Die 4 Geheimnisse aus der Legende der Kölner Heinzelmännchen

Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!

August Kopisch

Die ersten Zeilen aus dem Gedicht von August Kopisch aus dem Jahr 1836 sagen schon sehr viel über die beliebtheit der Kölner Heinzelmännchen in Köln aus.

Wie schafften es die Kölner damals nur, alle diese viele Dingen stets zu erledigen und Köln zu einer blühenden und angesehenen Stadt zu machen?

Die Antwort – laut Sage – war: Kleine Heinzelmännchen fielen nachts in die Handwerksbetriebe ein. Lautlos und unentdeckt erledigten sie die Arbeit des Tages, während die Bewohner Kölns noch am schlafen waren oder sich anderen Tätigkeiten jenseits der Arbeit widmeten.

Der Heinzelmännchenbrunnen vor dem Brauhaus Früh ist heute wohl das sichtbarste Zeugnis der Heinzelmännchen in der Stadt.

Der Brunnen bildet mit seinen Figuren die Geschehnisse der Sage ab. Wir haben euch hier einige wissenswerte Punkte über die Heinzelmännchen in Köln aufgeschrieben.

Foto: Dietmar RabichKöln, Heinzelmännchenbrunnen — 2010 — 2991CC BY-SA 4.0

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Ein Preuße machte die Heinzelmännchen bekannt

August Kopisch (Historienmaler und Dichter, geboren in Breslau) griff im Jahr 1836 die Heinzelmännchen-Geschichte auf, die der Dichter Ernst Weyden wenige Jahre zuvor aufgeschrieben hatte und gestaltete sie als Ballade. Erst danach wurde sie wirklich bekannt.

Weyden hatte 1824 die bis dahin nur mündlich existierende Volkssage der Heinzelmännchen aufgeschrieben und sie aus dem Siebengebirge nach Köln verlegt.

Kopisch hat Köln übrigens selbst nie besucht (er starb in Berlin). Vielleicht wollte der pflichtbewusste Preuße damit auch eine Form von Kritik an der lebensfrohen rheinischen Lebensart üben.

Diese beweglichen Heinzelmännchen Figuren sind am Drachenfels in Königswinter zu sehen. Foto: Yoshi / CC BY-SA 3.0

Nichts fragen, nichts sagen

Der Sage nach hat niemand die Heinzelmännchen je zu Gesicht bekommen. Einige Kölner fragten sich aber natürlich, wie die fleißign Helferlein aussehen mögen. Die Schneidersfrau gab ihrer Neugier eines Tages nach, obwohl ihr Mann sie noch gewarnt hatte: Bevor die Heinzelmännchen ins Haus kamen, legte sie Erbsen auf der Treppe aus, um sie zu Gesicht zu bekommen.

Als die Heinzelmännchen kurz nach Mitternacht lautlos ins Haus gingen, stolperten sie mit einem großen Gepolter über die Erbsen auf der Treppe. Danach wurden sie nie wieder in Köln gesehen und sollen die Stadt mit einem Schiff verlassen haben.

Szene am Heinzelmännchenbrunnen vor dem Brauhaus Früh in Köln, der 1899 gebaut wurde. Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der traurige Realitätscheck

Als Heinzel wurden früher Vorrichtungen bezeichnet, mit denen Menschen Wasser aus Bergbau-Gruben hinausbeförderten. Möglich ist, dass die Menschen, die dies taten, Heinzelmänner genannt wurden. Das würde auch ihre Größe erklären. In die niedrigen Bergbau-Schächte kamen damals nämlich nur sehr kleine Personen oder eben Kinder hinein.

Die Heinzelmännchen wurden jedoch arbeitslos, nachdem hierfür gegen 1500 Pumpen erfunden wurden. Angeblich sollen sie danach nachts heimlich und schwarz bei Kölner Betrieben gearbeitet haben, ohne offiziell erfasst zu werden. So wäre die Sage eine Erinnerung an Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen gelebt haben. (Quelle)

Der Ursprung des Begriffs

Nach dem „Deutschen Wörterbuch“ der Gebrüder Grimm kommt der Begriff von dem Verb heinzen, das so viel heißt, wie tragen und helfen.

Film: Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen

Im Januar kam ein animierter Film über die Heinzelmännchen in Köln raus, in dem sie zurück in das Leben der Menschen kehren. Hier seht ihr den Trailer (hier kann man sich den Film bestellen):

Firmen nach Köln benannt

Die Kölner Heinzelmännchen genießen auch heute noch einen so hervorragenden Ruf in Köln, dass sich in den 60er-Jahren sogar eine Gebäudereinigungsfirma nach ihnen benannt hat, die heute rund 450 Mitarbeiter hat.

Hier lest ihr noch einmal das gesamte Gedicht:

Die Heinzelmännchen zu Köln

von August Kopisch (1836)

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten…
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,…
War all sein Tagewerk… bereits gemacht!

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Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän’ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg’ in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken…
Eh sich’s der Zimmermann versah…
Klapp, stand das ganze Haus… schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,… das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl’ im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,…
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt’ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock… bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! – verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

Als Buch könnt ihr euch die Heinzelmännchen von Köln hier bestellen (7 EUR):

Eine Auswahl an kölschen Designs auf Kissen, Tassen, Shirts und Pullovern findest du hier:

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