Wer in Pulheim wohnt, sagt nicht unbedingt Pulheim. Für viele Einheimische heißt die Stadt einfach Pullem. Aus Brühl wird Bröhl, aus Troisdorf wird Troosdorf und wer von Schäbbisch Gläbbisch spricht, meint Bergisch Gladbach.
Im Kölner Umland gibt es zahlreiche Orte, deren Namen im Alltag anders ausgesprochen werden, als sie auf dem Ortsschild stehen. Manche Bezeichnungen sind nur leicht verändert, andere lassen sich für Außenstehende kaum noch erkennen. (Grafik: ki-generiert)
Wir haben auf der Facebook-Seite von Verliebt in Köln gefragt, wie die Menschen ihre Heimatorte tatsächlich aussprechen. In den zahlreichen Antworten kamen viele bekannte, aber auch überraschende Namen zusammen.
Von Pullem über Bröhl bis nach Öskirche
Besonders häufig wurde Pullem genannt. So bezeichnen viele Menschen die Stadt Pulheim westlich von Köln. Auch Bröhl für Brühl tauchte mehrfach auf. Wer aus Troisdorf kommt, schreibt dagegen Troosdorf, während Euskirchen in den Kommentaren zu Öskirche oder Öskersche wurde.
Einige der schönsten Beispiele aus den Antworten haben wir zusammengestellt. Die Schreibweisen stammen von den Leserinnen und Lesern und geben wieder, wie die jeweiligen Orte nach ihrer Wahrnehmung ausgesprochen werden. Achtung, das ist kein offizielles Wörterbuch, sondern eine Liste von Leserkommentaren:
| So heißt der Ort offiziell | So nennen ihn Leser |
|---|---|
| Pulheim | Pullem |
| Brühl | Bröhl |
| Bergisch Gladbach | Schäbbisch Gläbbisch |
| Troisdorf | Troosdorf |
| Euskirchen | Öskirche |
| Frechen | Freischem |
| Siegburg | Sieschbursch |
| Bensberg | Bensbersch |
| Elsdorf | Elsdörp |
| Kerpen | Kechpen |
| Weilerswist | Wielde |
| Erftstadt-Lechenich | Läschenisch |
| Solingen | Solich |
| Bornheim-Merten | Mäte |
| Bonn-Bad Godesberg | Jodesbersch |
| Neuss | Nüss |
| Grevenbroich | Jrevenbroch |
| Köln-Porz | Pooz |
| Köln-Longerich | Lunke |
| Köln-Deutz | Düx |
Gerade bei kleineren Orten wird es teilweise schwierig, den offiziellen Namen zu erraten. Eine Leserin nennt beispielsweise Heisterbacherrott bei Königswinter „Heesprott“. Für Ittenbach schreibt sie „Öttemich“ und für Ägidienberg „Gilijebärch“.
Auch im Rhein-Erft-Kreis gibt es zahlreiche solcher Ortsnamen. In den Kommentaren finden sich unter anderem „Jless“ für Glessen, „Aulem“ für Auenheim und „Balkes“ für Balkhausen.
Warum heißen die Orte im Dialekt anders?
Die unterschiedlichen Ortsnamen hängen mit der sprachlichen Geschichte des Rheinlands zusammen. Denn rund um Köln wurde traditionell nicht überall genau das gleiche Kölsch gesprochen.
Die Mundarten in Köln und einem großen Teil des Umlands gehören zum Ripuarischen. Das ist eine Gruppe regionaler Dialekte, zu der neben dem Kölschen auch zahlreiche örtliche Mundarten gehören.
Das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte erklärt, dass sich die rheinischen Dialekte bis ins erste Jahrtausend zurückverfolgen lassen. Über viele Jahrhunderte waren sie die Alltagssprache der Menschen. Erst nach und nach setzte sich das Hochdeutsche im täglichen Sprachgebrauch stärker durch.
Deshalb unterscheiden sich die örtlichen Bezeichnungen teilweise deutlich von den hochdeutschen Namen. Die Dialekte haben ihre eigenen Lautformen und sprachlichen Entwicklungen. Ein Ortsname, der auf dem Schild mit „-dorf“ endet, kann in der Mundart beispielsweise auf „-dörp“ enden.
Hinzu kommt, dass die rheinischen Mundarten vor allem gesprochen und viel seltener geschrieben wurden. Eine überall verbindliche Schreibweise gibt es deshalb nicht. Wer einen Ortsnamen in Mundart aufschreibt, versucht häufig, die Aussprache mit den Buchstaben des Hochdeutschen möglichst genau wiederzugeben.
Das erklärt auch, warum ein und derselbe Ort in den Kommentaren unterschiedlich geschrieben wird.
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Die Unterschiede zwischen den örtlichen Mundarten sind teilweise erheblich. Wer im Rhein-Erft-Kreis aufgewachsen ist, kennt möglicherweise andere Ausdrücke als jemand aus dem Bergischen Land oder dem Raum Bonn.
Sprachwissenschaftler unterscheiden im Rheinland mehrere Dialekträume. Neben dem Ripuarischen gibt es unter anderem das Niederfränkische und das Moselfränkische. Die Übergänge zwischen diesen Sprachräumen werden durch verschiedene sprachliche Merkmale beschrieben.
Ein bekanntes Beispiel ist die sogenannte Benrather Linie. Nördlich davon findet sich in traditionellen Dialekten beispielsweise die Form „maken“, südlich davon „machen“. Solche Unterschiede haben sich über Jahrhunderte entwickelt und prägen die regionalen Mundarten bis heute.
Das bedeutet auch: Nicht jede Bezeichnung aus dem Kölner Umland ist automatisch Kölsch. Viele Orte haben ihre eigene Mundart, auch wenn diese dem Kölschen ähnlich klingt.
Auch in Köln haben die Veedel eigene Namen
Die Besonderheit beschränkt sich nicht auf die Städte und Dörfer außerhalb Kölns. Auch innerhalb der Stadt werden zahlreiche Stadtteile anders genannt, als sie offiziell heißen.
In den Kommentaren wurden beispielsweise Düx für Deutz, Müllem für Mülheim, Ihrefeld für Ehrenfeld und Pooz für Porz genannt. Auch Lunke für Longerich tauchte auffällig häufig auf.
Wer mit diesen Bezeichnungen aufgewachsen ist, benutzt sie häufig ganz selbstverständlich. Für Menschen, die neu nach Köln gezogen sind, können sie dagegen zunächst rätselhaft sein.
Dass die kölsche Sprache viele solcher Besonderheiten kennt, zeigt sich auch bei ganz alltäglichen Begriffen. In einem weiteren Artikel haben wir beispielsweise elf kölsche Wörter für Menschen zusammengestellt, die man besonders gern hat.
Und wer ausprobieren möchte, wie gut er die alte Mundart noch versteht, kann in unserem Quiz zu sieben alten kölschen Wörtern sein Wissen testen.
Wie wird euer Heimatort ausgesprochen?
Die vielen Antworten zeigen, wie lebendig die regionalen Ortsnamen noch sind. Dabei gibt es nicht immer nur eine richtige Schreibweise. Schon in unserer Sammlung wurden manche Orte auf unterschiedliche Weise aufgeschrieben.
Vielleicht fehlt auch euer Heimatort in der Übersicht. Oder ihr kennt eine ganz andere Aussprache für einen der genannten Orte.
Schreibt uns gerne, wie euer Ort im Kölner Umland heißt, wenn ihr ihn so aufschreibt, wie ihr ihn tatsächlich aussprecht.
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