzehnte immer wieder abrutschen und weggespühlt. Bis man dort baden kann sind bestimmt zwei Generationen oder mehr nötig, wenn das überhaupt klappen sollte.

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