Große Architektur auf Fotos, Käthe Kollwitz’ persönliche Werkauswahl und Skulpturen, die man zum Klingen bringen darf: In Köln gibt es diesen Herbst einige gute Gründe für einen Museumsbesuch. Diese sieben Ausstellungen zeigen, wie unterschiedlich Kunst sein kann – und lassen sich auch ohne kunsthistorisches Vorwissen entdecken.
Alle laufen am 8. Oktober 2026 bereits. Fünf sind mindestens bis Dezember zu sehen, einige sogar weit ins nächste Jahr. Bei zwei Tipps lohnt es sich, den Besuch für die kommenden Wochen einzuplanen. (Foto: VG-Bild-Kunst, Bonn, 2026, Foto: Mareike Tocha/Kolumba, Köln)
1. Along the Color Line im Museum Ludwig
Wie verändert sich unser Blick auf die Moderne, wenn andere Stimmen dazukommen? Das Museum Ludwig bringt in „Along the Color Line – Spuren einer transatlantischen Moderne“ Kunst der internationalen Schwarzen Diaspora mit Werken seiner europäischen Moderne zusammen.
Zu sehen sind Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen; auch Literatur und Musik gehören dazu. Internationale Leihgaben erweitern den Blick auf eine Kunstgeschichte, die vom Austausch zwischen Kulturen geprägt ist. Die Ausstellung zum 50-jährigen Jubiläum des Museums ist ein Tipp für alle, die bekannte Vorstellungen von moderner Kunst neu hinterfragen möchten.
- Wo: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz
- Laufzeit: 3. Oktober 2026 bis 7. März 2027
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
- Weitere Informationen: Museum Ludwig
2. KOLLWITZ Ausgewählt. am Neumarkt
Welche Arbeiten würde eine Künstlerin selbst in ihr „Best of“ aufnehmen? Käthe Kollwitz hat diese Frage bereits 1920 beantwortet. Für die sogenannte Richter-Mappe wählte sie 24 Zeichnungen aus, die als hochwertige Lichtdrucke veröffentlicht wurden.
Das Kollwitz Museum Köln stellt diese persönliche Auswahl ins Zentrum seiner aktuellen Sammlungspräsentation. Insgesamt sind mehr als 100 Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Holzschnitte und Plastiken aus fast sechs Jahrzehnten zu sehen. Darunter sind Arbeiten zu Müttern und Kindern, Trauer und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit. Wer Kollwitz kennenlernen möchte, bekommt hier einen breiten Einstieg – mit der zusätzlichen Frage, wie sie selbst auf ihr Werk blickte.
- Wo: Kollwitz Museum Köln, Kollwitz Forum, Neumarkt 18–24
- Laufzeit: 8. Juli bis 15. November 2026
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11–18 Uhr
- Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro
- Weitere Informationen: Kollwitz Museum Köln
3. Hans Georg Esch im MAKK
Der Kölner Dom, das Chrysler Building in New York, Pompeji und Städte im Jemen: Hans Georg Esch fotografiert Architektur auf der ganzen Welt. Im Museum für Angewandte Kunst Köln werden daraus großformatige Bilder und Bildserien, die Bauwerke über Länder und Epochen hinweg zusammenbringen.
„Der architektonische Blick · epochal – global“ lohnt sich besonders für Menschen, die gern auf Gebäude, Fassaden und Stadtlandschaften schauen. Die Fotografien zeigen, wie stark Perspektive und Bildausschnitt unsere Vorstellung von einem Bauwerk bestimmen. Und der Dom bekommt dabei Gesellschaft aus ganz anderen Teilen der Welt.
- Wo: MAKK, An der Rechtschule 7
- Laufzeit: 11. Juni 2026 bis 17. Januar 2027
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
- Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro
- Weitere Informationen: MAKK
4. Über Norm und Abweichung im Kolumba
„Have you ever fallen in love with a clock?“ heißt die neue Jahresausstellung im Kolumba. Hinter dem ungewöhnlichen Titel steckt eine Frage, die weit über Kunst hinausgeht: Wer bestimmt eigentlich, was als normal gilt?
Die Ausstellung beschäftigt sich mit Regeln und Vorstellungen, die unseren Alltag ordnen – etwa mit Zeit, Gesundheit oder Geschlecht. Künstlerinnen und Künstler untersuchen diese Normen und entwickeln Alternativen. Den Titel liefert eine Arbeit von Finnegan Shannon. Dazu kommt ein Haus, dessen Architektur eine Kirchenruine mit einem modernen Museumsbau verbindet. Ein Tipp für alle, die bei einem Ausstellungsbesuch auch Zeit zum Nachdenken suchen. Das Titelfoto oben stammt ebenfalls aus der Ausstellung.
