Die OSMAB Holding AG ist Präsentator der Kölner Lichter und trägt mit ihrem Engagement maßgeblich dazu bei, dass die Großveranstaltung seit 2025 wieder stattfinden kann.
Anton Mertens ist Mitbegründer, Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender der OSMAB Holding AG. Der studierte Jurist hat mehrere Unternehmen mitgegründet und geleitet und ist zudem Mitbegründer der Kölner Rechtsanwaltskanzlei Mertens & Kollegin. (Foto: Denise Hackmann / Kölner Lichter)
Im ersten Teil des Gesprächs mit Verliebt in Köln hat Mertens darüber gesprochen, warum er das Großereignis als wirkungsvolles Stadtmarketing betrachtet. Im zweiten Teil spricht er darüber, welche Entwicklungen Köln in der Zukunft prägen werden und welche Chancen der Standort Köln hat.
Verliebt in Köln: Überwiegt bei Ihnen aktuell die Liebe zu Köln oder der Ärger über Köln?
Mertens: „Die Liebe.
Ich glaube, dass die Kölner sich zwar über ihre Stadt ärgern. Aber richtig etwas ändern möchten die Menschen an der „Kölnheit” auch nichts.“
Verliebt in Köln: Sie haben gesagt: „Köln darf kein schlafender Riese werden“ – wo schläft Köln gerade?
Mertens: „Wir schlafen momentan im Bankenviertel. Das Bankenviertel ist aus meiner Sicht unbearbeitet. Die Peripherie in diese Richtung wurde weitgehend von einem Unternehmen aus Hamburg aufgekauft. Das kann ich unternehmerisch nachvollziehen, das ist aus deren Sicht richtig gedacht.
Aber wir bekommen kein Leben in die Stadt, weil wir keine Nutzer haben. Und wenn wir keine Nutzer für diese Gebäude haben, dann werden diese Gebäude mit all den Auflagen – von Denkmalschutz bis zu anderen Themen – nicht ins Leben zurückzubringen sein.
Das heißt: Wir lassen dort einen ganzen Stadtteil sterben.
Ein Beispiel ist das Rolex-Haus. Nach meinem Eindruck haben die politischen und verwaltungsnahen Strukturen den Rolex-Leuten vermiest, das zu bauen, was sie selbst bauen wollten. Wenn Rolex weg ist, wird das Gebäude verkauft. Dann kommt der nächste, und dann schauen wir weiter.“
Verliebt in Köln: Wie kann man eine Innenstadt für die Menschen in Köln wieder beleben?
Mertens: „Vielleicht müssen wir einfach wieder mehr Wohnen in die Stadt bringen. Wohnen wollen alle. Dass es oft nicht bezahlbar ist, ist ein weiteres Thema.
Wir würden auch Wohnungen bauen. Aber wenn es sich nicht lohnt, kann man es nicht machen. Beim Invest spielen viele Kosten eine Rolle. Ich frage Politiker dann manchmal: Warum haben wir ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Lebensmittel und andere Dinge der Grundversorgung, aber nicht beim Wohnen?
Mehr Grundversorgung als Wohnen geht eigentlich nicht. Wenn man nicht möchte, dass Menschen irgendwann in 20-Quadratmeter-Zimmern leben und sich 400 Menschen 8.000 Quadratmeter teilen, dann müssen wir Wohnen wieder zum Rechnen bringen.
Ein Mehrwertsteuerunterschied zwischen 7 und 19 Prozent ist beim Invest sehr viel Geld. Das wäre ein möglicher Schritt. Aber da bekommen Bund, Länder und Kommunen die Mehrwertsteuerverteilung nicht geregelt. Auch das ist politischer Stillstand.“
Verliebt in Köln: Wie kann man eine Innenstadt wieder attraktiver machen?
Mertens: „Warum sollen nicht wieder mehr Menschen in der Stadt wohnen?
Kluge Stadtplaner sagen: Wir müssen die Stadt wieder kürzer machen. Stichwort 15-Minuten-Stadt. Also Wohnen, Arbeiten, Schule, Arzt und andere Infrastruktur so zusammenbringen, dass Wege kürzer werden. Dann entsteht auch weniger Verkehr.
Dazu müssen wir über Verkehr, Baurecht und andere Rahmenbedingungen neu nachdenken.“

Verliebt in Köln: Was wird sich in Köln in den nächsten Jahrzehnten verändern?
