Wer lange genug in Köln lebt, erinnert sich vielleicht noch an Bahnlinien, deren Nummer heute auf keinem regulären KVB-Linienplan mehr auftaucht. Die Linie 6 nach Marienburg, die 11 nach Höhenhaus oder das „Finchen“ nach Frechen gehören für viele Kölnerinnen und Kölner zur persönlichen Stadtgeschichte. (Foto: KVB Köln)
Das wurde auch deutlich, als wir unsere Leserinnen und Leser gefragt haben, an welche Kölner Bahnlinie sie sich erinnern, die es heute nicht mehr gibt. Besonders häufig wurden beispielsweise die Linien 2, 6, 8, 10 und 11 genannt. Auch alte Buchstabenlinien wie F oder L sind offenbar bis heute im Gedächtnis geblieben.
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Das Kölner Bahnnetz wurde in den vergangenen rund 120 Jahren immer wieder neu sortiert. Linien wurden verlängert, zusammengelegt, umbenannt oder komplett eingestellt. Manche Strecken werden noch heute befahren – nur unter einer anderen Liniennummer.
Wer noch tiefer in die Vergangenheit eintauchen möchte: Auch alte KVB-Fahrscheine erzählen spannende Geschichten über das Köln der 70er-Jahre.
Hier sind zehn alte Kölner Bahnlinien, an die sich viele bis heute erinnern.
1. Linie 6: Von Longerich bis Marienburg
Für viele Kölner dürfte die ehemalige Linie 6 eine der bekanntesten verschwundenen Linien überhaupt sein. Besonders eng verbunden ist sie mit der Strecke zwischen dem Kölner Norden und Marienburg.
Die Geschichte der Linie reicht allerdings viel weiter zurück. Die Nummer 6 wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet und ihr Linienweg im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verändert.
1957 wurde die Linie 6 bis zum Südpark in Marienburg verlängert. 1974 entstand schließlich jene Verbindung, an die sich heute noch besonders viele Kölner erinnern: Die Linie 6 fuhr von Longerich bis Marienburg.
Fast drei Jahrzehnte blieb diese Verbindung bestehen. Auch in unseren Leserreaktionen wurde genau diese Strecke mehrfach genannt.
2002 wurde die Linie 6 zunächst auf Longerich–Ubierring verkürzt. 2007 verschwand die Liniennummer schließlich vollständig aus dem regulären Netz. Viele Fahrten und Streckenabschnitte gingen in andere Linien über, unter anderem in die heutige Linie 15.
Wie prägend die Linie 6 für viele Menschen war, zeigt auch ein alter KVB-Fahrschein, den eine Leserin Jahrzehnte später in einem Buch wiedergefunden hat.
2. Linie 2: Von Frechen bis Ostheim
Kaum eine Kölner Bahnlinie wechselte im Laufe ihrer Geschichte so häufig ihren Weg wie die Linie 2.
Schon 1903 wurde die Liniennummer verwendet. In den folgenden Jahrzehnten fuhr sie unter anderem zwischen Lindenthal und Mülheim sowie auf verschiedenen Strecken durch den Kölner Süden und Osten.
Besonders vielen dürfte aber die Linie 2 zwischen Frechen und Ostheim in Erinnerung geblieben sein. Diese Verbindung bestand von 1980 bis 1994.
Danach wurde die 2 noch einige Jahre als Verstärker eingesetzt. Zwischen 1994 und 1999 fuhr sie unter anderem auf Verbindungen vom Neumarkt nach Frechen beziehungsweise Zündorf.
1999 verschwand die Linie 2 schließlich aus dem Kölner Liniennetz. Die Strecken selbst existieren größtenteils weiter – sie werden heute von anderen Linien bedient.
3. Linie 8: Von Junkersdorf in den Kölner Osten
Auch die Linie 8 taucht in den Erinnerungen vieler Kölner auf. Mehrere unserer Leser erinnerten sich beispielsweise an die frühere Endstation Brück.
Ihre Geschichte begann bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Verbindung immer weiter Richtung Osten verlängert.
1959 übernahm die Linie 8 außerdem die bisherige Vorortbahn K nach Königsforst. Danach fuhr sie unter anderem von Junkersdorf bis Königsforst.
Später wurde ihr Linienweg erneut verändert. 1980 verschwand die damalige Linie 8, wobei ihre Fahrten teilweise in andere Linien integriert wurden.
Ganz verschwunden war die Nummer damit allerdings noch nicht. Von 1999 bis 2007 wurde erneut eine Linie 8 eingesetzt, diesmal als Verstärker auf einem Teil des Stadtbahnnetzes.
Seit 2007 ist auch diese Linie Geschichte.
4. Linie 10: Von Klettenberg zu den Fordwerken
Wer früher in Klettenberg wohnte oder bei Ford im Kölner Norden arbeitete, dürfte sich möglicherweise noch gut an die Linie 10 erinnern.
Die Nummer existierte mit unterschiedlichen Strecken bereits lange zuvor. Eine besonders prägende Phase begann jedoch 1967.
