Time Ride Köln

Manheim bei Kerpen

Manheim alt bei Kerpen: Der verlassene Ort vor den Toren Kölns

Es sind Bilder, die irritierend sind. Die man so eigentlich kaum in Deutschland sieht. Und die man erst recht nicht in Nordrhein Westfalen direkt vor den Toren Kölns vermuten würde. Im Speckgürtel von Köln, dort, wo die Preise für Häuser und Grundstücke steigen, liegt ein verlassener Ort: Manheim alt.

Eine Geister-Siedlung, in der fast keine Menschen mehr wohnen. Etwa ein Dutzend Häuser stehen noch hier, sind zugenagelt oder Ruinen. Die übrigen Häuser sind abgerissen. Grund dafür ist der Braunkohletagebau Hambach. Laut Plänen soll Manheim-alt noch abgebaggert werden und dann für immer verschwinden. (Fotos: Michael Müller)

Unsere E-Mails für alle, die Köln im Herzen tragen

Wenn du 1x/Tag eine Nachricht mit kölschen Geschichten auf Telegram bekommen willst, tritt hier dem Verliebt in Köln Telegram-Kanal bei: Einfach hier klicken, dann öffnet sich mobil dein Telegram-Messenger mit dem Köln-Kanal

Kartbahn bei Manheim alt: Zuhause von Michael Schumacher

Ursprünglich lebten 1700 Menschen in Manheim-alt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 898. Es ist auch die Heimat von Formel 1-Legende Michael Schumacher. Seine Ehefrau Corinna heiratete er Gemeindehaus und lebte in den 90er-Jahren hier in einem Haus, das ebenfalls abgerissen ist. Auf der Kartstrecke in Kerpen-Manheim lernte er das Fahren.

In der alten Ortschaft waren Ende 2020 noch 39 Menschen registriert, im Herbst 2021 waren es noch rund 30. Nicht jeder hat es geschafft, seine Heimat ohne weiteres zu verlassen.

Seit 2012 Jahren läuft ein Programm, um den Bewohnern von Manheim eine neue Heimat zu geben. Rund zehn Kilometer weiter ist ein neuer Ort entstanden: Mahnheim-neu. Rund 70 Prozent der Menschen sind in den neuen Ort gezogen. Es gibt viele Einfamilienhäuser, der Ort ist komplett neu entstanden.


In Alt-Manheim sind viele Häuser bereits abgerissen. Andere stehen leer und bilden eine Geister-Kulisse. Ein Blick in die Vergangenheit, in eine Zeit, die hier stehengeblieben ist. Die alte Gastwirtschaft mit der Dom-Kölsch Reklame und auch die alte Kirche aus dem Jahr 1898 waren bis vor kurzem noch da.

Die alte Kirche in Manheim

Die Kirche St. Albanus und Leonhardus des Ortes wurde 1898 erbaut. Die Glocken sowie diverse Gegenstände aus dem Innern der Kirche wurden in die neue Kirche in Neu-Manheim integriert. 2019 fand hier der letzte Gottesdienst statt, die Kirche wurde dann entweiht. Im Herbst 2021 wurde das neue Gotteshaus im neuen Ort mit den Gegenständen aus der alten Kirche durch Kardinal Woelki eingeweiht.

Wie es mit der Kirche weitergeht ist aktuell unklar. Es gibt Stimmen, die die Kirche erhalten wollen. Sie schlagen vor, das ehemalige Gotteshaus künftig als Ort für Ausstellungen oder weitere Veranstaltungen zu nutzen, die sich mit der Geschichte der Dörfer rund um den Tagesbau befassen. Sie würde dann direkt am Tagebau liegen. Andere Stimmen aus der Bürgerschaft sprechen sich gegen einen Erhalt und für einen Abriss aus. Die Kirche würde

Die alte Kirche in Manheim
Foto: Michael Müller

Verlassene Straßen in Manheim alt

Die folgenden Bilder zeigen, wie es noch 2020 in dem Ort aussah. Damals waren bei vielen Häusern bereits die Rolladen heruntergelassen oder die Fenster sind mit Holzbrettern vernagelt. Grundstücke, wie etwa das der Kirche, sind umzäunt.

Straße in Manheim-alt
Foto: Michael Müller

Nur bei ganz wenigen Häusern sind die Fensterläden noch offen. Die verwaisten Straßenzüge mit unbewohnten Häusern sahen unwirklich aus.

