Der Escher See im Kölner Norden war lange Zeit einer der beliebtesten Badeseen in Köln. Der schöne Sandstrand und das vergleichsweise klare Wasser lockten im Sommer regelmäßig viele Menschen aus Köln an. In den vergangenen Jahren war das Strandbad nur unregelmäßig geöffnet. Was man vom Badebereich nicht sehen kann: Im See liegt ein altes Wrack unter Wasser.
Vom Ufer aus ist es schwer einsehbar. Eine Luftaufnahme zeigt aber, dass es sich im ein ziemlich großes altes Schiff handelt. Wie kommt es dahin? Tatsächlich verweist das versunkene Boot auf die industrielle Vergangenheit des Ortes. (Foto: Imago / Hans Blossey)
Es handelt sich nach Angaben der Stadt Köln nicht um ein Schiff mit Motor, sondern um eine sogenannte Schute. Das antriebslose Boot stammt vermutlich aus der Zeit des Kiesabbaus, der die heutigen Escher Seen überhaupt erst entstehen ließ.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Was im Escher See liegt
Die Schute wurde demnach für die Andienung eines Schwimmbaggers genutzt. Gemeint ist damit die Versorgung beziehungsweise Anlieferung des Baggers am Uferbereich.
Solche Schuten wurden nicht selbst angetrieben, sondern von Schleppern oder Barkassen bewegt. Sie dienten vor allem dem Transport und der Verteilung von Material. In Kiesgruben und an Baustellen konnten sie unter anderem eingesetzt werden, um Kies oder Baumaterial über das Wasser zu bewegen.
Wann genau die Schute im Escher See gesunken ist, ist nach Angaben der Stadt nicht bekannt. Auch wie es dazu kam, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Wahrscheinlich ist das Wrack ein Relikt aus der Zeit, in der an dieser Stelle Kies abgebaut wurde.
Die Escher Seen sind ehemalige Kiesgruben
Die Escher Seen liegen im Kölner Norden zwischen Pesch und Esch/Auweiler. Heute sind sie für viele Kölnerinnen und Kölner vor allem als Naherholungsgebiet bekannt. Der nördliche See wird als Badesee und von Anglern genutzt. Der südliche See ist dem Naturschutz und ebenfalls Anglern vorbehalten.
Historisch haben beide Seen einen anderen Ursprung: Sie entstanden durch Kiesabbau. Auf historischem Kartenmaterial aus der Zeit zwischen 1936 und 1945 sind an der Stelle der heutigen Seen bereits Flächen verzeichnet, die als Kiesbaggerei bezeichnet wurden. Auch ein Gleisanschluss ist auf alten Karten erkennbar.
Der nördliche See wurde bis Mitte der 1970er Jahre ausgekiest. Der südliche See wurde demnach bis etwa 1988 genutzt. Danach wurden die Anlagen des Kiesabbaus zurückgebaut. Zurück blieb im nördlichen See unter anderem das Wrack der Schute.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Schadet das Wrack der Umwelt?
Nach Angaben der Stadt Köln gibt es keine Hinweise darauf, dass von dem Wrack eine Umweltgefahr ausgeht. Die Stadt verweist auf Untersuchungen der Ökologiegruppe der Kölner Tauchsportvereine. Diese habe den Escher See-Nord in den 1990er Jahren mit Genehmigung des Bezirksamtes Chorweiler regelmäßig betaucht.
Dabei seien unter anderem zwei Stahlfässer geborgen worden, die leer gewesen seien. Weitere Auffälligkeiten seien nicht festgestellt worden. Das Umweltamt habe Umweltgefahren aufgrund der damaligen Untersuchungen ausschließen können, teilt die Stadt mit.
Eine Bergung der versunkenen Schute ist nach Angaben der Stadt derzeit nicht vorgesehen. Das Wrack sei landseitig nicht mehr erreichbar. Eine Bergung wäre deshalb mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand und einem erheblichen Eingriff in die Natur verbunden.
Über den Escher See
Der Escher See ist heute ein stark genutzter Ort am Rand der Wohnbebauung von Esch und Pesch. Der nördliche See ist etwa 16,2 Hektar groß und rund 16 Meter tief. Seit 1986 wird er als Badesee genutzt.
Seit Mitte der 2000er Jahre gibt es dort ein Strandbad mit aufgeschüttetem Quarzsand, das in den Sommermonaten geöffnet ist, zuletzt aufgrund von Unstimmigkeit nur unregelmäßig offen war.
Der südliche See ist mit etwa zwölf Hektar kleiner, aber mit rund 18 Metern etwas tiefer. Durch die Einzäunung konnten sich dort artenreiche Lebensräume entwickeln, unter anderem für Amphibien, Wasserinsekten, Wasservögel und Pflanzen. Genannt werden etwa Blesshuhn, Graureiher, Haubentaucher sowie verschiedene Enten- und Gänsearten.
Getaucht werden darf am Escher See nur am Sundown Beach. Das Wrack selbst ist also kein frei zugängliches Ausflugsziel unter Wasser. Sichtbar bleibt es vor allem auf Luftbildern – und als stiller Hinweis darauf, wie aus einer Kiesgrube ein Kölner See wurde.