Von da an verband die Linie 10 Klettenberg mit den Fordwerken. Rund zwei Jahrzehnte lang blieb diese Verbindung bestehen.
1987 wurde der Linienweg verändert. Im Norden ging es nun bis Merkenich, während die Linie im Süden am Südfriedhof endete.
Im September 1994 fuhr die Linie 10 schließlich zum letzten Mal. Ihre Aufgaben wurden anschließend weitgehend von anderen Linien übernommen.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:5. Linie 11: Von Klettenberg bis Höhenhaus
Auch die Linie 11 hat bei vielen Kölnern Spuren hinterlassen. In unseren Leserreaktionen wurde besonders häufig an ihre Endstation in Höhenhaus erinnert.
Die Geschichte der Liniennummer reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Über Jahrzehnte verlief sie auf unterschiedlichen Verbindungen.
1970 bekam sie schließlich einen Linienweg, an den sich viele ältere Kölner noch erinnern dürften: Die Linie 11 verband Klettenberg zunächst mit Mülheim.
Ab 1974 wurde sie weiter verlängert und fuhr bis Höhenhaus.
Auch die Wendeschleife am Klettenbergpark ist einigen Menschen noch gut im Gedächtnis geblieben.
Im November 1986 wurde die Linie 11 eingestellt. Teile ihrer bisherigen Verbindung wurden anschließend von anderen Linien übernommen. Die Geschichte der alten Liniennummern zeigt dabei, wie häufig das KVB-Netz in den vergangenen Jahrzehnten neu geordnet wurde.
6. Linie F: Das legendäre „Finchen“ nach Frechen
Noch bevor die Kölner Bahnen ausschließlich Nummern trugen, gab es eine ganze Reihe von Vorortbahnen mit Buchstaben.
Eine davon ist bis heute besonders bekannt: die Linie F nach Frechen.
Die Strecke selbst ist sogar älter als das Kölner Vorortbahnnetz. Bereits 1893 nahm die Kleinbahn zwischen Köln und Frechen ihren Betrieb auf. 1914 wurde die Verbindung neu ausgebaut und erhielt die Kennzeichnung F.
Im Kölschen wurde daraus schnell ein liebevoller Spitzname: „Et Finchen“.
Wir haben die Geschichte von „Et Finchen“ und der alten Bahn nach Frechen hier ausführlich erzählt.
Die Linie F startete in der Nähe des Rudolfplatzes und führte nach Frechen. Sie hielt sich länger als alle anderen Kölner Buchstabenlinien.
Erst 1969 verlor das Finchen als letzte Vorortbahn seinen Buchstaben und wurde in die Linie 20 integriert. Später übernahm die Linie 2 den Personenverkehr nach Frechen.
Heute fährt die Linie 7 bis Frechen-Benzelrath.
Ein restauriertes Finchen existiert sogar noch. Es gehört zur historischen Sammlung in Thielenbruch und ist bei Sonderfahrten gelegentlich auf Kölns Gleisen unterwegs.
Wer sich für solche historischen Fahrzeuge interessiert, findet das Straßenbahn-Museum Thielenbruch auch in unserer Übersicht der Museen in Köln, die man einmal besucht haben sollte.
7. Linie L: Vom Neumarkt nach Lövenich
Auch an die Linie L erinnern sich einige Kölner bis heute.
Eine Leserin schrieb uns beispielsweise, ihre Großeltern hätten immer von der Bahn zwischen Neumarkt und Weiden beziehungsweise Lövenich erzählt. In der Familie sei sie scherzhaft sogar „Linie Langsam“ genannt worden.
Die Strecke wurde 1912 eröffnet. Sie führte vom Neumarkt über die Aachener Straße, Müngersdorf, Junkersdorf und Weiden bis Lövenich.
1956 wurde die Linie L eingestellt. Der Abschnitt vom Neumarkt bis Junkersdorf wurde von der Linie 8 übernommen. Die weitere Strecke Richtung Lövenich wurde stillgelegt.
Jahrzehnte später kehrte die Bahn jedoch zurück.
Am 16. Juni 2002 wurden die Gleise zwischen Junkersdorf und Weiden wieder in Betrieb genommen. Die Linie 1 fuhr zunächst bis Weiden Schulstraße.
Zur Fußball-WM 2006 folgte schließlich die Verlängerung bis zur neuen Endhaltestelle Weiden West. Seitdem verbindet die Linie 1 Weiden West mit Bensberg.
Die Aachener Straße gehört heute zu Kölns wichtigsten Bahnachsen. Was dort in Zukunft mit der Stadtbahn passieren könnte, erklären wir in unserem Artikel zur geplanten Zukunft der Ost-West-Achse am Neumarkt.
8. Linie O: Mit der Bahn bis Opladen
Eine direkte Straßenbahnverbindung von Köln bis Opladen? Auch die hat es einmal gegeben.
Die Linie O gehörte zu den früheren Kölner Vorortbahnen. Ihre Geschichte geht auf die Mülheimer Kleinbahnen zurück, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts Verbindungen im Rechtsrheinischen betrieben.
1933 übernahmen die Kölner Straßenbahnen die Strecke als Linie O.
