Vierungsturm Kölner Dom

Warum der Vierungsturm ganz anders aussieht, als der Rest des Doms

Der Vierungsturm des Kölner Doms steht häufig im Schatten des mächtigen Westportals. Kein Wunder: Das Portal überragt den Turm in der Mitte der Kathedrale deutlich und für Touristen vor dem Dom natürlich auch das beliebtere Foto-Motiv. Vom Roncalliplatz aus wird die Sicht auf den Vierungsturm durch das Südportal verdeckt. Dabei lohnt es sich, auch den Vierungsturm zu beachten. Wer sich das Bauwerk genauer anschaut, stellt schnell fest, dass es baulich ganz anders aussieht, als der Rest der Kathedrale.

Besteht der Dom eigentlich aus vielen feingliederigen Formen, so wirkt der Turm etwas kälter und robuster, wozu auch die graue Farbe beiträgt. Wie kam es dazu?

(Foto Vierungsturm: Fritz Jörn CC BY-SA 3.0)

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Vierungsturm: Schäden nach dem 2. Weltkrieg

Der Vierungsturm wurde im Zuge der Fertigstellung des Kölner Dom neu aufgebaut. Damals bestand zunächst Uneinigkeit darüber, ob und wie ein Vierungsturm in den ursprünglichen Plänen des Doms geplant war. Schließlich sollte die Kathedrale genau nach den ursprünglichen Plänen aus dem Mittelalter wieder aufgebaut werden.

Das passierte zunächst auch. Der Vierungsturm trug im 2. Weltkrieg durch Druckwellen von Bomben jedoch einige Schäden davon, sodass die neugotische Dekoration des Turm stark beschädigt wurde. Der eiserne Unterkonstruktion hatte den Krieg dagegen gut überstanden.

Neue Verkleidung für den Vierungsturm

Dennoch musste eine neue Verkleidung für den Turm her. Bis das passierte verging noch mehr als ein Jahrzehnt. Schließlich entschied sich der damalige Dombaumeister Willy Weyres den Vierungsturm im Stil des Art deco neu zu verkleiden. Neu waren acht Engelfiguren aus Lärchenholz, die mit Blei verkleidet wurden und jeweils 4,10 Meter groß sind. Sie geben dem Turm auch heute noch seine Charakteristik und unterscheiden ihn vom Rest des Doms.

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In den 1960er-Jahren rief es zum Teil Empörung hervor. Der Vierungsturm sei ein Fremdkörper, wurde teils sogar als „Warze“ bezeichnet. Der damalige Dombaumeister Willy Weyres hatte sich jedoch bewusst für diesen modernen Baustil entschieden. Er wollte so auch moderne Formen am Kölner Dom anbringen.

Glocken im Vierungsturm

Der Vierungsturm ist übrigens deutlich größer, als er von unten aussieht. Er hat eine Höhe von 109,12 Metern (Nord- und Südturm sind 157 Metern hoch). Im März dieses Jahres wurde die Klaraglocke von 1621 im Vierungsturm aufgehängt. Die Glocke gilt als kleine Schwester der Petersglocke. Zum 100. Geburtstag des Dicken Pitters im Mai 2023 wird sie erstmals zu hören sein.

An der Spitze des Vierungsturms ist der Stern zu Bethlehem angebracht. Der Stern hat einen Durchmesser von 1,8 Metern und zeigt den Pilgern den Weg zu den Heiligen Drei Königen. Während der Corona-Zeit und während der Energiekrise wurde der Stern zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen angestrahlt, was als Zeichen der Hoffnung galt: Die beeindruckenden Bilder von damals seht ihr hier.

Was die Geschichte des Vierungsturms über den Dom sagt

Zu Beginn der Corona-Zeit hatte die kölsche Band Kasalla ein atemberaubendes Video bei Sonnenaufgang auf dem Vierungsturm gedreht. In dem Video werden die Dimensionen des Bauwerks noch sehr gut deutlich.

Was lernt man aus der Geschichte der Vierungsturm? Der Dom ist kein Bauwerk der Vergangenheit. Im Gegenteil: Er ist eine ewige Baustelle, niemals fertig. Damit einher geht auch, dass sich Dinge am Dom verändern können – wie etwa der Vierungsturm nach dem 2. Weltkrieg. Bis heute gibt es geteilte Meinungen über den Turm und die grauen Engelsfiguren.

Es gibt übrigens noch weitere sehr aktuelle Figuren am Kölner Dom. So ist unter anderem sogar Geißbock Hennes hier als Wasserspeier am Südportal angebracht. Auch ein Fußballspieler steht als Figur am Dom.

Linktipp zum Thema:

Wo Geißbock Hennes als Figur am Kölner Dom hängt

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