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Ab hier sinkt deine Lebenserwartung um 6 Jahre

Was bedeutet der ominöse Spruch auf den Kölner Brücken?

Wer zu Fuß über eine der Kölner Rheinbrücken geht, liest derzeit auf mehreren Fußwegen der Brücken in Köln einen Spruch, der sich zunächst nicht erschließt: „Ab hier sinkt deine Lebenserwartung um 6 Jahre“ wurde dort mit Hilfe von Schablonen auf den jeweiligen Fußweg gesprüht. Dazu wurde ein roter Strich gezogen, wie eine Art Grenze. Die Sprüche sind auf Fußwegen der Brücken angebracht, die in Richtung der Schäl Sick führen. Wer aus dem Linksrheinischen also den Rhein überquert und die rechtsrheinische Seite von Köln betritt, soll 6 Jahre weniger leben?

Gibt es eine akute Gefahr auf den Brücken? Oder eine akute Unfallgefahr im Rechtsrheinischen? Beides ist nicht der Fall. Der Spruch soll vielmehr auf die ungleichen Lebensverhältnisse aufmerksam machen, die es in Köln gibt. (Spruch-Foto: Hubertus Hiemann)

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Unterschiede in den Lebensverhältnissen in Köln

Die Zahl bezieht sich auf den Solimed Gesundheitsatlas, der in den Jahren 2019 und 2020 erstellt wurde und unter diesem Link abrufbar ist. Hier werden Lebensverhältnisse in Köln verglichen.

Eine der zentralen Aussagen in dem Gesundheitsatlas für Köln lautet:

Arme leben kürzer als Reiche und sind mindestens doppelt so häufig krank.

Die medizinische Versorgung in den Stadtteilen Chorweiler, Mülheim und Ehrenfeld sei laut Atlas am geringsten, wohingegen die Versorgung in den Stadtteilen Innenstadt, Lindenthal und Nippes am höchsten sei. Die Anzahl chronischer Erkrankungen sei dort am höchsten, wo die medizinische Versorgung am geringsten sei. So trete u.a. Diabetes in Chorweiler häufiger auf, als etwa in Lindenthal.

Leben Menschen im Rechtsrheinsichen wirklich 6 Jahre kürzer?

Auf Folie 19 der Präsentation folgt die Zahl, auf die sich der Spruch auf den Kölner Brücken bezieht. Das mediane Sterbealter liegt in Mülheim bei 76 Jahren, in Lindenthal dagegen bei 82 Jahren. Ein Unterschied von 6 Jahren. (Erklärung Median: Der Median ist der Wert, der genau in der Mitte einer Datenreihe liegt, die nach der Größe geordnet ist.)

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Als Quelle wird hier aufgeführt: AOK Rheinland/Hamburg, 2019b, S. 22

Und wer hat nun den Spruch auf die Kölner Brücken gesprüht? Auf dem linksalternativen Portal Indymedia findet sich eine Erklärung dazu:

  • „Letzte Nacht haben wir, autonome Aktivist:innen des Kölner Umkreises, alle 6 Kölner Brücken verschönert. Wir wollen damit allen Kölner:innen zeigen, was sie nur allzu gerne verdrängen: Das die Einteilung in „richtige“ und „falsche“ Rheinseite nichts mit Coolness und persönlicher Präferenz zu tun hat und materielle Konsequenzen hat“,

heißt es hier in einem Eintrag vom 3. Juni 2024.

Sie kritisieren, dass bestimmte Menschen u.a. auch durch die Politik der Stadt Köln an den Rand der Stadt, häufig im Rechtsrheinischen, gedrängt werden. Sie fordern: Armut zu bekämpfen, statt sie zu verdrängen.

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