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Grüne Papageien

Sind Kölns grüne Papageien eine Gefahr für heimische Vögel?

Sie gehören längst zum Kölner Stadtbild: Tausende grüne Sittiche leben entlang des Rheins, in Parks, auf Friedhöfen und in Alleen. Doch immer wieder taucht die Frage auf: Verdrängen die ursprünglich nicht heimischen Papageien andere Vogelarten? Die wissenschaftliche Antwort darauf ist komplizierter, als es zunächst klingt.

Wenn am Abend Schwärme grüner Papageien über Köln ziehen, wirken sie längst beinahe so selbstverständlich wie Tauben, Möwen oder Krähen, nur noch viel lauter, wenn sie ihren Schlafplatz suchen. Tatsächlich gehören die Vögel ursprünglich nicht zur heimischen Tierwelt. Der Halsbandsittich stammt aus Afrika und Asien und hat sich seit Jahrzehnten in mehreren europäischen Großstädten etabliert. (Foto: Christine Everschoor)

Deutschlandweit ist sein Bestand deutlich gewachsen. Der Dachverband Deutscher Avifaunisten gibt für die Jahre 2017 bis 2022 mittlerweile 4.600 bis 7.500 Brutpaare an. In den Jahren 2005 bis 2009 waren es noch 1.400 bis 2.100 gewesen.

➡️ Was passiert, wenn eine neue Vogelart in großer Zahl Lebensräume nutzt, in denen bereits heimische Arten leben?

Das größte Konfliktpotenzial: die Bruthöhlen

Halsbandsittiche sind Höhlenbrüter. Sie nutzen beispielsweise alte Spechthöhlen und andere Hohlräume in Bäumen und erweitern vorhandene Öffnungen teilweise selbst. Damit kommen grundsätzlich auch heimische Höhlenbrüter als Konkurrenten infrage.

Dass ein solcher Konflikt tatsächlich auftreten kann, hat eine häufig zitierte Studie aus Belgien gezeigt. Forscher untersuchten Halsbandsittiche und Kleiber in Parks im Raum Brüssel. Nachdem geeignete Bruthöhlen für Sittiche experimentell blockiert worden waren, wichen die Papageien auf andere Höhlen aus. Dabei kam es vermehrt zur Übernahme von Nistplätzen der Kleiber; deren Zahl nahm in den untersuchten Flächen deutlich ab.

Die Forscher kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass Halsbandsittiche heimische Höhlenbrüter beeinträchtigen können, wenn geeignete Bruthöhlen knapp werden und beide Arten dieselben Höhlen bevorzugen.

Das ist ein wichtiges Ergebnis – aber noch kein Beweis dafür, dass dasselbe überall geschieht.

Ausgerechnet in Köln sieht das Bild teilweise anders aus

Denn Untersuchungen und langjährige Beobachtungen aus dem Rheinland zeigen, dass die Situation stark vom jeweiligen Lebensraum und von der betroffenen Vogelart abhängt.

Der NABU Köln schreibt beispielsweise, dass wegen der unterschiedlichen Größe keine direkte Nistplatzkonkurrenz zwischen Halsbandsittichen und vielen kleineren höhlenbrütenden Singvögeln bestehe. Auch bei Arten wie Hohltaube und Dohle sei die Situation komplizierter: Sie brüten teilweise später und können von Höhlen profitieren, die zuvor von Sittichen benutzt oder vergrößert wurden.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Hohltaube. Eigentlich könnte man vermuten, dass sie durch die Papageien besonders unter Druck gerät, weil beide größere Baumhöhlen benötigen. Kölner Beobachtungen ergaben jedoch zumindest bislang keinen eindeutigen Verdrängungseffekt. Bei Untersuchungen zu den Großen Alexandersittichen im Kölner Zoo brüteten Hohltauben sogar in unmittelbarer Nähe der Papageien.

Auch frühere Untersuchungen aus Deutschland fanden keinen einfachen Zusammenhang nach dem Muster: mehr Sittiche gleich weniger heimische Höhlenbrüter. In Studien zum Halsbandsittich wurde sogar beschrieben, dass durch das Vergrößern vorhandener Höhlen zusätzliche geeignete Hohlräume entstehen können.

Aber auch ums Futter kann es Konkurrenz geben

Brutplätze sind nicht der einzige mögliche Streitpunkt. Halsbandsittiche ernähren sich ausgesprochen vielseitig von Früchten, Samen, Knospen, Blüten und Nüssen. In Städten kommen Futterstellen hinzu.

