Kann das Müngersdorfer Stadion eines Tages auf 75.000 Plätze ausgebaut werden? Die Frage beschäftigt den 1. FC Köln und seine Fans schon seit mehreren Jahren. Dem Wunsch nach einem größeren Stadion steht dabei auch eine gewisse Skepsis gegenüber: Ist ein Ausbau in Müngersdorf aufgrund des Verkehrs, der Anwohner der begrenzten Flächen – und nicht zuletzt auch der Politik – überhaupt möglich?
Wie schwierig größere Bauvorhaben rund um den FC in Köln werden können, zeigt die jahrelange Auseinandersetzung um das Geißbockheim. Entsprechend groß ist bei vielen Fans die grundsätzliche Frage: Wird ein Ausbau in Müngersdorf tatsächlich jemals kommen – oder bleibt er eine Vision?
Die Diskussion ist nicht neu: Bereits seit geraumer Zeit hat sich der FC mit einem möglichen Ausbau des Stadions auf 75.000 Plätze beschäftigt.
FC-Präsident Jörn Stobbe ist auch Immobilien-Experte und hat das Thema Stadionausbau auf die Agenda gehoben. Im aktuellen FC-Podcast „Dreierkette Köln“ spricht er mit Host Martin Schlüter über erste Grundlagenarbeiten, die gegründete Stadionkommission und seine langfristige Vorstellung: ein Stadion mit 75.000 Plätzen und einer großen „roten Wand“.
Stobbe macht im Podcast auch deutlich, dass der Verein das Thema nicht nur lose diskutieren möchte. „Wir machen jetzt wirklich Grundlagenarbeit am Standort“, so der FC-Präsident. Der Verein könne nicht einfach bis 2034 warten, wenn die aktuelle Vereinbarung zum Stadion ausläuft.
FC hat eine kleine Stadionkommission gegründet
Stobbe erklärte in diesem Zuge noch einmal die gegründete Stadionkommission, die derzeit verschiedene Aspekte untersucht, um bewerten zu können, wie realistisch ein Stadionausbau in Müngersdorf wäre.
Dabei geht es nicht allein um zusätzliche Zuschauer-Plätze. Stobbe nennt unter anderem Verkehrskonzepte, die Akustik im Stadion und Inklusion als einige von vielen Themen, die berücksichtigt werden müssten. Auch die Mitglieder sollen in die Überlegungen einbezogen werden.
Seine persönliche Vorstellung formuliert der FC-Präsident deutlich: „Natürlich hätte ich als Vision gerne ein eigenes Stadion mit 75.000, mit einer roten Wand, die größer ist als die in Dortmund.“
Stobbe will den Ausbau in Müngersdorf vorantreiben
Auf die Nachfrage von Podcast-Moderator Martin Schlüter, ob er dabei vom bestehenden Standort in Müngersdorf spreche, antwortet Stobbe eindeutig: „Natürlich, genau da. Das schreit danach.“
„Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen“
Wie groß die Zweifel an einer Umsetzung sind, zeigt das Gespräch im Podcast selbst. „Dreierkette Köln“-Gast Ingmar Stolzenburg bezeichnet das Stadionthema zunächst als „maximal interessant“.
Gleichzeitig sei er jedoch skeptisch, ob das tatsächlich jemals kommt. Er verweist auf die vielen offenen Fragen: das Anwohnerkonzept, die Verkehrsanbindung und den begrenzten Platz am Standort. Vor allem die jahrelangen Auseinandersetzungen um das Geißbockheim nähren seine Skepsis.
„Wenn wir beim Geißbockheim seit Jahrzehnten über zwei Wiesen diskutieren, wo so viel Gegenwehr kommt – ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagt Stolzenburg. Ein Stadion mit 75.000 Plätzen in Müngersdorf sei zwar sein größter Wunsch. Er könne sich eine Umsetzung unter den bestehenden Bedingungen aber nur schwer vorstellen.
Damit spricht er eine Grundskepsis aus, die viele FC-Fans seit Jahren begleitet: Wenn bereits die Erweiterung des Trainingsgeländes zu einem langwierigen Konflikt wird, wie soll dann ein wesentlich größeres Stadionprojekt gelingen?
