Rheinwasser Hambach

RWE darf Rheinpipeline bauen, um größten See in NRW zu füllen – Baustart schon im März

RWE bekommt grünes Licht für die Rheinpipeline. Die Bezirksregierung Arnsberg hat den Rahmenbetriebsplan für Bau und Betrieb einer Rheinwassertransportleitung genehmigt. Damit erhält RWE die rechtliche Grundlage, eine rund 45 Kilometer lange Leitung vom Rhein bei Dormagen zu den Tagebauen Hambach und Garzweiler zu errichten.

Die Trasse gilt als zentrales Infrastrukturprojekt für die Rekultivierung der ehemaligen Braunkohletagebaue im Rheinischen Revier. Durch die Transportleitung soll was vom Rhein abgepumpt werden, das dann den Hambacher See über Jahrzehnte füllt.

Dafür sollen aus dem Rhein bei Dormagen in Abhängigkeit vom Rheinwasserstand nach einem gestaffelten Entnahmekonzept bis zu 18 m³/s Wasser entnommen werden, also bis zu 18.000 Liter pro Sekunde.

Der geplante Hambacher See soll einmal rund 4,3 Milliarden Kubikmeter Wasser fassen. Wo heute noch der Braunkohletagebau Hambach klafft, soll ein riesiger See entstehen – so groß wie fast 5.000 Fußballfelder und über 300 Meter tief – doch die Diskussionen um das Mega-Projekt sind groß.

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Baustart schon im März bei Hambach

Nach Angaben des Unternehmens soll der Bau Anfang März im Bereich der ehemaligen Fernbandtrasse („Speedway“) am Tagebau Hambach bei Elsdorf beginnen. Weitere Bauabschnitte sind bei Dormagen sowie am geplanten Verteilbauwerk in Grevenbroich-Allrath vorgesehen; dort sollen die Arbeiten bis zum Sommer anlaufen.

Bereits in den kommenden Tagen starten bauvorbereitende Maßnahmen, darunter der Bau von Baustraßen und die Einrichtung von Baustellenflächen. Dafür sind stellenweise Rodungs- und Rückschnittarbeiten erforderlich. RWE verweist darauf, dass die Maßnahmen im Rahmen der erteilten Genehmigung sowie unter Einhaltung geltender Umwelt- und Sicherheitsstandards erfolgen sollen.

Leitung als Voraussetzung für neue Tagebauseen

Die Rheinwassertransportleitung ist Teil der landesplanerisch abgestimmten Rekultivierungsplanung. Über sie soll künftig Rheinwasser in die Restlöcher der Tagebaue geleitet werden. Ziel ist unter anderem die Entstehung großer Tagebauseen, die langfristig als neue Landschaftsräume genutzt werden sollen.

Nach aktueller Planung soll die Leitung bis 2030 fertiggestellt sein. Im selben Jahr soll die Befüllung des künftigen Hambacher Sees beginnen. Für den Tagebausee Garzweiler ist der Start der Flutung ab 2036 vorgesehen. Der Tagebau Inden wird laut Planung ebenfalls ab 2030 geflutet, dort jedoch mit Wasser aus der nahegelegenen Rur.

Bedeutung für Wasserhaushalt und Strukturwandel

RWE ordnet das Projekt in den Kontext des Strukturwandels im Rheinischen Revier ein. Neben der Seebefüllung soll die Leitung nach Unternehmensangaben dazu beitragen, Feuchtgebiete im Naturpark Schwalm-Nette zu sichern und den regionalen Grundwasserhaushalt zu stabilisieren.

Mit der Genehmigung durch die Bezirksregierung ist ein wesentlicher formaler Schritt für die Umsetzung erfolgt. Der Bau der Leitung markiert damit den Übergang von der Planungs- in die Umsetzungsphase eines der größten wasserwirtschaftlichen Vorhaben im Zuge des Braunkohleausstiegs in Nordrhein-Westfalen.

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Kritik von Umweltverbänden

So gewaltig das Projekt ist – so groß sind auch die Diskussionen. Die Leitung bringt zweifellos Chancen: Sie hilft, die riesige Grube in einen nutzbaren See zu verwandeln, unterstützt den Wiederanstieg des Grundwassers und bewahrt bedrohte Feuchtgebiete vor dem Austrocknen. Doch Umweltverbände sehen auch Risiken.

Ein zentrales Thema ist die Wasserqualität. Der Rhein führt – trotz verbesserter Wasserreinhaltung – noch immer Spurenstoffe, Medikamentenrückstände und Mikroplastik mit sich. Wird dieses Wasser ungefiltert in den künftigen See eingeleitet, könnten sich diese Stoffe im Boden ablagern oder ins Grundwasser übergehen.

Vor allem die Lage der Entnahmestelle – direkt unterhalb des Chemparks Dormagen – sorgt für Kritik: Dort gelangen auch gereinigte Abwässer in den Fluss. Umweltschützer forderten außerdem, RWE solle für die Wasserentnahme zahlen – und zwar 5 Cent pro Kubikmeter.

RWE betont, dass alle relevanten Wasserwerte geprüft wurden und keine Gefahr für Mensch oder Umwelt besteht. Umweltverbände wie der BUND fordern dennoch ein autonomes Monitoring direkt an der Entnahmestelle – sowie gegebenenfalls eine Filterung oder alternative Standorte.

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