„Niemals geht man so ganz“: Wie es zum legendären TV-Auftritt kam

Wir sehen Trude Herr auf der Bühne. Sie sitzt auf einem Stuhl. Neben ihr stehen der junge Tommy Engel (damals 38) und Wolfgang Niedecken (damals 37). Wenn die ersten Akkorde erklingen, bekommt man unweigerlich Gänsehaut. Während des Liedes schmiegt sie sich an Tommy Engel und Wolfgang Niedecken an. Im TV-Studio des WDR sitzen rund 200 Menschen an Tischen. Auf YouTube hat das Lied heute viele Millionen Aufrufe. Es ist das vielleicht legendärste Video eines kölsches Lieds überhaupt. (Foto: IMAGO / Horst Galuschka)

Die drei Musiker waren am 21. Juni 1987 zu Gast in der WDR-Sendung „So isses“, die von Jürgen von der Lippe moderiert wurde. Die Sendung lief 1x im Monat sonntagsabends um 20:15 Uhr im Fernsehen. Sie war gleichzeitig der Durchbruch für Jürgen von der Lippe im Fernsehen.

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„Niemals geht man so ganz“: Eine Hymne Kölns

Als Trude Herr, Tommy Engel und Wolfgang Niedecken das Lied auf der Bühne sangen, war „Niemals geht man so ganz“ noch weitgehend unbekannt. In der Live-Sendung rührte es die Zuschauer vor dem TV – und auch im Studio. Diese forderten eine Zugabe, sodass der Song einfach erneut gespielt wurde. Der Auftritt war übrigens Voll-Playback.

„Niemals geht man so ganz“ ist bis heute eine Hymne von Köln. Wenn auf dem Kölner Melatenfriedhof eine Beerdigung stattfindet, gehört es zu den Liedern, die häufig zu hören sind. Gänsehaut, Tränen, Erinnerungen. Für viele Kölner ist der Song deshalb auch heute so emotional, weil er auf der Beerdigung von geliebten Familienmitgliedern lief.

Unvergessen auch, wie der Song im alten Müngersdorfer Stadion lief, nachdem der 1. FC Köln 1998 zum ersten Mal in seiner Geschichte aus der 1. Bundesliga abgestiegen war. Bei der Goldenen Kamera sangen es Kölner Künstler in Gedenken an Dirk Bach.

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Platz 20 in den Charts nach dem TV-Auftritt

„Niemals geht man so ganz“ war zugleich Trude Herrs Abschiedslied aus Deutschland und ihr letzter großer Erfolg. Nach dem TV-Auftritt, im August 1987, erreicht „Niemals geht man so ganz“ Platz 20 in den deutschen Single-Charts. Der Song war das elfte von elf Lieder auf der Platte „Ich sage, was ich meine“, die 1987 erschien.

Bereit ein Jahr zuvor, 1986, war sie nach Mexiko und von dort aus auf die Fidschi Inseln gereist. Als sie zurück nach Deutschland kam, stand für sie fest, dass sie künftig auf den Fischi Inseln leben wollte. Sie schloss das Theater, verkaufte ihr Haus und ihr Hausboot.

(Wenn dir das Video nicht angezeigt wird, klick auf diesen Link.)

Niemals geht man so ganz: Hochdeutsch und Kölsch

Interessant an dem Lied: Während Trude Herr Hochdeutsch singt, singen Tommy Engel und Wolfgang Niedecken Kölsch. Der Song wurde zunächst komplett auf Hochdeutsch aufgenommen, Wolfgang Niedecken intervenierte anschließend aber. Niedecken und Engel nahmen ihren Part anschließend noch einmal auf. Trude Herrs Gesang blieb wie er ist, da sie zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus lag.

Es ist ein Auftritt für die Ewigkeit. Die Musiker, der Song, das Gefühl. Folgender Kommentar unter dem YouTube-Video bringt es auf den Punkt:

  • „Trude war einmalig, BAP war das Neue im Rock, doch Tommy Engel is ming Kölle. Der beste Sänger, die Stimme der Stadt . Zusammen sind die drei ein Monument.“

Trude Herr verstarb mit 63 Jahren 1991 in Südfrankreich an Herzversagen. Sie liegt auf dem Kölner Nordfriedhof begraben. Hier lest ihr, wie man das Grab von Trude Herr auf dem Friedhof finden kann.

Trude Herr: Ihr Leben

  • Trude Herr liegt auf dem Kölner Nordfriedhof begraben.
  • Sie war verheiratet mit Ahmed M’Barek, den sie 1964 bei einer Reise durch die Sahara kennenlernte. Mit ihm war sie bis 1976 verheiratet.
  • Ihren letzten Lebenspartner Samuel Bawesi lernte sie Anfang der 90er-Jahre auf den Fidschi Inseln kennen.
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1 Kommentar

  • Sonja Flatow

    Ergreifende Worte, viele Menschen bei der Beerdigung von Trude. Ich war dabei und habe noch heute das Gefühl von damals.
    Sonja Flatow

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