Wer durch die Kölner Schildergasse läuft, sieht vor allem große Geschäfte, volle Einkaufstüten und zahlreiche Reklametafeln. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Straße wegen ihrer vielen Laden- und Werbeschilder so heißt. Doch der Name ist wesentlich älter als die heutige Einkaufsstraße. Er führt zurück ins mittelalterliche Köln – zu einem Handwerk, das damals eine wichtige Rolle im Stadtleben spielte.
Die Schildergasse war die Straße der Schildermaler
Im Mittelalter arbeiteten in dieser Straße zahlreiche sogenannte Schilderer oder Schildermaler. Sie bemalten unter anderem Wappenschilde für vornehme Familien. Gefragt waren aber auch Zeichen für Handwerksbetriebe, Wirtshäuser und andere Häuser.
Solche bildlichen Zeichen waren damals besonders wichtig. Ein großer Teil der Bevölkerung konnte nicht lesen. Ein Ochse, eine Gans oder ein anderes gut erkennbares Motiv zeigte den Menschen deshalb, welches Handwerk oder welches Gasthaus sich in einem Gebäude befand. Die Schilder waren gewissermaßen die Logos des Mittelalters.
Nach diesen Handwerkern erhielt die Straße ihren Namen. Aus dem Ort, an dem die Schilderer arbeiteten, wurde im Laufe der Zeit die Schildergasse. Die Maler und Schildermacher gelten sogar als Vorläufer einer frühen kreativen Szene in Köln. Der Kölner Stadt-Anzeiger beschreibt, dass dort Wappen ebenso wie Zeichen für Betriebe und Gaststätten entstanden.
Die Straße ist viel älter als ihr Name
Die Geschichte der Schildergasse beginnt allerdings nicht erst im Mittelalter. Ihre Trasse geht bereits auf das römische Köln zurück. Sie verlief in Ost-West-Richtung durch die damalige Stadt und gehörte zu den wichtigen Straßenachsen der Colonia.
Damit laufen die Menschen heute auf einer Verbindung, die im Kern bereits vor fast 2.000 Jahren existierte. Zusammen mit der Hohen Straße erinnert die Schildergasse bis heute an das Raster der römischen Stadt: Die Hohe Straße verlief von Norden nach Süden, die heutige Schildergasse von Osten nach Westen.
Aus der Handwerkerstraße wurde eine Einkaufsmeile
Das Erscheinungsbild der Straße hat sich im Laufe der Jahrhunderte vollständig verändert. Aus dem Arbeitsort der mittelalterlichen Schildermaler wurde eine der bekanntesten Einkaufsstraßen Kölns. Heute verbindet die rund 500 Meter lange Fußgängerzone den Neumarkt mit der Hohe Straße.
Ganz verschwunden ist die ursprüngliche Bedeutung damit eigentlich nicht. Noch heute wollen die Schilder an den Häusern zeigen, wer dort zu finden ist – sie sehen nur deutlich anders aus als im Mittelalter.
Kölner Geschichte
- Welche Bedeutung Wappen im alten Köln hatten, zeigt auch die Geschichte des Kölner Wappentiers.
- Auch die Antoniterkirche an der Schildergasse erzählt ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte: Sie wurde den Kölner Protestanten während der französischen Zeit überlassen
- Nicht nur bekannte Straßen erzählen von der Vergangenheit: Auch hinter der Bezeichnung Schäl Sick steckt eine besondere Kölner Geschichte.



