Die weißen Tücher über der Hohe Straße sind mehr als Dekoration: Messungen der Universität zu Köln zeigen, dass die seit 2024 eingesetzte Verschattung an heißen Sommertagen tatsächlich für spürbare Abkühlung sorgt. In den Nachmittagsstunden konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Kühleffekte von zwei bis drei Grad Celsius feststellen.
Von vielen Leuten wurden die Tücher belächelt – oft im Unwissen, welches technisches Setup dahinter steckt. Nun gibt es erstmals konkrete Messdaten dazu, wie stark eine solche Verschattung in einer dicht bebauten Kölner Einkaufsstraße wirken kann. Die Ergebnisse stammen aus dem „Klimalabor Köln“, bei dem untersucht wird, welche Maßnahmen Innenstädte angesichts zunehmender Hitzewellen erträglicher machen können.
40 Sensoren messen das Klima in der Hohe Straße
Für die Untersuchung wurden im Jahr 2025 insgesamt 40 Sensoren in verschiedenen Höhen an den Gebäudeseiten der Hohe Straße angebracht. So konnten die Forschenden räumlich sehr genau erfassen, wie sich Temperatur und mikroklimatische Bedingungen entlang der Fußgängerzone verändern.
Nach Angaben der Universität zu Köln wurden damit erstmals in einer großen deutschen Innenstadt hochauflösende Messdaten in einer Fußgängerzone erhoben, die gezielt mit solchen Verschattungselementen ausgestattet ist.
Das Ergebnis: Besonders in den warmen Nachmittagsstunden machten sich die Tücher bemerkbar. Die Wissenschaftler stellten dort einen Kühleffekt von zwei bis drei Grad Celsius fest.
Die weißen Stoffbahnen sind seit 2024 während der Sommermonate über der Hohe Straße gespannt. Entwickelt wurde die Maßnahme von der Aachener Grundvermögen, der zahlreiche Gebäude an der Einkaufsstraße gehören, gemeinsam mit dem Kölner Stadtmarketing.
Jetzt wird die gesamte Hohe Straße am Computer nachgebaut
Die Messungen dienen inzwischen als Grundlage für den nächsten Schritt. Studentin Lauren Gülker entwickelt im Rahmen ihrer Masterarbeit ein dreidimensionales Mikroklima-Modell der Hohe Straße.
Dabei wird die Einkaufsstraße digital nachgebildet. Die real gemessenen Daten helfen dabei, das Modell möglichst nah an die tatsächlichen Bedingungen vor Ort anzupassen. Der Vorteil: Die Forschenden müssen mögliche Hitzeschutzmaßnahmen nicht zunächst aufwendig in der Realität installieren, sondern können verschiedene Varianten am Computer durchspielen.
So lässt sich beispielsweise simulieren, wie sich zusätzliche Verschattung, Pflanzen oder Wasser auf das Klima zwischen den Gebäuden auswirken könnten.
Fassadenbegrünung und Wassernebel werden untersucht
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die bereits vorhandenen Tücher. Die Universität untersucht auch weitere Maßnahmen, mit denen die Hitzebelastung in der Innenstadt reduziert werden könnte.
Dazu gehören insbesondere Fassadenbegrünungen und Wasservernebelung. Mithilfe des Simulationsmodells soll verglichen werden, welche Maßnahme unter welchen Bedingungen den größten Effekt hat.
Entscheidend ist dabei auch, dass nicht jede Lösung an jedem Ort gleich gut funktioniert. Gebäudehöhe, Straßenbreite, Sonnenstand, Wind und vorhandene Verschattung können dafür sorgen, dass sich Maßnahmen von Straße zu Straße unterschiedlich auswirken.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:„So lässt sich herausfinden, welche Maßnahmen an spezifischen Standorten am besten geeignet sind“, erklärt Projektleiter Dr. Nils Eingrüber vom Geographischen Institut der Universität zu Köln. Daraus sollen belastbare Empfehlungen für weitere Klimaanpassungen in innerstädtischen Einkaufsstraßen entstehen.
Hohe Straße wird zum Versuchslabor für andere Innenstädte
Die Forschenden wollen mit dem Projekt deshalb nicht nur herausfinden, wie sich die Hohe Straße verbessern lässt. Die Ergebnisse könnten auch Hinweise darauf liefern, wie andere dicht bebaute Einkaufsstraßen auf zunehmende Sommerhitze reagieren können.
Gerade dort entsteht häufig ein problematisches Mikroklima: Asphalt, Pflaster und Hausfassaden speichern tagsüber Wärme und geben sie später wieder ab. Gleichzeitig gibt es in vielen Einkaufsstraßen nur wenige Bäume und Grünflächen.
Das Kölner Projekt verbindet deshalb reale Messungen vor Ort mit Computersimulationen. Laut Universität handelt es sich um ein deutschlandweit einmaliges Reallabor, in dem wissenschaftliche Untersuchungen unmittelbar mit konkreten Fragen der Stadtentwicklung verbunden werden.
Das wichtigste Ergebnis steht bereits fest: Schon eine vergleichsweise einfache Verschattung kann einen messbaren Unterschied machen. In der Hohe Straße lag dieser an heißen Nachmittagen bei bis zu drei Grad Celsius.
➡️ Nun soll geklärt werden, ob eine Kombination aus Schatten, Begrünung und Wasser diesen Effekt künftig noch deutlich verstärken kann.