Eine Untersuchung an Futterstellen zeigte, dass Halsbandsittiche dort sehr durchsetzungsfähig sein können. Besonders Stare wurden häufig von Futterplätzen ferngehalten. Die Wissenschaftler bezeichneten die Sittiche deshalb als überlegene Konkurrenten an den untersuchten Futterstellen.

Auch hier ist allerdings die entscheidende Frage nicht nur, ob einzelne Vögel verdrängt werden, sondern ob sich daraus langfristig ein Rückgang ganzer Populationen entwickelt. Dafür ist die Beweislage wesentlich dünner.

Konkurrenz bedeutet noch nicht automatisch Gefährdung

Dass zwei Tierarten miteinander um Nahrung oder Nistplätze konkurrieren, ist zunächst ein normaler ökologischer Vorgang. Auch heimische Arten tun das untereinander.

Für den Naturschutz entscheidend wird es dann, wenn eine neu eingewanderte oder eingeschleppte Art dazu führt, dass Populationen heimischer Arten dauerhaft zurückgehen.

Eine wissenschaftliche Auswertung zu den Auswirkungen eingeschleppter Papageien in Europa kam zu dem Ergebnis, dass gerade zur Konkurrenz viele Hinweise existieren. Gleichzeitig war ein erheblicher Teil der verfügbaren Literatur anekdotisch oder nicht experimentell belegt. Die Autoren mahnten deshalb dazu, die Stärke der Auswirkungen sehr sorgfältig zu bewerten.

Das deutsche Bundesamt für Naturschutz stufte den Halsbandsittich in seiner naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertung entsprechend nicht als eindeutig invasive Problemart, sondern als „potenziell invasive Art“ auf der Beobachtungsliste ein. Bei der Konkurrenz mit anderen Arten wurde die Datenlage in dieser Bewertung als „unbekannt“ bezeichnet.

Ein Problem kann entstehen, wenn alte Bäume verschwinden

Damit führt die Diskussion zu einem Punkt, der über die Papageien hinausgeht: Entscheidend ist die Zahl geeigneter Baumhöhlen.

Alte Bäume mit natürlichen Höhlen sind in Städten ein begrenzter Lebensraum. Sie werden von Spechten, Staren, Kleibern, Dohlen, Hohltauben, Fledermäusen und eben auch Halsbandsittichen genutzt.

Je weniger solcher Bäume vorhanden sind, desto stärker kann die Konkurrenz werden. Das Brüsseler Experiment deutet genau darauf hin: Besonders problematisch wurden die Sittiche dort, wo geeignete Höhlen künstlich verknappt wurden.

➡️ Für Städte wie Köln bedeutet das auch: Der Erhalt alter Bäume und ausreichend vieler Brutmöglichkeiten kann wesentlich wichtiger sein als die bloße Frage, ob Sittiche vorhanden sind.

Die größten Konkurrenten der Halsbandsittiche sind teilweise selbst Papageien

In Köln gibt es zudem noch einen ungewöhnlichen Effekt: Neben den bekannten Halsbandsittichen hat sich auch der deutlich größere Große Alexandersittich angesiedelt. Und ausgerechnet zwischen diesen beiden nicht heimischen Papageienarten gibt es Hinweise auf erhebliche Konkurrenz.

Bei Untersuchungen Kölner Brutgebiete zeigte sich, dass Große Alexandersittiche Halsbandsittiche aus traditionellen Brutbereichen verdrängen können. In vier untersuchten Kölner Brutgebieten bestand der weitaus größte Teil der dort festgestellten Sittich-Brutpaare bereits aus Großen Alexandersittichen.

Der NABU Köln beschreibt ebenfalls, dass Halsbandsittiche inzwischen teilweise unter der Konkurrenz der größeren Alexandersittiche leiden.

Sind Kölns Papageien also eine Gefahr?

Die seriöse Antwort lautet derzeit: Sie können heimische Vögel beeinträchtigen – eine generelle Gefährdung der Kölner Vogelwelt durch die Sittiche ist aber nicht belegt.

Es gibt wissenschaftlich nachgewiesene Konkurrenz um Bruthöhlen und Nahrung. Untersuchungen aus anderen europäischen Städten zeigen, dass einzelne Arten wie der Kleiber unter bestimmten Bedingungen Nachteile haben können.

Gleichzeitig lassen sich diese Ergebnisse nicht einfach auf Köln übertragen. Hier zeigen langjährige Beobachtungen teilweise Koexistenz und sogar unerwartete Effekte wie zusätzliche oder vergrößerte Baumhöhlen, die später anderen Vogelarten zugutekommen können.

Zum Thema: Warum es in Köln 3000 grüne Papageien gibt

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