Gummi Grün am Kölner Neumarkt

5 Kölner Traditionsgeschäfte, die 2022 schließen mussten

Sie gehörte Jahrzehnte zum Stadtbild von Köln. Generationen von Kölnern haben bei ihnen eingekauft. Doch 2022 mussten zahlreiche Kölner Traditionsgeschäfte aufgeben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Von 2019 bis 2021 war es „nur“ Corona, das Geschäfte und Gastronomie an die Belastungsgrenze brachte.

Mittlerweile kommt eine Vielzahl weiterer Faktoren dazu: Die hohen Energiekosten, der Fachkräftemangel, die Kaufzurückhaltung während des Krieges – alles zusätzlich zu einem Einzelhandel, der aufgrund der Online-Geschäfts schon seit Jahrzehnten stark unter Druck ist. Das Ergebnis: Geschäftsschließungen treffen nicht nur bestimmte Branchen, wie die folgenden Geschäfte zeigen, die 2022 in Köln schließen mussten.

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Gummi Grün am Neumarkt

Nach 137 Jahren musste das Traditionsgeschäft Gummi-Grün am Kölner Neumarkt im Sommer 2022 für immer schließen. „Wir danken Ihnen allen, die uns viele Jahre treu geblieben sind. Sie werden uns fehlen. Bitte halten sie uns in guter Erinnerung,“ hieß es damals auf einem gelben Zettel im Schaufenster des Geschäfts.

Gummi Grün hatte ein ungewöhnliches Konzept, das aber geschätzt und erfolgreich war – und nicht so einfach von großen Ketten oder Online-Shops kopiert werden konnte: Hier gab es alles, was mit Gummi zu tun hatte. Das ging von Haushaltsgegenständen wie Matten oder Gießkannen bis hin zu Dichtungen.

Wer nicht mehr weiter wusste, und ein sehr spezielle Einzelstück brauchte, der ging zu Gummi Grün – und wurde dank der großen Expertise und Beratung vor Ort immer fündig. Der Geschäft wurde 1894 von Franz Grün eröffnet und wurde seitdem behutsam weitergegeben. 

Bäckerei Schlechtrimen in Köln-Kalk

Die Bäckerei Schlechtrimen auf der Kalker Hauptstraße musste im Herbst 2022 nach 90 Betriebsjahren schließen. Mehrere Generationen kauften bei der Bäckerei ein, das immer großen Wert auf Handwerk und Qualität legte: „Sie schätzten uns nicht wegen Bling-Bling in der Ladengestaltung, sondern wegen unserer Authentizität“, war das Motto der Bäckerei.

Grund für die Schließung waren verschiedene Krisen, die sich gegenseitig verstärken, weshalb Engelbert Schlechtrimen die endgültige Betriebsausgabe erklärte. Die Bäckerei wollte keine günstigeren Materialien einkaufen oder an anderer Stelle einsparen – sondern entschied sich für die Geschäftsaufgabe.

Die Bäckerei wurde zuletzt von Engelbert Schlechtrimen in dritter Generation geführt. Sein Fazit im Spätsommer 2022: „Der richtige Zeitpunkt den Betrieb zu beenden und eine Insolvenz zu vermeiden ist – so schwer es uns allen fällt, spätestens jetzt.“

Besteckhaus Glaub

Das Fachgeschäft an der Burgmauer in Sichtweite des Doms hat im Sommer 2022 seine Türen nach 64 Jahren an dem Standort für immer geschlossen. Das Besteckhaus Glaub war europaweit einzige Fachgeschäft, das ausschließlich Besteck verkaufte. Über 20 Jahre wurde es zuletzt von Hermann Freiß geführt. Nun aber gibt es keinen Nachfolger mehr. Die Suche verlief erfolglos. „Eine Ära ist zu Ende“, heißt es auf der Homepage des Geschäfts.

Im Besteckhaus Glaub konnte man unter 500 Besteckmustern wählen: „Von A wie Austerngabeln bis Z wie Zuckerzange, können viele Wünsche in Edelstahl, versilbert, Sterlingsilber 925, Reines Silber 999/000 oder Massivgold erfüllt werden“, heißt es auf der Homepage. Doch nun ist alles anders: War früher Besteck noch ein Statussymbol, so haben sich die Zeiten heute deutlich gewandelt.

Bestecke kaufen die meisten Menschen günstig in großen Märkten, auch Caterer bieten Besteck gleich mit an. Geschäftsgründer Bodo Glaub betrieb von 1951 bis zu seinem Tod 1995 außerdem das Besteckmuseum Glaub, das eine der größten Bestecksammlungen der Welt zeigte.

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Metzgerei Stock, Neusser Straße

Zu Heiligabend 2022 hat die Metzgerei Stock auf der Neusser Straße in Köln-Nippes nach 58 Jahren den Betrieb eingestellt. Die rote Markise mit der markanten Aufschrift „Der gute alte Metzgerladen“ war bei vielen Kölner ein Begriff. Der Grund für die Schließung war jedoch nicht die aktuelle Wirtschaftskrise, sondern der Fachkräftemangel.

Die Metzgerei fand einfach kein Personal mehr, um den Betrieb fortführen zu können. Man schließe einen Laden, der gut funktioniert, wie Inhaber Christoph Stock u.a. gegenüber der WDR Lokalzeit erklärte. Er war 28 Jahre für die Metzgerei verantwortlich.

Metzgerei Meyer Köln-Weiden

Es war der letzte Metzger-Laden in Köln-Weiden. Bereits kurz vor dem Jahreswechsel 2021/22 hat die Metzgerei Meyer in Köln-Weiden ihr Geschäft nach 83 Jahren geschlossen.

„Über Jahrzehnte waren Sie nicht nur Kunden, es hat sich auch über Jahre ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut“, heißt es weiter in der Mitteilung. Grund für die Schließung des Geschäfts war auch hier der Personalmangel in der Branche, wie Inhaber Egon Meyer damals gegenüber der Kölnischen Rundschau angab.

Das Ehepaar konnte das Geschäft auf Dauer nicht mehr alleine führen. Die Arbeitsbelastung war zu hoch. Es blieb nur die Schließung.

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