Für die Touristen im Rheinpark sind sie ein beliebtes Foto-Motiv: Wenn zig Kanada-Gänse über den Gehweg spazieren, zücken viele ihr Smarthphone und halten die Szenen fest. Viele Kölner Parks haben aber tatsächlich seit Jahren ein Problem: Immer mehr Kanadagänse und Nilgänse breiten sich an den Weihern und Grünflächen aus. Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger sind sie ein vertrauter Anblick – gleichzeitig sorgen die Tiere für massive Verschmutzungen.
Was tut die Stadt gegen die Gänse, die sich in verschiedenen Bereichen immer weiter ausbreiten? Die Stadt Köln hat nach einer Anfrage in der Bezirksvertretung dazu nun Stellung genommen.
Abschuss am Stadtrand – Eingriffe in der Innenstadt
Außerhalb der Innenstadt wird die Population klassisch reguliert: Jäger schießen jährlich rund 150 Kanadagänse und 230 Nilgänse auf landwirtschaftlichen Flächen. In Parks und Grünanlagen ist das so nicht möglich. Hier gilt ein strenges Jagdverbot. Stattdessen setzt die Stadt auf sogenanntes Gelegemanagement – also das gezielte Entfernen von Eiern aus Nestern.
Diese Orte sind besonders betroffen
Die Stadt hat mehrere Hotspots identifiziert, an denen besonders viele Gänse brüten. Dazu gehören unter anderem:
- Aachener Weiher
- Stadtwaldweiher
- Volksgarten (seit 2026 neu dabei)
- Mediapark
- Ebertplatz / Theodor-Heuss-Park
- Kalscheurer Weiher
Hier werden während der Brutzeit von Februar bis Mai alle zwei Wochen Eier aus den Nestern entfernt. Interessant: Orte mit vielen Gänsen sind laut Stadt nicht automatisch Brutorte. Am Fühlinger See oder im Rheinpark etwa halten sich viele Tiere auf – dort gibt es aber kaum Nester.
300 Eier pro Jahr – und ein stabiler Bestand
Im Jahr 2025 hat die Stadt rund 300 Eier der Kanadagans eingesammelt. Das Ergebnis: Der Bestand dieser Art konnte zumindest an den überwachten Gewässern seit 2023 stabil gehalten werden. Anders sieht es bei der Nilgans aus.
Das Problem mit der Nilgans
Nilgänse vermehren sich weiter stark. Der Grund: Sie brüten nicht am Boden, sondern oft hoch oben in Bäumen – und sind damit schwer zu erreichen.
Die Stadt testet deshalb ein neues Vorgehen: Brutkästen, in denen Nilgänse gezielt nisten sollen. Dort könnten die Eier dann einfacher entnommen werden.
Geplant sind solche Kästen unter anderem:
- am Melaten-Friedhof
- im Umfeld der Uni-Gewässer
- am Rautenstrauchkanal
- an Schulen im Stadtgebiet
Einige Kästen wurden bereits installiert. Trotz angespannter Haushaltslage will die Stadt das Gelegemanagement fortsetzen.
Im Rheinpark wird diese Methode nicht angewendet – hier gebe es zwar viele Gänse, aber zu wenige Nester, um das Vorgehen sinnvoll zu machen.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Reinigung stößt an Grenzen
Für die Beseitigung des Gänsekots ist die AWB zuständig. Zwar wird regelmäßig gereinigt, doch da die Tiere in großer Zahl unterwegs sind, verschmutzen Wege und Wiesen innerhalb kürzester Zeit erneut.
Eine dauerhaft saubere Lösung ist so kaum möglich – die Parks leiden unten der Gänsen und wirklich etwas tun kann man dagegen nicht.
Warum sich Kanadagänse in Köln wohlfühlen
Die Kanadagans stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde in Europa ab den 1970er-Jahren gezielt ausgesetzt – unter anderem für Jagdzwecke oder als Ziertier in Parks. Sie hat sich schnell an die hiesigen Bedingungen angepasst: milde Winter, kaum natürliche Feinde und reichlich Futter an den städtischen Weihern.
In Köln finden die Tiere ideale Lebensräume mit offenen Rasenflächen und Gewässern, wo sie ungestört brüten und weiden können.
Auch Nilgänse auf dem Vormarsch
Auch die Nilgans ist ein sogenannter Neubürger. Ursprünglich kommt sie aus Afrika südlich der Sahara und entlang des Nils. In Deutschland breitet sie sich seit den 1980er-Jahren aus, nachdem Tiere aus Gefangenschaft entkommen waren. Anders als Kanadagänse nutzen Nilgänse nicht nur Wiesen und Wasser, sondern auch erhöhte Plätze wie Bäume, Dächer oder Mauern für ihre Nester.
Das macht sie anpassungsfähig – gerade in einer Großstadt wie Köln, wo sie in Parks, am Rhein und sogar in Wohngebieten geeignete Brutplätze finden.
Welche Probleme die Gänse in Köln verursachen
So schön die Tiere für viele Spaziergänger wirken – ihr massenhaftes Auftreten bringt auch Nachteile mit sich. Am sichtbarsten ist der Gänsekot, der Wege, Wiesen und Uferbereiche verschmutzt und die Nutzung der Parks einschränkt. Besonders für Familien mit Kindern oder Menschen, die Picknickdecken ausbreiten wollen, wird das schnell unangenehm.
Hinzu kommt, dass die Tiere große Mengen Gras abweiden und Uferbereiche stark belasten. Dort, wo sich viele Gänse aufhalten, werden Böden kahl und die Vegetation geschädigt. Auch die Wasserqualität in Weihern kann durch die hohe Zahl an Vögeln leiden.
Nicht zuletzt fühlen sich andere Wasservögel verdrängt, weil Kanadagänse und Nilgänse sehr territorial auftreten und Brutplätze besetzen.
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