Heute ist die Kleine Brinkgasse eine unscheinbare Gasse mitten in der Kölner Innenstadt. Sie geht von der Ehrenstraße ab, ist nur rund 70 Meter lang und wirkt auf den ersten Blick wie ein kurzer Durchgang zwischen Geschäften, Gastronomie und Stadtleben. Nichts erinnert hier mehr daran, dass diese kleine Straße über Jahrzehnte einen Ruf hatte, der weit über Köln hinausging.
Denn bevor das heutige Pascha an der Hornstraße entstand, lag Kölns bekanntester Rotlichtbereich mitten in der Innenstadt: in der Kleinen Brinkgasse. (Foto: Imago / United Archives)
Eine Gasse mit Mauern vor den Eingängen
Ab den 60er-Jahre war die Kleine Brinkgasse offenbar ein Ort, den man bewusst vom übrigen Straßenbild abschirmte. Die beiden Enden der Gasse waren mit versetzten Mauern verstellt. Wer hineinwollte, musste durch einen schmalen Durchgang. Der Zugang war nur männlichen Bürgern erlaubt – ähnlich wie bis heute in der Herbertstraße in Hamburg.
Die Mauern sollten die Gasse vor neugierigen Blicken schützen. Es ging offiziell um den „Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes“. Gleichzeitig machten diese Mauern die Kleine Brinkgasse erst recht zu einem Ort, über den gesprochen wurde. Wer nicht hinein durfte, wollte wissen, was dahinter geschah.
Über viele Jahrzehnte war die Straße ein Zentrum der Prostitution in Köln. In der Gasse arbeiteten zeitweise rund 100 Prostituierte. Sie standen in Fenstern oder präsentierten sich im Freien. Freier kamen aus Köln, aus dem Umland und von weiter her. Für viele Anwohnerinnen und Anwohner wurde der Betrieb allerdings zunehmend zur Belastung.
Der Straßenstrich mitten in der City
Die Geschichte der Kleinen Brinkgasse als Rotlichtstraße reicht weit zurück. Schätzungen aus der damaligen Stadtverwaltung gingen davon aus, dass es das Gewerbe dort bereits seit rund 120 Jahren gab. Andere Darstellungen sprechen sogar von etwa 150 Jahren.
Anfang der 1970er-Jahre wollte die Stadt horizontale Gewerbe aus der City herausbekommen. Auch die Mauern, die 1962 an der Einmündung der Brinkgasse errichtet worden waren, reichten aus Sicht der Stadt nicht aus. Der damalige Ordnungsamtschef Dr. Peter Schaefer wollte die Gasse räumen lassen.

Der Umzug in die Hornstraße
Die Lösung war ein Neubau an anderer Stelle: In der Hornstraße in Neuehrenfeld entstand Anfang der 1970er-Jahre das Eros-Center. Heute ist das Gebäude als Pascha bekannt. Es wurde 1972 eröffnet und galt damals als Europas erstes Hochhausbordell.
In dem Neubau wollte man die Prostitution besser kontrollieren können. Der Bau entstand nach damaligen Berichten „auf Wunsch und Anregung“ der Stadt Köln.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Bei den Frauen und Bordellbetreibern in der Kleinen Brinkgasse stieß dieser Plan nicht auf Begeisterung. Viele wollten nicht in die Hornstraße wechseln. Es gab Widerstand, Proteste und sogar eine Klage gegen die Schließung der Betriebe in der Brinkgasse.
Ein Anwalt argumentierte damals sinngemäß, dass sogar die früheren Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer und Theo Burauen in unmittelbarer Umgebung aufgewachsen seien – ohne dass bekannt sei, dass ihnen der Straßenstrich geschadet habe. Geholfen hat diese Argumentation nicht. Die Klage blieb erfolglos.

Vom Eros-Center zum Pascha
Mit dem Umzug aus der Kleinen Brinkgasse begann die Geschichte des Hauses, das später als Pascha bundesweit bekannt wurde. Das Eros-Center an der Hornstraße hatte mehr als 120 kleine Zimmer auf mehreren Etagen. Es war von Anfang an nicht nur ein Bordell, sondern ein Gebäude, das genau für diesen Zweck geplant worden war.
In den Jahrzehnten danach wurde das Haus mehrfach umgebaut, umbenannt und neu ausgerichtet. Während der Corona-Pandemie meldete das Pascha Insolvenz an. 2021 wurde das Gebäude verkauft. Heute ist es wieder geöffnet und fällt von außen vor allem durch seinen pinken Anstrich auf. In der neunten Etage befindet sich inzwischen sogar ein Hotel.
Heute erinnert fast nichts mehr daran
Wer heute durch die Kleine Brinkgasse geht, muss schon genau wissen, was hier einmal war. Die Gasse ist kurz, unspektakulär und mitten im normalen Innenstadtleben angekommen. Von den Mauern, den Fenstern und dem früheren Rotlichtbetrieb ist im Straßenbild nichts mehr zu sehen.



