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Willi Ostermann Grab in Köln

Willi Ostermann: Der Mann, der Köln sein Heimweh-Lied gab

Den Text zu seinem bekanntesten Lied schrieb Willi Ostermann im Krankenhaus. Wenige Tage später starb er – und „Heimweh nach Köln“ wurde zu seiner musikalischen Hinterlassenschaft an die Stadt. Heute wäre der Liederdichter 150 Jahre alt geworden. Wer war der Mann aus Mülheim, der vom kölschen Alltag erzählte und weit über Köln hinaus bekannt wurde? (Fotos: Jannis Trieb)

Von Mülheim auf die Kölner Bühnen

Als Willi Ostermann am 1. Oktober 1876 geboren wurde, gehörte sein Geburtsort noch nicht zu Köln. Mülheim am Rhein war eine eigenständige Stadt. Die Familie lebte am Picolonischen Weg 1 und zog drei Jahre später nach Deutz. Dort ging Ostermann zur Schule.

Sein Berufsweg begann im Druckereihandwerk. Er lernte Stereotypeur und Galvanoplastiker, stellte also Matrizen und Druckplatten her. Doch ihn zog es zur Bühne, zum Puppenspiel und zur Parodie. 1899 entstand sein erstes Lied über das Deutzer Schützenfest.

Der Durchbruch auf der Kölner Karnevalsbühne gelang ihm in der Session 1907/08 mit „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“. 1908 wurde er bei den Kölner Blumenspielen für das Mundartlied „Wer hätt dat vun der Tant gedaach“ ausgezeichnet.

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Er komponierte, ohne Noten lesen zu können

Ostermann konnte weder Noten lesen noch schreiben. Seine Melodien entstanden im Kopf. Er sang oder pfiff sie einem Notenschreiber vor, der sie aufs Papier brachte. Dabei half ihm unter anderem sein Schwager, der Kapellmeister Emil Palm.

Die Geschichten seiner Lieder spielten häufig im kölschen Alltag. Es ging um Nachbarn, Familienfeiern, Beziehungen und sozialen Aufstieg. Ostermann besang eine Kindtaufe unter Krahnenbäumen und das Schmitze Billa, das eine Villa in Poppelsdorf besaß. Seine Zuhörer konnten sich und ihre Mitmenschen in diesen Geschichten wiedererkennen.

Wer die alten Klassiker wiederentdecken möchte, findet hier sieben alte kölsche Lieder und die Geschichten hinter ihnen.

Auch außerhalb Kölns wurde er bekannt

Neben seinen kölschen Liedern schrieb Ostermann hochdeutsche Rheinlieder. Dazu gehören „Einmal am Rhein“ und „O Rheinland, wie bist du so schön“. Schallplatten verbreiteten seine Musik, Auftritte führten ihn unter anderem nach Hamburg und Berlin, an den Lago Maggiore und nach Madeira.

Sein Zuhause blieb Köln. Von 1928 bis zu seinem Tod wohnte er mit seiner Frau Käthe am Neumarkt 33. Eine Gedenktafel erinnert dort heute an seinen letzten Wohnsitz.

Die Geschichte hinter „Heimweh nach Köln“

Im Juli 1936 erlitt Ostermann bei einem Gastspiel im Kurhaus von Bad Neuenahr einen Schwächeanfall. Er wurde in die Kölner Klinik Lindenburg gebracht. Dort schrieb er in seinen letzten Lebenstagen am Text von „Heimweh nach Köln“. Am 6. August 1936 starb er im Alter von 59 Jahren.

Die Melodie war bereits einige Jahre alt: Ostermann hatte sie für „Sehnsucht nach dem Rhein“ aus dem Film „Der Traum vom Rhein“ von 1933 komponiert. Sein Freund, der Karnevalist Thomas Liessem, berichtete später, er habe das unvollendete „Heimweh nach Köln“ nach Ostermanns Tod anhand dessen Notizen fertiggestellt. Welchen Anteil Liessem genau am Text hatte, ist nicht geklärt.

Bei Ostermanns Beerdigung am 10. August 1936 trug Liessem den Refrain am offenen Grab vor. Das Lied erschien noch im selben Jahr auf Schallplatte, gesungen von Liessem. Die Einnahmen daraus bildeten den Grundstock für ein Denkmal zu Ostermanns Ehren.

Im Zweiten Weltkrieg erhielt das Lied eine zusätzliche Bedeutung. Für die Menschen aus dem schwer zerstörten Köln drückte es die Sehnsucht nach ihrer Heimatstadt aus. Der Landschaftsverband Rheinland beschreibt es als Inbegriff der emotionalen Verbundenheit mit Köln.

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Wo Köln heute an Ostermann erinnert

Schon die Beerdigung zeigte, wie beliebt Ostermann gewesen war. Menschen säumten den Weg vom Neumarkt zum Melatenfriedhof. Zeitgenössische Berichte schildern einen außergewöhnlich großen Trauerzug. Ostermanns letzte Ruhestätte gehört heute zu den Gräbern bekannter Persönlichkeiten auf Melaten.

In der Altstadt erinnert der Ostermannbrunnen an ihn. Er wurde an Weiberfastnacht 1939 eingeweiht. Seine 15 Figuren stellen Charaktere dar, die Ostermann in seinen Liedern besungen hatte. Der Brunnen gehört zu den Kölner Brunnen, deren Geschichte wir hier vorstellen. Auch am historischen Ratsturm ist Ostermann eine Figur gewidmet.

Seit 1967 pflegt die Willi Ostermann Gesellschaft das Andenken an den Liederdichter und sein Werk. Im Ostermann-Archiv sind historische Dokumente, biografische Informationen und seine Lieder zusammengestellt.

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