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Stobbe widerspricht dieser Skepsis nicht. „Du sprichst ganz vielen aus der Seele“, antwortet der FC-Präsident. Er fasst die verbreiteten Zweifel selbst zusammen: Wenn in Köln bereits kleinere Projekte so schwierig seien, wie könne der Verein dann an ein derart großes Vorhaben denken?
Seine Antwort darauf ist kein Versprechen, dass der Ausbau kommen wird. Stobbe verweist stattdessen auf die notwendigen Schritte eines langfristigen Immobilienprojekts. Es brauche einen Plan, Realismus und die Beteiligung aller Betroffenen: „Du musst es herunterbrechen: Was sind die Grundlagen? Was sind die nächsten Schritte? Ein Schritt nach dem anderen“, sagt der FC-Präsident.
Der Verein will demnach zunächst klären, was am Standort überhaupt möglich ist und welche Hindernisse einem Ausbau entgegenstehen. „Was sind wirkliche Showstopper? Was wären die Schritte?“, beschreibt Stobbe diese Fragen. Genau das seien nun die Aufgaben der eingesetzten Stadionkommission.
Situation für Anwohner laut Stobbe teilweise unzumutbar
Zu den größten Herausforderungen gehören laut Stobbe auch die Interessen der Menschen, die rund um das Stadion wohnen. „Wir müssen aber wiederum alle mitnehmen“, sagt Stobbe. Das gelte für Mitglieder und Politik ebenso wie für die Anwohner.
Der FC-Präsident räumt ein, dass die Situation rund um Heimspiele schon heute Probleme bereitet: „Im Moment ist die Situation für die Anwohner teilweise unzumutbar.“
Bevor der Verein konkreter über bis zu 25.000 zusätzliche Zuschauer sprechen könne, müsse geklärt werden, wie sich die Situation für die Anwohner verbessern lasse. Stobbe nennt ein Anwohnerschutzkonzept, den Lärm rund um das Stadion sowie die Verkehrswege nach Müngersdorf als wichtige Punkte.
Die Idee eines größeren Stadions dürfe deshalb nicht losgelöst von der Umgebung verfolgt werden. Stobbe fasst seinen Ansatz mit den Worten zusammen: „Köln kann Grün und Köln kann Sport – beides zusammen.“
Stadionausbau wäre ein Projekt für die 2030er-Jahre
Dass ein Ausbau in Köln schnell umgesetzt werden könnte, erwartet auch Stobbe nicht. Er spricht ausdrücklich von einem langfristigen Vorhaben, das bis in die 2030er-Jahre reichen würde.
„Das Stadion dauert richtig lange. Das geht natürlich in die Dreißiger“, sagt der FC-Präsident.
Stobbe bringt zudem eine mögliche gemeinsame Bewerbung um eine Fußball-Weltmeisterschaft ins Gespräch. Falls sich Deutschland eines Tages gemeinsam mit Frankreich oder England bewerben sollte, könnten sich daraus möglicherweise Zuschüsse ergeben. Diese Überlegung beschreibt er als mögliches Szenario.
Das FC-Präsidium meint es also ernst mit der Mammut-Aufgabe Stadionausbau. Gleichzeitig sieht man, wie weit ein Weg bis dorthin ist. Ob es passieren wird, steht aktuell noch in den Sternen. Aber die Grundlagen dafür werden derzeit geschaffen.
Wie groß die Nachfrage ist, zeigt die Situation bei den Tickets: Viele Fans müssen jahrelang auf eine Dauerkarte beim 1. FC Köln warten.
Die weiteren Themen der Dreierkette Köln
Im aktuellen Podcast „Dreierkette Köln“ spricht FC-Präsident Jörn Stobbe außerdem über die sportliche Situation nach der Niederlage in Hamburg, die Probleme bei Standards, die Transferstrategie und die Zukunft von Trainer René Wagner.
Weitere Themen sind der geplante Ausbau des Geißbockheims, die klare Absage des FC an Investoren, die gesellschaftliche Verantwortung des Vereins und Stobbes Erwartungen für das Derby gegen Borussia Mönchengladbach. Hier könnt ihr die gesamte Folge hören:
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