Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber in Köln gab es vor dem 2. Weltkrieg so prächtige Kaffeehäuser, dass sie an die berühmten Vorbilder in Wien erinnerten. Das vielleicht repräsentativste Kaffeehaus der Vorkriegszeit war das Café Bauer. Es stand an der Hohe Straße / Ecke Perlenpfuhl direkt an der schon damals belebten Einkaufsmeile.
Wahrscheinlich wurde es 1890 eröffnet. Ein Café Bauer gab es damals in mehreren großen Städten, oft von unterschiedlichen Inhabern geführt, aber mit gleichem Namen auftretend. Mit seinem Namen und Konzept stand es in der Tradition der großen Kaffeehäuser jener Epoche. (Foto: IMAGO / Arkivi)
Betreiber der Kölner Filiale war um die Jahrhundertwende der Unternehmer P. E. Strung, dessen Name auf zeitgenössischen Ansichtskarten als Inhaber vermerkt ist. Das Café Bauer entwickelte sich rasch zu einer etablierten Institution im Kölner Stadtleben und galt als erstes Haus am Platz unter den hiesigen Kaffeehäusern jener Zeit.
Prächtiges Gründerzeit-Gebäude an der Hohe Straße
Das Café Bauer an der Hohe Straße befand sich in einem prächtigen Gründerzeitgebäude, das durch aufwendige Architektur und elegante Ausstattung auffiel, wie man auch auf dem Foto aus dem Jahr 1913 (geschätzt) sieht. Die Fassade war reich verziert und das Interieur opulent gestaltet – mit Stuckdekor, großen Spiegeln und luxuriösem Mobiliar.
Auch Beschreibungen von betonen die Exklusivität und Pracht: So war der Eingang in ein detailreich ausgeschmücktes Portal gefasst, und im Inneren boten verschiedene Säle den Gästen unterschiedliche Ambiente.
- Auf historischen Postkarten ist außerdem ein großzügiger Billardsaal im Café Bauer zu sehen, daneben vermutlich Lese- oder Zeitungszimmer sowie Gasträume auf mehreren Etagen.
- Die Architektur und das Interieur machten das Gebäude selbst zu einer stadtbekannten Sehenswürdigkeit.
Gesellschaftliche Rolle und Publikum
Als Café in bester Lage zog das Café Bauer ein vorwiegend bürgerliches und gut situiertes Publikum an. Tagsüber traf man dort Kaufleute auf Geschäftsbesuch ebenso wie Kölner Bürger, Damen der Gesellschaft beim nachmittäglichen Kaffeeklatsch und Intellektuelle oder Künstler jener Zeit.
Abends verwandelte sich das Haus in einen lebhaften Treffpunkt: Man spielte Billard, las in einer Auswahl in- und ausländischer Zeitungen oder lauschte der Live-Musik. Tatsächlich verfügte das Café Bauer – wie viele Kaffeehäuser der Zeit – über Hausmusiker: So trat etwa der junge Jupp Schmitz in den 1920er Jahren dort als Caféhaus-Pianist auf.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Bedeutung in Kölns Gesellschaft vor dem Zweiten Weltkrieg
Vor 1940 genoss das Café Bauer hohes Ansehen und spielte eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben der Domstadt. Es war Schauplatz zahlreicher gesellschaftlicher Ereignisse. So fanden dort Vereinsversammlungen, Dichterlesungen oder Feierlichkeiten statt (beispielsweise bankettierte man dort anlässlich wissenschaftlicher Kongresse in Köln).
In Reiseführern und Stadtschilderungen jener Zeit wird das Haus regelmäßig als Empfehlung genannt, und Postkarten mit Grüßen aus dem Café Bauer waren um 1900 populäre Souvenirs.
Im 2. Weltkrieg vollständig ausgebrannt
Das Café Bauer existiert heute nicht mehr. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude bei den Luftangriffen auf Köln vollständig zerstört. Nach 1945 verblieb an der Stelle – wie an weiten Teilen der Hohe Straße – nur eine Ruinenlandschaft.
Ein Wiederaufbau des historischen Kaffeehauspalastes erfolgte nicht; stattdessen entstanden in den 1950er/60er Jahren Neubauten mit Ladengeschäften. Heute bleiben noch Fotografien, Postkarten und Anekdoten. Sie zeichnen das Bild eines einst glanzvollen Ortes, der über Jahrzehnte zu Köln gehörte – bis die Kriegszerstörung jener Kaffeehaus-Ära ein jähes Ende setzte.
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