Schlechtrimen Kalk

Die verlassene Traditionsbäckerei in Köln-Kalk

Vor knapp einem Jahr hat mit der Bäckerei Schlechtrimen eine der Kölner Traditionsbäckereien schlechthin seine Türen für immer geschlossen. Für viele Kunden war das Aus damals ein Schock. „Der richtige Zeitpunkt den Betrieb zu beenden und eine Insolvenz zu vermeiden ist – so schwer es uns allen fällt, spätestens jetzt“, erklärte Inhaber Engelbert Schlechtrimen damals.

Wer rund ein Jahr nach der Schließung der Bäckerei an dem Geschäft an der Kalker Hauptstraße vorbeikommt, macht eine Zeitreise, bei der Wehmut aufkommt. In dem Geschäft hat sich von außen und innen seit der Schließung kaum etwas verändert.

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Die hellen Backsteine des Gebäudes versprühen nach wie vor den Charme der Bäckerei. Die neuen und traditionellen Schriftzüge der Bäckerei Schlechtrimen sind vor an dem Haus an der Kalker Hauptstraße angebracht. Wenn man durch die Scheiben guckt, sieht es fast so aus, als seien hier kürzlich hier noch Brote gebacken worden: Die Brotkorbe stehen nach wie vor im Schaufenster. Die Theke des Geschäfts ist aufgebaut und auch die Uhr im Verkaufsraum läuft noch.

Stühle, auf denen früher die Kunden saßen, stehen noch im Geschäft. An der Pinnwand sind noch die vielen Abschiedsgrüße angeheftet, die die Kunden vor rund einem Jahr an die Bäckerei geschickt haben. Es ist eine Zeitreise und für einen Moment wird die Bäckerei noch einmal lebendig.

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Einzig die historischen Foto-Aufnahmen von Kalk, die nun hier ausgestellt sind, weisen darauf hin, dass hier seit einem Jahr kein Brot mehr gebacken und verkauft wird. Die Bäckerei Schlechtrimen wird hier jedoch kein Comeback feiern. Das Gebäude steht zum Verkauf, wie Engelbert Schlechtrimen auf Nachfrage erklärt. Schade, aber verständlich.

Bäckerei Schlechtrimen: Die Gründe für das Aus

Warum musste die beliebte Bäckerei vor rund einem Jahr nach 90 Jahren schließen? Damals gab es mehrere Gründe, die zusammenkamen:

  • Personalmangel: Es wurde für die Bäckerei immer schwieriger, gerade im Bäckereibereich, Stellen zu besetzten. Die Personalkosten seien seit Anfang 2022 um 14 Prozent gestiegen. Offene Stellen konnten schon lange nicht mehr besetzt werden. Die Folge war ein ständiger Notbetrieb.
  • Die Corona-Pandemie mit den daraus resultierenden Schließungen hatte der Bäckerei ohnehin bereits stark zugesetzt.
  • Die Rohstoffpreise hatten sich deutlich verteuert. Seit Anfang 2022 waren sie laut Bäckerei um 45 Prozent gestiegen.
  • Die Kunden wurden aufgrund von Inflation und Krieg 2022 deutlich zurückhaltender.
  • Die Umwandlung der Kalker Hauptstraße in eine Einbahnstraße schneide die Bäckerei von zusätzlichen Kundenströmen ab.

Über die Bäckerei Schlechtrimen:

  • Engelbert Schlechtrimen, Großvater des heutigen Inhabers, eröffnete das erste Geschäft 1932 in Mülheim. Seit 1946 befindet sich das Unternehmen am heutigen Standort in Köln-Kalk.
  • 1965 übernahm die zweite Generation, Bäcker und Konditormeister Engelbert Schlechtrimen, der Vater, den Betrieb, den er 1971 umbaute und durch Konditorei und Café vergrößerte.
  • 1994 übernahm die dritte Generation, Engelbert Schlechtrimen das Unternehmen von seinem Vater, der sich auch heute immer noch im Unternehmen einbringt.

Zum Thema: 12 Kölner Bäckereien, in denen es noch exzellentes Brot gibt

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1 Kommentar

  • Kurt Gassner

    Gründe für eine Schließung mag es viele geben. Doch sollte man auch alle nennen. Die Kalker Hauptstrasse hat doch kaum noch vernünftige
    Geschäfte und verkommt seit Jahren. Außerdem gibt es ein Klientel an Meschen die nicht in Deutsche Geschäfte gehen. Zur Einbahnstrasse kann man nur sagen, dass dies mal im Gespräch war. Doch umgesetzt ist es nicht. Die Kalker Haupstrasse ist keine Einbahnstrasse. Drecjig und Verkommen ist sie aber.

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