Fast jeder Kölner kennt den Niehler Hafen. Vom Rhein aus sind die Kräne und Containerberge kaum zu übersehen. Wenn man mit dem Fahrrad am Niehler Strand entlang fährt, hört man ein nicht enden wollenden Rattern aus dem Hafenbereich. Als Fahrradfahrer hat man über die Hafenbrücke zumindenst einen kleinen Einblick in die Einfahrt des Hafens.
Doch was genau passiert dort eigentlich? Wohin fahren die Güterzüge? Was kommt mit den Schiffen nach Köln? Und wer braucht diesen riesigen Hafen? Hier erfährst du mehr über die Bedeutung des Niehler Hafens für Köln und die Region.
Vier Hafenbecken, Containerbrücken, kilometerlange Gleise, Lagerflächen und Industrieanlagen: Mit einer Fläche von rund 1,4 Millionen Quadratmetern ist Niehl I der größte Hafen Kölns. Das entspricht ungefähr 200 Fußballfeldern. Rund 1.000 Container werden hier nach Angaben der IHK Köln täglich zwischen Schiff, Zug und Lkw bewegt.
Doch der vielleicht wichtigste Begriff für das Verständnis des Hafens lautet: trimodal. Niehl verbindet drei Verkehrsträger miteinander – Schiff, Eisenbahn und Lkw. Ein Container kann beispielsweise mit einem Binnenschiff aus Rotterdam eintreffen, in Niehl auf einen Zug oder Lkw gesetzt und von dort zu seinem Empfänger gebracht werden. In die andere Richtung funktioniert die Kette genauso.
Der Niehler Hafen verbindet Köln mit den großen Seehäfen
Besonders eng ist Köln über den Rhein mit den Häfen an der Nordsee verbunden. Containerschiffe fahren von Niehl nach Rotterdam, Antwerpen und Moerdijk. Die Fahrt von Köln in die Benelux-Häfen dauert laut CTS rund 16 Stunden.
Das erklärt, warum ein Binnenhafen mitten im Rheinland für den Welthandel so wichtig ist. Ein Container aus Asien muss nicht mit einem Lkw vom Seehafen bis zu einem Unternehmen in Köln gefahren werden. Er kann in Rotterdam vom großen Seeschiff auf ein Binnenschiff wechseln und anschließend gebündelt den Rhein hinauffahren.
Die IHK bezeichnet den Hafen deshalb als „Tor zur Welt“ für Unternehmen aus der Region. Sie nennt ausdrücklich Ford, Deutz, Chemieunternehmen sowie kleinere Industriebetriebe aus dem Bergischen Land. Umgekehrt gelangen über den Hafen Konsumgüter in die Region – etwa Kleidung oder Lebensmittel. Als Beispiele nennt die IHK Turnschuhe, Jeans, Orangen, Speiseeis, Maschinenteile und Industriesalz.
Der Niehler Hafen ist also das Herz des Gütertransports. Der Rhein die Lebensader, damit das klappt. Wenn der Rhein nicht oder kaum noch benutzbar ist, kommt ein ganzes System ins Wanken.
Von Niehl fahren Güterzüge quer durch Europa
Ebenso wichtig wie der Rhein ist die Eisenbahn. Vom Containerterminal fahren Container über Nacht nach Rotterdam, Hamburg und Bremerhaven. Hinzu kommen Verkehre nach Busto Arsizio bei Mailand, Valencia in Spanien und Curtici in Rumänien.
Im Hafen und auf den ersten Kilometern nutzen sie die Infrastruktur der HGK. Zwischen Köln-Bickendorf und Köln-Niehl liegen rund sechs Kilometer eigene HGK-Strecke. Über Übergänge unter anderem in Köln-Nippes und Köln-Ehrenfeld gelangen die Züge anschließend ins DB-Netz.
Von dort teilen sie sich das deutsche und europäische Schienennetz grundsätzlich mit anderen Güter- und Personenzügen.
Der Lkw ist meistens nur für die letzten Kilometer da
Dass Niehl als Umschlagplatz funktioniert, zeigt eine weitere Zahl besonders gut: Mehr als 70 Prozent des Lkw-Verkehrs des CTS-Terminals findet innerhalb eines Radius von nur 35 Kilometern statt.
Das Prinzip lautet also häufig: Die lange Strecke wird mit Schiff oder Eisenbahn zurückgelegt, der Lkw übernimmt die letzten Kilometer zum Unternehmen oder Lager.
Damit ist der Niehler Hafen nicht nur für Köln selbst wichtig, sondern für eine ganze Wirtschaftsregion – von Leverkusen und dem Chemiegürtel über den Rhein-Erft-Kreis bis ins Bergische Land.
Niehl II: Köln besitzt auch einen eigenen Chemiehafen
Zum Hafenstandort gehört noch ein Bereich, den viele Kölner kaum wahrnehmen: Niehl II. Während Niehl I Container, Stückgut und verschiedene andere Güter abfertigt, wurde Niehl II bereits 1958 speziell für chemische Flüssiggüter eröffnet.
Besonders ist die direkte Verbindung zu internationalen Pipelines. Laut RheinCargo bestehen Anschlüsse für Stickstoff, Erdgas, Öl sowie Industriegase wie Ethylen und Propylen. Der Standort ist also auch Teil der Versorgung einer der bedeutendsten Chemie- und Industrieregionen Deutschlands.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Wie groß ist Köln im deutschlandweiten Vergleich?
Die offiziellen Statistiken fassen die Kölner Häfen insgesamt zusammen. Dazu gehören also nicht ausschließlich die Anlagen in Niehl.
2025 wurden in den Kölner Häfen insgesamt rund 9,525 Millionen Tonnen Güter per Binnenschifffahrt umgeschlagen. 2023 waren es 7,727 Millionen Tonnen, 2024 bereits wieder 8,817 Millionen Tonnen. Die IHK Köln bezeichnet Köln nach Duisburg als zweitgrößten Binnenhafenstandort Deutschlands.
CTS selbst bezeichnet Niehl als das größte trimodale Containerterminal entlang der Rheinschiene. Die direkte Anbindung an Hamburg und Bremerhaven gibt es bereits seit 1989.
Warum dieser Hafen für Köln so wichtig ist
Der Niehler Hafen bringt Konsumgüter aus den Seehäfen in die Region. Er ermöglicht Unternehmen wie Deutz, Ford sowie zahlreichen Maschinenbau- und Industriebetrieben, Güter international zu versenden. Er versorgt die Chemieindustrie mit Rohstoffen. Und er verbindet das Rheinland mit Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Bremerhaven sowie per Eisenbahn mit Süd- und Osteuropa.
Dabei sorgt der Hafen dafür, dass möglichst viele Güter nicht die gesamte Strecke auf der Autobahn zurücklegen müssen. RheinCargo rechnet vor, dass ein großes Binnenschiff bis zu 250 Lkw ersetzen kann.
Der Niehler Hafen ist also der Ort, an dem die regionale Wirtschaft an internationale Warenströme angeschlossen wird. Ein Container kann morgens zwischen den Kränen in Niehl stehen und anschließend Richtung Rotterdam, Hamburg, Italien oder Spanien reisen.
Umgekehrt kommen über genau diese Wege Waren nach Köln, die wenige Tage oder Wochen zuvor noch auf einem anderen Kontinent unterwegs waren. Mitten im Kölner Norden beginnt im Niehler Hafen ein Stück Weltwirtschaft.