Mertens: „In zehn Jahren werden wir sehr viel robotisch fahren. Das kommt, ob wir wollen oder nicht. Das heißt: Wir müssen heute schon überlegen, was dann anders funktioniert.
Parkhäuser werden anders sein müssen. Parkverhalten wird sich verändern. Autos werden viel mehr fahren und viel weniger stehen. Wir müssen Räume anders denken und vielleicht auch fürs Fahren anders öffnen. Dafür gibt es intelligente Ansätze und Menschen, die sich damit beschäftigen können.
Aber wir müssen bereit sein, bevor es da ist. Wenn man wartet, bis es da ist, und sich dann wundert, dass es nicht funktioniert, passiert das, was wir bei vielen Infrastrukturdingen gerade erleben.“
Verliebt in Köln: Gibt es in Köln einen Ort mit besonders großem Potenzial?
Mertens: „Ich würde die rechte Rheinseite nennen, also die Seite, die den Rhein begleitet.
Wir haben am Deutzer Hafen ein riesiges Projekt, das die moderne Stadt betreibt. Dazu möchte ich mich jetzt nicht im Detail äußern. Aber man muss an solche Dinge praktisch und schneller herangehen.
Im Mülheimer Süden haben wir seit 15 Jahren eine Bauruine mit allen möglichen Spekulanten, denen wir als Stadt aufgesessen sind. Auch dort muss es schneller vorwärtsgehen.
Wir haben den Bedarf. Dort könnten kurze Wege entstehen, Arbeiten und Wohnen könnten sich stärker mischen. Aber dafür müssen wir auch die Infrastruktur dorthin bringen: Kindergarten, Schulen, ärztliche Versorgung und alles, was zur sozialen Infrastruktur gehört.“
Verliebt in Köln: Wenn Sie drei Dinge in Köln verändern könnten: Was wäre das?
Mertens: „Ich fange mit dem sozialen Aspekt an, der mir am Herzen liegt: Obdachlosigkeit. Das Thema geht mir unter die Haut. Drogen, Obdachlosigkeit, Menschen auf der Straße – denen müssen wir helfen. Das darf nicht nur rund um den Hauptbahnhof sichtbar sein und dann verdrängt werden.
Wie wir helfen, darüber muss man kluge Konzepte entwickeln. Ich habe einmal Sozialarbeit studiert, bevor ich Jura studiert habe. Das ist 40 Jahre her. Aber eines ist klar: Man muss Menschen von der Straße helfen.
Der zweite Punkt ist Sicherheit und Sauberkeit. Das ist für mich ein Anspruch an eine Stadt.
Der dritte Punkt ist eine Stadtplanung, die wieder eine funktionierende Stadt herstellt – also eine vernünftige Infrastruktur und einen funktionierenden Staat.
Das zeigt sich etwa bei der Mülheimer Brücke. Wenn man seit zehn Jahren daran arbeitet und dann noch einmal lange braucht, um zu verstehen, ob man mit einem Fahrzeug darüberfahren kann, dann ist das nicht mein Anspruch. Wenn ich in Mülheim wohne, will ich über diese Brücke auf die andere Seite der Stadt.“
Verliebt in Köln: Wo hat Köln als Millionenstadt einen Standortvorteil?
Mertens: „Köln hat aufgrund seiner verkehrlichen Lage einen großen Vorteil – wenn wir die Anbindung vernünftig hinbekommen. Ich meine ausdrücklich auch die Bahn.
Köln kann ein sehr guter Backoffice-Standort für teure europäische Standorte sein. Wir sind nach wie vor relativ günstig, auch für komplexe Anwendungen. Wir haben mit den großen Universitäten qualifizierten Nachwuchs in der Stadt.
Köln kann für Frankfurt, London, Brüssel, Amsterdam oder Rotterdam interessant sein. Diese Städte haben ganz andere Preisniveaus und sind von Köln aus in kurzer Zeit erreichbar, auch ohne Flugzeug.
Wenn man das vernünftig angeht, könnte Köln viele internationale Arbeitsplätze anziehen. Aber aktuell gehen viele nicht nach Köln. Sie gehen nach Paris, Frankfurt oder irgendwo anders. Mir fehlt dieser Zuzug von außen für intelligente Arbeitsplätze mit Zukunft.
Wir müssen sehen: Das Thema Künstliche Intelligenz wird uns eine ganze Menge Arbeit wegnehmen. Deshalb brauchen wir kluge Arbeitsplätze, damit Köln eine Zukunft hat.“