- Wo: Kolumba, Kolumbastraße 4
- Laufzeit: 19. September 2026 bis 1. August 2027
- Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag, 12–17 Uhr; dienstags geschlossen
- Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro
- Weitere Informationen: Kolumba
5. Ser Serpas: sonderbare Tage im Kölnischen Kunstverein
Eine Bibliothek, Videobilder und ein riesiger bemalter Vorhang: Ser Serpas verwandelt den Kölnischen Kunstverein in eine Ausstellung, die mit den Mitteln von Film und Bühne arbeitet. In Bücherregalen stehen alte Ausstellungskataloge des Hauses; auf Monitoren laufen Bilder vorbei, die an Flucht und Verfolgung denken lassen.
Horror- und Science-Fiction-Filme wie „Strange Days“ und „The Rocky Horror Picture Show“ bilden Bezugspunkte. Dabei greift die Künstlerin auch die Geschichte des Gebäudes auf: In der Ausstellungshalle befand sich früher der Lesesaal des British Council. Wer Kunst gern als begehbaren Raum erlebt und sich für Film interessiert, findet hier einen besonders passenden Tipp.
- Wo: Kölnischer Kunstverein, Hahnenstraße 6
- Laufzeit: 4. September bis 13. Dezember 2026
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11–18 Uhr; am 11. November geschlossen
- Eintritt: frei
- Weitere Informationen: Kölnischer Kunstverein
6. Schichten und Schnitte am Aachener Weiher
Was aus dem Saft eines Baumes entstehen kann, zeigt das Museum für Ostasiatische Kunst. „Schichten und Schnitte“ widmet sich chinesischer Lackkunst und vereint rund 60 bedeutende Arbeiten aus dem 12. bis frühen 17. Jahrhundert aus einer Kölner Privatsammlung. Werke des Museums ergänzen die Auswahl.
Zu sehen sind unter anderem Teller, Tabletts und Kästen mit aufwendigen Verzierungen. Glänzende Oberflächen, Perlmutteinlagen und feine Schnitte machen deutlich, wie viel handwerkliche Arbeit in diesen Objekten steckt. Das ist eine Ausstellung für alle, die gern Details entdecken. Anschließend bietet sich eine Runde am Aachener Weiher an.
- Wo: Museum für Ostasiatische Kunst, Universitätsstraße 100
- Laufzeit: 18. Juni 2026 bis 31. Januar 2027
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11–17 Uhr
- Eintritt: derzeit vorübergehend 7,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, wegen zusätzlicher Klimageräte und deren Geräuschpegel
- Weitere Informationen: Museum für Ostasiatische Kunst
7. De/Collecting Memories from Turtle Island im Museum Ludwig
Dreizehn hängende Skulpturen aus Zinnschellen, die berührt und zum Klingen gebracht werden dürfen: Marie Watts „Thirteen Moons“ ist ein besonderer Grund, diese Ausstellung noch zu besuchen.
Im Mittelpunkt stehen Watt, Mitglied der Seneca Nation, und die Künstlerin Wendy Red Star, die zur Apsáalooke Nation gehört. Red Stars fotografische Selbstinszenierungen hinterfragen mit Humor verbreitete Vorstellungen von Indigenität. Historische Landschaftsbilder aus der Sammlung des Museums liefern einen weiteren Ausgangspunkt: Was erzählen solche Bilder über Amerika – und welche Menschen und Geschichten lassen sie aus?
Die Ausstellung endet als erste in dieser Auswahl. Wer sie sehen möchte, sollte den Besuch bis Anfang November einplanen.
- Wo: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz
- Laufzeit: 7. Februar bis 8. November 2026
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
- Weitere Informationen: Museum Ludwig
So lässt sich der Museumsbesuch verbinden
Für einen Kunstnachmittag rund um den Dom bieten sich Museum Ludwig und MAKK an. Am Neumarkt lassen sich das Kollwitz Museum und der Kölnische Kunstverein verbinden. Wer nach dem Museum Ludwig noch ans Wasser möchte, findet in unserer Tour am Kölner Rheinufer weitere Stationen.
Noch mehr Ideen gibt es in der Übersicht 20 Museen in Köln, die jeder besucht haben sollte.
Stand: 8. Oktober 2026. Die angegebenen Zeiten sind die regulären Öffnungszeiten; an Feiertagen gelten teilweise Abweichungen.
- Du möchtest aus dem Ausstellungsbesuch einen ganzen Ausflug machen? Verbinde ihn mit einem Spaziergang am Kölner Rheinufer oder entdecke weitere Häuser in unserer Übersicht mit 20 sehenswerten Museen in Köln.



