Saison des 1. FC Köln

„Sanierungsfall“, Özcan-Wechsel: Wie der FC trotzdem besteht

Es ist noch nicht lange her, dass die FC-Fans den Platz stürmten. Nach dem 0:1 gegen Wolfsburg stand die Rückkehr ins internationale Geschäft fest. Zumindest die Conference League. Steffen Baumgart ist mit dem 7. Platz in der Saison etwas gelungen, dass man gar nicht hoch genug einschätzen kann:

  • Er hat vor der Saison Leistungsträger ziehen lassen, ablösefreie Spieler geholt und die Mannschaft trotzdem besser gemacht.
  • Er hat ein Potenzial aus vorhandenen Spielern ausgereizt, woran vor der Saison kein Mensch im Traum gedacht hätte. Beispiel: Anthony Modeste und seine 20 (!) Saisontore.
  • Er hat innerhalb von 10 Monaten aus einem beim 1. FC Köln perspektivlosen Salih Özcan einen der begehrtesten 6er der Liga geformt. Und allein dadurch einen Transferwert von 5-10 Mio. für den FC geschaffen.

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Mehr als Steffen Baumgart in seinem ersten Jahr beim FC erreicht hat, geht nicht. Er hat dem FC viele Millionen in Form einer klugen Kaderzusammenstellung mit Transferüberschüssen, Platz 7 und zum Teil stark gestiegenen Spielerwerten gebracht. Zwei Spieltage vor Schluss hätte der FC sogar noch in die Champions League einziehen können. Wahnsinn.

Die bittere Realität für den 1. FC Köln

Doch die Situation ist überhaupt nicht vergleichbar mit der im Jahr 2017. Damals stand der FC finanziell glänzend da – um im Sommer 2017 zahlreiche millionenschwere Fehler zu machen.

Nach dem Europa-Rausch im Mai 2022 kommt folgt der Kater oder anders gesagt: die bittere Realität.

Die Millionen-Verluste durch Corona, schlechte Transfers in der Vergangenheit und zahllose teure Trainerentlassungen kann Steffen Baumgart nicht wegzaubern.

„Die sportlich exzellente Saison darf aber nicht überdecken, dass wir aktuell nicht die Substanz haben, dort regelmäßig zu landen“, bilanzierte der neue Geschäftsführer Christian Keller nun im Gespräch mit dem Express.

Der 1. FC Köln ist ein Sanierungsfall

Die bittere Realität nach der Saison 21/22 lautet: Der FC ist ein Sanierungsfall. Der bevorstehende Weggang von einer Identifikationsfigur wie Salih Özcan (24) tut da richtig weh. Und vermutlich wird es nicht der einzige schmerzhafte Abgang bleiben.

Dazu kommt: Hinter dem FC sind zahlreiche Teams gelandet, die im kommenden Jahr viel größere Möglichkeiten haben: Eintracht Frankfurt mit den Champions League Millionen, Gladbach, Hoffenheim mit Hopp-Millionen, Hertha BSC mit Investorengeldern. Dazu kommen Schalke und Bremen mit der Aufstiegseuphorie im ersten Jahr.

Die Hoffnung hat einen Namen: Steffen Baumgart

Die sportliche Hoffnung beim FC fokussiert sich auf eine Person: Trainer Steffen Baumgart muss nächstes Jahr ein ähnliches Wunder vollbringen, wie in der aktuellen Spielzeit. Damit ist vermutlich nicht Platz 7, sondern der Klassenerhalt gemeint. Oder?

Der 1. FC Köln hat in seiner aktuellen Situation nur eine Möglichkeit:

  • Der Klub muss beweisen, dass nicht Geld, sondern kluge Arbeit der wichtigste Faktor ist. Ermutigend dabei ist: Aktuell gibt es mehrere Beispiele, die genau das bestätigen: Hertha BSC im negativen Sinn, Freiburg und Union im positiven Sinn.
  • Überhaupt kann sich der FC am Phänomen Union Berlin einiges abschauen: Halbjährlich verlassen den Verein wertvolle Spieler. Aber kein Abgang kann der Kontinuität von Union etwas anhaben.
  • Es ist genau das, woran auch der 1. FC Köln derzeit arbeitet. Im Spieler- wie im strukturellen Bereich mit neuen Geschäftsführern: Keine Person ist größer als der Verein. Keine Person, kein Spieler ist unersetzlich. Das zu schaffen, ist schwer, aber die einzige Möglichkeit für den FC, künftig zu bestehen.

An Aufgaben wie diesen sind zig Trainer beim 1. FC Köln zuletzt gescheitert. Wenn man einer Person sportlich genau das zutraut – auch eine Zuversicht in der aktuell schwierigen Situation – dann ist es Steffen Baumgart.

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