Jeder von uns kennt diesen Brunnen, aber viele haben die Anlage noch nie richtig wahrgenommen: Wer die Schildergasse in Richtung Hohe Straße läuft, kommt irgendwann zu der Gabelung, in dessen Mitte der Apple Store steht. Vor dem Laden gibt es einen Platz mit einem Brunnen.
Der Brunnen besteht aus einer Säule, die über 5 Meter nach oben ragt, drumherum sind kleine Sitzhocker. Alles ist aus Beton, alles ist versiegelt. Jeder in Köln dürfte hier schon unzählige Male vorbeigelaufen sein, doch kaum jemand kennt die jüngere und ältere Geschichte dieses Ortes.
Von der leicht gedrehten Granitsäule rinnt heute Wasser an der Oberfläche herab. Das war aber nicht immer so, denn der Brunnen hat eine in Teilen kuriose Geschichte. Seine Name lautet Bierbrunnen – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen.
Ein Platz mit langer Geschichte
Wer hier entlang geht, ahnt meistens nicht, dass er an dem Ort steht, der bei den Römern in Köln der Mittelpunkt der Stadt war. Hier war nämlich das Forum, was man heute als Marktplatz bezeichnen würde, mit einer Ausdehnung von 180 Metern auf allen Seiten.
Mit der heutigen Schildergasse und Hohe Straße kreuzten sich hier außerdem schon damals zwei wichtige Fernstraßen des antiken Kölns.
Kunst für eine neue Fußgängerzone
In den 1960er-Jahren veränderte sich die Kölner Innenstadt grundlegend. Die Schildergasse wurde zur ersten Fußgängerzone Kölns umgestaltet. Wo zuvor Autos fuhren, entstand Raum für Menschen – und somit mehr Platz.
Für den Platz vor dem heutigen Apple Store wurde Anfang der 1970er-Jahre ein Wettbewerb an der damaligen Fachhochschule Köln ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt damals der junge Künstler Harald Frehen. Er gestaltete eine hohe, schlanke, in sich leicht verdrehte Granitstele.
Die Anlage wurde am 6. Mai 1972 eingeweiht. Finanziert wurde sie von der Firma Harzheim, einem damals bedeutenden Biergroßhändler. Auch der Name des Brunnens ist kein Zufall.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Aus diesem Brunnen soll wirklich Bier geflossen sein
Der Brunnen war ursprünglich nicht nur als Wasserspiel gedacht. Zur Einweihung – und bei einzelnen späteren Anlässen – floss tatsächlich Bier am Brunnen. Möglich machte das eine unterirdische Leitung, die zu einem in einer Nebenstraße abgestellten Bierwagen führte. Für kurze Zeit wurde der Brunnen so zur ungewöhnlichen Zapfstelle im öffentlichen Raum.
Ob das Bier tatsächlich dort floss, wo heute das Wasser rauskommt oder es einen anderen Ort dafür gab, dafür konnte ich leider keine eindeutigen Infos finden (wenn sich jemand erinnert, gerne eine E-Mail schreiben)
Dauerhaft setzte sich diese Idee allerdings nicht durch. Ein jährliches Bierfest am Brunnen wurde schnell wieder eingestellt.
Spitznamen und Wahrnehmung
Im Volksmund trägt die knapp acht Meter hohe Säule weniger offizielle Bezeichnungen. Ihre Form hat ihr über die Jahre zahlreiche derbe Spitznamen eingebracht. Als gestalterisches Highlight der Einkaufsstraße gilt der Brunnen bis heute nicht unbedingt – eher als eigenwilliger Fixpunkt inmitten eines Ortes, wo viele Menschen zwischen Handy und Werbung nicht allzuviel von der Umgebung wahrnehmen.
Erinnerung an die Brauerzunft
Dass ausgerechnet hier ein Bierbrunnen gebaut wurde, ist übrigens auch kein Zufall: Denn der Brunnen verweist auf die Brautradition der Stadt. Unweit des Standorts befand sich früher das Haus Mirweiler, einst Zunfthaus der Brauer. Der Brunnen sollte an diese Geschichte erinnern.
Wer heute an der Stele vorbeigeht, sieht vor allem ein modernes Kunstwerk aus Stein und Wasser, das im Stil der 70er-Jahre gebaut wurde.
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