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Kerpen Manheim: Der verlassene Ort vor den Toren Kölns

Manheim bei Kerpen

Es sind Bilder, die irritierend sind. Die man so eigentlich kaum in Deutschland sieht. Und die man erst recht nicht in Nordrhein Westfalen direkt vor den Toren Kölns vermuten würde. Im Speckgürtel von Köln, dort, wo die Preise für Häuser und Grundstücke steigen, liegt ein verlassener Ort: Kerpen Manheim.

Eine Geister-Siedlung, in der fast keine Menschen mehr wohnen. Die Häuser sind zugenagelt oder schon abgerissen, einige sind nur noch Ruinen.

Für die Bewohner des Ortes Manheim ist das langsame Sterben ihrer alten Heimat seit Jahren Realität. Sie leben in direkter Nachbarschaft zum Braunkohletagebau Hambach. Weiter unten seht ihr die Fotos, die zeigen, wie es hier aussieht. (Alle Fotos: Michael Müller)

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Kartbahn Kerpen Manheim: Zuhause von Michael Schumacher

Im Jahr 2022 erreicht der Tagebau die Ortschaft und wird sie verschlingen. 1700 Menschen lebten einmal hier, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 898. Es ist auch die Heimat von Formel 1-Legende Michael Schumacher. Seine Ehefrau Corinna heiratete er Gemeindehaus und lebte in den 90er-Jahren hier in einem Haus, das ebenfalls abgerissen wird. Auf der Kartstrecke in Kerpen-Manheim lernte er das Fahren.

In der alten Ortschaft waren Ende 2020 noch 39 Menschen registriert, im Herbst 2021 sind es noch rund 30. Nicht alle schaffen es, den Ort einfach so zu verlassen. Wer will schon seine Heimat verlieren?

Seit 2012 Jahren läuft ein Programm, um den Bewohnern von Manheim eine neue Heimat zu geben. Rund zehn Kilometer weiter ist ein neuer Ort entstanden: Mahnheim-neu. Rund 70 Prozent der Menschen sind in den neuen Ort gezogen. Es gibt viele Einfamilienhäuser, der Ort ist komplett neu entstanden.

In Alt-Manheim sind viele Häuser bereits abgerissen. Andere stehen leer und bilden eine Geister-Kulisse. Ein Blick in die Vergangenheit, in eine Zeit, die hier stehengeblieben ist. Die alte Gastwirtschaft mit der Dom-Kölsch Reklame und auch die alte Kirche aus dem Jahr 1898 waren zuletzt noch da. Bald werden auch sie für immer abgerissen. Der komplette Ort wird dann verschwunden sind.

Geisterautobahn A4 von Köln nach Aachen

Ein weiteres verfallenes Bauwerk zieht sich nahe des Ortes durch die Landschaft: Es ist die alte Autobahn 4 zwischen Köln und Aachen. Der Abschnitt liegt ebenfalls im Gebiet der Tagebauerweiterung und wurde deshalb vor Jahren nach Süden verlegt. Die neu gebaute Strecke wurde 2014 in Betrieb genommen, ist über 17,6 Kilometer lang und hat 192 Mio. Euro gekostet.

Die Bilder vom alten Autobahnabschnitt sehen unwirklich aus. Eine verlassene Autobahn, die langsam zuwächst. Mitten in Deutschland, kurz vor Köln. Ein Ort, wo sonst jeden Tag zigtausende Autos entlangführen.

Michael Müller hat in unserer Facebook-Gruppe über besondere Orte in und rund um Köln einige Bilder von Manheim und der Autobahn geteilt und uns erlaubt, sie hier noch einmal zu zeigen. Vielen Dank dafür.

Die alte Kirche in Kerpen Manheim

Die Kirche St. Albanus und Leonhardus des Ortes wurde 1898 erbaut. Die Glocken sowie diverse Gegenstände aus dem Innern der Kirche werden in die neue Kirche in Neu-Manheim integriert. 2019 fand hier der letzte Gottesdienst statt, die Kirche wurde dann entweiht. Im Herbst 2021 wurde das neue Gotteshaus im neuen Ort mit den Gegenständen aus der alten Kirche durch Kardinal Woelki eingeweiht.

Foto: Michael Müller

Verlassene Straßen in Manheim

Bei den Häusern sind entweder die Rolläden heruntergelassen oder die Fenster sind mit Holzbrettern vernagelt. Viele Grundstücke, wie etwa das der Kirche, sind umzäunt.

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Foto: Michael Müller

Nur bei ganz wenigen Häusern sind die Fensterläden noch offen. Die verwaisten Straßenzüge mit unbewohnten Häusern sehen unwirklich aus.

Foto: Michael Müller

Alte Gastwirtschaft in Kerpen Manheim

In dieser ehemaligen Gastwirtschaft wird schon lange kein Bier mehr ausgeschenkt. Außen ist noch die Reklame für König Pilsener und Dom Kölsch zu sehen.

Foto: Michael Müller

In den Parkbuchten oder Garagen stehen längst keine Autos mehr. Die Tore und Fenster der Backsteinhäuser sind verrammelt.

Foto: Michael Müller

Die alte Autobahn 4 zwischen Köln und Aachen

So sieht der stillgelegte Autobahnabschnitt heute aus. Es gibt noch einige Brücken, die über die bis vor einigen Jahren noch wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Köln und Aachen führen.

Foto: Michael Müller

Die Natur wuchert hier an vielen Stellen, die Leitplanken sind längst mit Bäumen überwachsen. Im Hintergrund ist der Tagebau Hambach zu sehen, der nun nach und nach immer näher kommen wird.

Foto: Michael Müller

Habt ihr Ergänzungen, Fotos oder Erinnerungen an Manheim? Schreibt uns eine E-Mail.

Kommentare

Hier kannst du einen Kommentar schreiben

  • Toller Beitrag! Danke für das Festhalten für die Nachwelt. Die Reste der A4 würde ich gerne mal mit meinem Skateboard „entweihen“. Dann sollte ich mich aber auch besser beeilen, bevor der Bagger kommt.

  • Seht dich nicht immer nur das Schlechte! Zeigt doch mal Fotos von Nei Manheim, so schöne Häuser haben die Anwohner! Warum jammern? Weil man ein neues Haus gegen ein zum Teil marodes Haus tauschen konnte? Es wird immer nur gejammert…

    • Klar haben die neuen und modernen Häuser ihre Vorteile, sie ersetzen aber gerade für die älteren Menschen nicht die Heimat in der sie vielleicht ihr ganzes Leben verbracht haben. Mögen die alten Gebäude vielleicht marode und Sanierungsbedürftig gewesen sein, aber es war das Zuhause, vielleicht sogar die Geburtshäuser. Ein neues Haus bedeutet nicht gleich eine neue Heimat. Gerade wenn man in einem Ort aufgewachsen ist und immer dort gelebt hat wird das Herz immer dies als Heimat sehen.