Mitten in Köln sieht man bis heute eine Vielzahl römischer Spuren. Unter dem Kölner Rathausplatz wird derzeit Geschichte ein weiterer Teil der Kölner Geschichte freigelegt – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Bauarbeiten für den unterirdischen Rundgang des MiQua – LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln stoßen Archäologinnen und Archäologen auf außergewöhnlich gut erhaltene römische Baureste. (Fotos: Stadt Köln)
Das Besondere: Diese Überreste lagen so tief im Boden, dass sie später nie zerstört wurden – ein seltener Glücksfall. Normalerweise bleiben aus der Römerzeit nur Fundamente übrig, weil neuere Gebäude ältere Strukturen überbauen oder abtragen.
Hier jedoch wurden die römischen Bauwerke schon vor fast 2000 Jahren selbst zugeschüttet – und dadurch wie unter einer Schutzdecke konserviert.
Ein römisches Großgebäude mit monumentaler Rundwand
Ein besonders beeindruckender Fund ist das Fundament einer Apsis. So nennt man die halbrunde Abschlusswand eines großen Gebäudes. Solche Apsiden kennt man vor allem aus Basiliken – großen Hallenbauten der Römer, die für Verwaltung, Gerichtsverhandlungen oder repräsentative Zwecke genutzt wurden.
Es geht also nicht um ein Wohnhaus, sondern um ein öffentliches Großgebäude.
Dieses Fundament ist bis zu vier Meter dick. Das zeigt, wie massiv hier gebaut wurde. Der Bau stammt aus dem 4. Jahrhundert.
Überraschend war für die Forscher die Bauweise. Erwartet wurde römischer „Gussbeton“ (Fachbegriff: opus caementitium), eine Art antiker Beton. Stattdessen fanden sie schichtweise aufgeschichtete Steine – Tuff, Basalt und Kalkstein – verbunden mit extrem festem Mörtel. Vereinfacht gesagt: Hochwertige Ingenieurskunst der Antike, gebaut für die Ewigkeit.
An der Oberfläche war dieser Bereich früher nur als leichte Absenkung auf dem Rathausplatz zu sehen. Jetzt ist klar, was darunter steckt.
Eine römische Treppe Richtung Rhein
Ein weiterer seltener Fund ist eine römische Treppe aus dem späten 1. Jahrhundert.
Sie verband ein sehr tief gelegenes Geländeniveau in Richtung Rhein mit einem höher liegenden Bereich des Praetorium Köln. Das Praetorium war der Palast des römischen Statthalters – also das Machtzentrum der Provinz. Köln war damals Provinzhauptstadt.
Treppen aus der Römerzeit sind in Köln fast nie erhalten. Meist bleiben nur Fundamentreste übrig. Dass diese Treppe überlebt hat, liegt daran, dass sie schon in römischer Zeit unter Erdschichten verschwand und dadurch geschützt war.
Wohin sie genau führte, ist bislang nicht bekannt – genau das macht sie für die Forschung besonders spannend.
Ein römischer Hausaltar – nördlich der Alpen einmalig
Der vielleicht spektakulärste Fund ist ein sogenanntes Lararium aus dem 2. Jahrhundert.
Ein Lararium war ein kleiner Hausaltar. Dort verehrten die Bewohner ihre Schutzgötter, die Laren. Man opferte Speisen, Wein oder kleine Gegenstände – vergleichbar mit einem privaten religiösen Ort im Haus.
Hier sind noch erstaunliche Details erhalten:
- Nagellöcher zeigen, wo früher Girlanden hingen
- In der Nische sind Reste der Bemalung zu erkennen
- Die ursprüngliche Altarplatte wurde gefunden und soll wieder eingesetzt werden
Solche gut erhaltenen Hausaltäre kennt man sonst vor allem aus den Vesuvstädten wie Pompeji. Nördlich der Alpen ist ein solcher Fund bislang einzigartig.
Meist erzählen römische Ausgrabungen nur von Mauern und Fundamenten. Hier aber zeigen sich Bauteile, Treppen und religiöse Orte – also Elemente aus dem Alltag, der Architektur und dem Glaubensleben der Menschen.
Möglich wurde das, weil dieser Bereich am damaligen Rheinhang lag und schon in der Antike mit Erde aufgeschüttet wurde. Diese Schichten wirkten wie eine Schutzhaube.
Dadurch erfahren wir heute nicht nur, wie die Römer lebten – sondern wie sie bauten, sich bewegten und woran sie glaubten. Genau das macht aus alten Steinen lebendige Stadtgeschichte.
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