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Mythos Petermann: Wie Kölns berühmtester Affe aus dem Kölner Zoo ausbrach

Er die Attraktion im Kölner Zoo. War weit über die Grenzen Kölns bekannt. Doch seine Geschichte ist eigentlich tragisch. Umso mehr, wenn man sie mit heutigen Maßstäben betrachtet. Nach dem Krieg kam ein kleiner Schimpanse als Waisenjunge in Köln an. Auf der Fahrt nach Europa auf einem Bananendampfer war seine Mutter gestorben. Die Kölner tauften ihn Petermann. Ein Star war geboren.

Petermann wurde daraufhin von Menschen und ohne andere Artgenossen hochgezogen. Er wurde vermenschlicht, was ihn damals zum Star machte. In diesem Kontext hatte er zahlreiche Auftritte, die die Menschen begeisterten. (Foto: grevenarchivdigital.de / Hansherbert Wirtz / Kölnische Rundschau)

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Petermann: Der berühmteste Affe Kölns

Petermann im Köbes Anzug und mit Kölsch-Kranz, wie hier auf dem Bild zu sehen, war keine Seltenheit. Es war die Regel. Der Affe wurde in Karnevalsuniformen gesteckt, er lernte mit Messer und Gabel zu essen, er fuhr in Karnevalsumzügen mit und trat auf Sitzungen auf. Heute völlig undenkbar, damals normal.

Als Petermann geschlechtsreif wurde, konnte er aufgrund seiner gesteigerten Aggressivität jedoch keine Auftritte mehr absolvieren. Der Schimpanse konnte jedoch auch nicht mehr in eine Gruppe mit Artgenossen integriert werden, da er bereits schwere Verhaltensstörungen zeigte.

Die Folge: Petermann vegetierte mehr oder weniger vor sich hin. Als er die Besucher im Kölner Zoo mit seiner Kacke bewarf, wurde vor seinem Käfig zusätzlich eine Glasscheibe eingebaut.

Der Kölner Zoo warb mit seinem Bild für Spenden für ein neues Affenhaus. Als das Haus fertig war, durfte Petermann jedoch nicht einziehen. Er konnte nicht mehr unter Artgenossen leben.

Petermann: Ausbruch und Tod im Kölner Zoo

Am 10. Oktober 1985, als Petermann schon knapp 40 Jahre alt war, befreite er sich mit seiner Artgenossin Susi aus dem Käfig. Der Grund: Ein Pfleger hatte die Tür nicht richtig verschlossen. Petermann und Susi überwältigten zunächst den Pfleger und griffen danach Zoodirektor Gunther Nogge an, der sich in der Futterküche befand.

Sie bissen ihn in Kopf und Gesicht, verletzten ihn lebensgefährlich. Nogge musste 7 Stunden operiert werden. Er stellte sich tot, damit die Affen von ihm abließen.

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Schimpanse Petermann im Kölner Zoo
Petermann bei einem seiner öffentlichen Auftritte. Hier musste er einen Kölsch-Kranz halten.(Foto: grevenarchivdigital.de / Hansherbert Wirtz / Kölnische Rundschau)

Petermann wurde noch auf dem Zoogelände von einem Mitarbeiter des Kölner Zoo mit einem Gewehr erschossen. Susi wurde in der Nähe des Zoos von der Polizei erschossen.

Die Lehren aus dem Fall Petermann

In das Leben Petermanns wurde nach seinem Tod viel hineininterpretiert: Seine Flucht wurde mit seinem Drang nach Freiheit erklärt, seine Attacke als Rache für die Jahrzehnte lange Unterdrückung und Vermenschlichung zuvor. „Vielleicht war der Unfall ja die Strafe dafür, dass wir Petermann betrogen haben und nicht ins neue Haus mitgenommen haben“, erinnerte sich Gunter Nogge laut WDR. Der Kölner Zoo nahm Petermanns Tod zum Anlass auch Haltung von Affen anders zu gestalten.

Welche Lehre bleibt von der Geschichte zu Petermann? Dazu schrieb Gunter Nogge 2014 im Express: „Die Besucher sollen sich nicht über sie lustig machen, sondern die Gemeinsamkeiten mit ihnen und die Unterschiede zu ihnen kennen- und respektieren lernen.“

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240 Seiten mit etwa 50 schwarz-weißen Abbildungen / Format 16,7 x 24 cm / ISBN: 978-3-7743-0495-6 / Greven Verlag

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