Jan und Griet

Warum ist die Jan und Griet-Sage in Köln so wichtig?

Wer in Köln den Satz hört „Jan, wer et hätt jewoss!“, weiß sofort: Es geht um eine verpasste Gelegenheit. Kaum eine Liebesgeschichte ist in der Domstadt so präsent wie die Sage von Jan und Griet. Sie gehört zum kölschen Grundgefühl. Jedes Jahr an Weiberfastnacht für das Reiter-Korps „Jan von Werth“ dieses historische Spiel am Chlodwigplatz auf, anschließend führt ein Zug durch die Stadt und eröffnet die Straßenumzüge.

Jan und Griet: Worum geht es in der Sage?

Die Geschichte spielt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Auf dem Kümpchenshof in Köln arbeitet der Knecht Jan. Er verliebt sich in die hübsche Magd Griet und wagt schließlich den Heiratsantrag. Doch Griet träumt von einem besseren Leben. Sie will keinen einfachen Knecht, sondern einen wohlhabenden Bauern mit Ochsen, Kühen und Pferden.

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Jan ist tief getroffen. Er zieht als Soldat in den Krieg, macht Karriere und wird schließlich als Reitergeneral bekannt: Johann von Werth. Jahre später kehrt er im Triumph nach Köln zurück. Am Severinstor begegnet er Griet wieder – gealtert, als einfache Marktfrau, wie sie Äpfel und Kastanien verkauft.

  • Er sagt zu ihr: „Griet, wer et hätt jedonn!“ („Griet, wenn du es doch getan hättest!)
  • Sie antwortet: „Jan, wer et hätt jewoß“ („Wenn ich es gewusst hätte!”)

Zwei Sätze, die bis heute für verpasste Chancen stehen.

Was ist historisch belegt – und was Sage?

Die Figur des Jan basiert tatsächlich auf der historischen Persönlichkeit Johann von Werth, einem bedeutenden Reitergeneral des Dreißigjährigen Krieges. Geboren 1591 in Büttgen bei Neuss, stieg er vom einfachen Bauernsohn zum Feldmarschallleutnant auf.

Militärisch spielte er eine wichtige Rolle, unter anderem bei der Rückeroberung der Festung Ehrenbreitstein 1637. Für Köln war das bedeutsam, weil dadurch wichtige Handelswege am Rhein wieder gesichert wurden. Die Stadt profitierte wirtschaftlich von seinen Erfolgen.

Eine verschmähte Jugendliebe namens Griet ist historisch jedoch nicht belegt. Diese romantische Komponente wurde im 19. Jahrhundert literarisch ausgestaltet, unter anderem vom Kölner Dichter Karl Cramer. Die Sage verbindet also reale Geschichte mit volkstümlicher Erzähltradition – ein typisches Muster kölscher Erinnerungskultur.

Warum ist die Geschichte für Köln so wichtig?

Die Jan-und-Griet-Sage verdichtet mehrere Motive, die für Köln identitätsstiftend sind:

  • Aufstieg vom „kleinen Mann“ zu Ruhm und Anerkennung
  • Die Ironie des Lebens
  • Die Mahnung, Chancen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen
  • Und die typisch kölsche Mischung aus Tragik und Gelassenheit

Der Satz „Wer et hätt jewoss“ ist bis heute im Sprachgebrauch verankert. Er steht für das Eingeständnis: Manchmal erkennt man den Wert einer Situation erst, wenn es zu spät ist.

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Bedeutung im Karneval

Besonders lebendig wird die Sage im Kölner Karneval. Das Reiter-Korps Reiter-Korps Jan von Werth 1925 e.V. gehört zu den traditionsreichen Karnevalsgesellschaften der Stadt. Jedes Jahr wird ein „Jan un Griet“-Paar proklamiert, das die legendäre Begegnung am Severinstor symbolisch darstellt. Das Paar gilt als zweithöchstes Paar im Kölner Karneval – nach dem Kölner Dreigestirn.

Bei Sitzungen und Umzügen wird die Szene nachgestellt – inklusive der berühmten Dialogzeilen. Damit wird die Sage nicht nur erzählt, sondern gespielt und weitergegeben. Sie ist Teil des Karnevals und des Brauchtums.

Im Rosenmontagszug reitet „Jan“ hoch zu Ross, während „Griet“ ihm gegenübersteht – ein Bild, das viele Kölnerinnen und Kölner von Kindesbeinen an kennen.

Und am Ende gibt es auch eine Moral der Geschichte: Nicht immer ist das vermeintlich Größere auch das Bessere. Und manchmal erkennt man den Wert eines Menschen erst, wenn er längst weitergezogen ist.

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