Häuserzeilen in Manheim-alt
Foto: Michael Müller

Alte Gastwirtschaft in Manheim

In dieser ehemaligen Gastwirtschaft war außen noch die König-Pilsener Reklame und Dom Kölsch angebracht. Die Rolladen waren heruntergelassen, die Türen vernagelt.

Eine alte Gastwirtschaft in Manheim-alt
Foto: Michael Müller

In den Parkbuchten oder Garagen standen längst keine Autos mehr. Die Tore und Fenster der Backsteinhäuser waren verrammelt.

Eine alte Parkbucht in Manheim-alt
Foto: Michael Müller

Wie geht es mit dem Ort weiter?

Die Pläne sehen vor, dass Manheim alt noch abgebaggert werden soll. Die Kohle unter dem Ort soll jedoch nicht mehr gefördert werden. Das Erdreich des so genannten Manheimer Lochs wird jedoch benötigt, um das Ufer des Tagebaus an anderer Stelle zu befestigen und sicher zu machen. Um das Abbaggern des alten Ortes und der Umgebung gibt es nach wie vor heftige Diskussionen. Verschiedenen Initiativen setzen sich dagegen ein.

Fest steht aber: Der Ort Manheim wie es ihn einmal gab, wird nicht mehr zurückkommen. Dieses Luftbild zeigt, wie der Ort noch 2015 aussah:

Der Ort im Jahr 2015
Foto: Arthur Konze CC BY-SA 4.0

Geisterautobahn A4 von Köln nach Aachen

In unmittelbarer Nähe zu Manheim Richtung Tagebau liegt der ehemalige Autobahnabschnitt der A4 (Fotos). Hier lest ihr mehr über die Geisterautobahn vor den Toren Köln

Die alte A4 Richtung Aachen
Foto: Michael Müller

Habt ihr Ergänzungen, Fotos oder Erinnerungen an Manheim? Schreibt uns eine E-Mail.

Zurück

8 Kommentare

  • Anonymous

    Seht dich nicht immer nur das Schlechte! Zeigt doch mal Fotos von Nei Manheim, so schöne Häuser haben die Anwohner! Warum jammern? Weil man ein neues Haus gegen ein zum Teil marodes Haus tauschen konnte? Es wird immer nur gejammert…

    • Klar haben die neuen und modernen Häuser ihre Vorteile, sie ersetzen aber gerade für die älteren Menschen nicht die Heimat in der sie vielleicht ihr ganzes Leben verbracht haben. Mögen die alten Gebäude vielleicht marode und Sanierungsbedürftig gewesen sein, aber es war das Zuhause, vielleicht sogar die Geburtshäuser. Ein neues Haus bedeutet nicht gleich eine neue Heimat. Gerade wenn man in einem Ort aufgewachsen ist und immer dort gelebt hat wird das Herz immer dies als Heimat sehen.

  • Anonymous

    Toller Beitrag! Danke für das Festhalten für die Nachwelt. Die Reste der A4 würde ich gerne mal mit meinem Skateboard „entweihen“. Dann sollte ich mich aber auch besser beeilen, bevor der Bagger kommt.

  • Kann nicht die ultrareiche Michael Schumacher Familie das (ehemalige) Dorf noch retten und sei es als Mahnmal der Klimakatastrophe und damit der Verbrechen an unseren Kindern und Enkeln. (?)

  • Die Aussage „Auf der Kartstrecke in Kerpen-Manheim lernte er das Fahren.“ ist falsch. Michael Schumacher begann auf der alten Kartbahn in Horrem. Im Graf Berghe von Trips Club bin ich selbst aktiv gewesen und habe Michael auf dieser alten Strecke als kleinen Jungen kennengelernt. Die jetzige Erftlandring in Manheim ist erst einige Jahre später gebaut worden.

  • Seit 2020 hat sich leider wieder viel getan in Manheim-alt. Die „alte Gastwirtschaft“ zum Roten Hahn steht leider nicht mehr. Ebenso verhält es sich mit der gesamten Häuserzeile links und rechts daneben.

  • Der neue Ort ist grottenhäßlich
    Wie auf einem Teller
    Absolut ohne Flair und Karakter

Kommentiere diesen Artikel