Ab 1951 hatte sie einen bemerkenswerten Linienweg: Sie startete am Ubierring, fuhr über die Ringe und den Ebertplatz, anschließend über die Mülheimer Brücke sowie Stammheim, Flittard, das Bayerwerk und Wiesdorf bis nach Opladen.
Damit verband eine einzige Bahn den Kölner Süden mit dem heutigen Leverkusener Stadtgebiet.
Lange hielt sich diese Verbindung jedoch nicht mehr: Im Oktober 1958 wurde die Linie O eingestellt.
Heute wird der Korridor größtenteils durch andere öffentliche Verkehrsmittel bedient.
9. Linie P: Vom Neumarkt nach Zündorf
Wer heute mit der Linie 7 nach Porz und Zündorf fährt, nutzt eine Verbindung mit einer ausgesprochen langen Geschichte.
Früher trug sie den Buchstaben P.
Eine Vorortbahn nach Porz gab es bereits ab 1909. Die Strecke führte vom Neumarkt über die Siegburger Straße nach Porz.
1921 wurde sie bis Zündorf verlängert. Einzelne Fahrten gelangten um 1950 über die Gleise der Kleinbahn Siegburg sogar noch weiter bis Langel.
1967 verlor die Bahn den Buchstaben P.
Die Verbindung selbst blieb bestehen und wurde in das normale Kölner Liniennetz integriert. Heute fährt auf der Strecke nach Zündorf die Linie 7.
Dass viele der alten Strecken bis heute das KVB-Netz prägen, zeigt sich gerade an den heutigen Ost-West-Linien 1, 7 und 9. Wie wichtig sie inzwischen geworden sind, zeigte beispielsweise die große Sperrung der Linien 1, 7 und 9 rund um die Deutzer Brücke.
10. Linie B: Vom Neumarkt nach Bensberg
Auch die heutige Linie 1 hat einen historischen Vorgänger mit einem einzelnen Buchstaben.
Die Vorortbahn B wurde 1906 eröffnet. Zunächst führte die Strecke über Kalk, Höhenberg und Merheim bis Brück.
Ab 1913 ging es weiter bis nach Bensberg.
Das B stand dabei ursprünglich nicht bewusst für Bensberg. Die frühen Vorortbahnen erhielten ihre Buchstaben zunächst entsprechend der Reihenfolge ihrer Eröffnung. Erst ab 1933 wurden die Bezeichnungen stärker an den jeweiligen Zielorten ausgerichtet. Da passte bei dieser Strecke das bereits vorhandene B praktischerweise weiterhin zu Bensberg.
Für die Strecke wurde in Bensberg sogar ein eigener Betriebshof gebaut.
1967 wurde die Linie B eingestellt.
Die Verbindung verschwand allerdings nicht. Die Strecke bis Bensberg wird seitdem von der Linie 1 bedient. Im Jahr 2000 wurde die Bahn zudem bis ins Bensberger Zentrum verlängert.
Heute fährt die Linie 1 quer durch Köln von Weiden West bis Bensberg – über eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt.
Köln hatte sogar Bahnlinien bis zur Nummer 27
Die zehn Beispiele zeigen nur einen Ausschnitt aus der Kölner Nahverkehrsgeschichte.
Tatsächlich waren im Laufe der vergangenen rund 120 Jahre zahlreiche weitere Liniennummern vergeben. Die höchste regulär verwendete Nummer war sogar die 27.
Die Linie 27 wurde erstmals 1931 eingerichtet. Sie diente als Verstärker der damaligen Vorortbahn C und bediente unter anderem das schnell wachsende Kalkerfeld – den heutigen Stadtteil Buchforst.
Bereits 1933 verschwand die Nummer zunächst wieder.
1943 wurde die Linie 27 erneut vergeben. Diesmal fuhr sie auf einer Verbindung zwischen Klettenberg und Zoo/Flora, später weiter bis in Richtung Riehl.
Nach der kriegsbedingten Einstellung 1944 kehrte die Linie 27 nicht mehr zurück.
Viele alte Strecken gibt es bis heute
Das Spannende an den verschwundenen Kölner Bahnlinien ist: Häufig verschwand nur die Nummer oder der Buchstabe – nicht die eigentliche Verbindung.
Aus der alten Linie B wurde beispielsweise die heutige Linie 1 nach Bensberg. Die Strecke der ehemaligen Linie P wird heute von der 7 nach Zündorf bedient. Auch nach Frechen fährt weiterhin eine Bahn, obwohl das legendäre Finchen längst nicht mehr zum normalen Linienverkehr gehört.
Das heutige KVB-Netz trägt deshalb an vielen Stellen noch die Spuren seiner mehr als hundertjährigen Geschichte.
Wer testen möchte, wie gut er sich mit dem Kölner Nahverkehr auskennt, kann hier außerdem unser KVB-Quiz mit Fragen aus Vergangenheit und Gegenwart spielen.
Und wer noch eine Bahnlinie kennt, die unbedingt in diese Sammlung gehört: Welche alte Kölner Bahnlinie ist euch besonders in Erinnerung geblieben?



