Der Tanzbrunnen gehört zu den Orten, die in Köln eine ganz eigene Bedeutung haben. Für viele ist es die schönste Open Air Bühne schlechthin. Direkt am Rhein, der Dom in Sichtweite, perfekte für tolle Sommernächte.
Doch während fast jeder hier einmal war, wissen nur wenige, wie dieses Gelände eigentlich organisiert ist. Wer entscheidet über Konzerte, Preise, Renovierungen oder die Gastronomie? Und wem „gehört“ der Tanzbrunnen tatsächlich?
Ein Blick in die Strukturen zeigt: Die Antwort ist klarer, als man denkt – und gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, wie Köln seine großen Kultur- und Veranstaltungsorte steuert. (Foto: Koelncongress)
Der Boden gehört der Stadt. Der Betrieb einer Firma.
Rein juristisch ist das Gelände des Tanzbrunnens vollständig Eigentum der Stadt Köln. Das gilt sowohl für die Open-Air-Fläche mit dem markanten Zeltdach als auch für das Theater am Tanzbrunnen, die Rheinterrassen, den Biergarten und den Beach Club.
Die Stadt besitzt das Areal – aber sie betreibt es nicht selbst.
Der operative Betrieb liegt bei der Koelncongress GmbH, einer Firma, die zwar wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen arbeitet, aber vollständig im Eigentum der öffentlichen Hand steht. Sie organisiert das gesamte Veranstaltungsgeschäft:
Von Konzerten und Comedy über Firmenfeiern bis hin zu Messen und Kulturformaten. Koelncongress vermarktet die Flächen, verhandelt Verträge und sorgt dafür, dass auf dem Gelände überhaupt ein Programm stattfinden kann.
Damit entsteht eine Struktur, die in Deutschland üblich ist, die vielen aber kaum bewusst ist: Ein städtisches Grundstück, betrieben von einer Firma, die ebenfalls der Stadt gehört – aber nicht wie ein Amt funktioniert.
Wer betreibt die Bühne, wer die Gastro?
Damit es übersichtlich bleibt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Zuständigkeiten.
Die Bühne, das Theater und alle Eventflächen betreibt die Koelncongress GmbH. Sie ist der zentrale Veranstaltungsdienstleister der Stadt und kümmert sich um Vermietung, Programm, Technik und Logistik. Ohne diese Gesellschaft wären große Teile des Kölner Eventkalenders – ob in Gürzenich, Flora oder eben am Tanzbrunnen – kaum denkbar.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Die Gastronomie liegt wiederum bei einer eigenen Tochter: der Koelncongress Gastronomie GmbH. Sie betreibt die Rheinterrassen, den Biergarten und den Beach Club, übernimmt das Catering für Veranstaltungen und bewirtschaftet die gastronomischen Bereiche des Geländes. Auch diese Gesellschaft gehört vollständig zum städtischen Konzernverbund.
So entsteht eine klare Arbeitsteilung: Veranstaltungen hier, Gastronomie dort – beides unter dem Dach eines Konzerns, der nicht privat, sondern öffentlich ist.
Und wem gehört Koelncongress?
Die Koelncongress GmbH ist zu 100 Prozent eine Tochter der Koelnmesse GmbH. Die Koelnmesse wiederum gehört überwiegend der Stadt Köln, zu kleineren Teilen dem Land Nordrhein-Westfalen sowie Kammern und Verbänden. In der Summe befindet sich die gesamte Struktur also vollständig in öffentlicher Hand.
Das bedeutet: Der Tanzbrunnen wird zwar durch GmbHs betrieben, aber diese GmbHs gehören der Stadt. Der Betrieb ist ausgelagert – die Verantwortung bleibt kommunal.
Warum diese GmbH-Struktur überhaupt?
Für viele wirkt es erst einmal kompliziert: Warum betreibt die Stadt nicht einfach selbst den Tanzbrunnen? Warum braucht es mehrere Gesellschaften? Und ist das noch transparent?
Die kurze Antwort: Weil der Betrieb eines Veranstaltungsorts wie des Tanzbrunnens mit einer klassischen Verwaltung kaum machbar wäre.
Der Grund dafür ist vor allem organisatorisch. Eventgeschäft funktioniert nur, wenn Entscheidungen schnell getroffen werden können – bei Preisen, Personal, Technik oder Verträgen. Behörden unterliegen komplexen Vergabe- und Haushaltsregeln.
Eine GmbH dagegen kann in Tagen reagieren, statt in Monaten. Sie kann spezialisierte Fachkräfte anstellen, eigene Budgets planen und unternehmerisch kalkulieren.
Schließlich sind Messegeschäft, Eventgeschäft und Gastronomie drei völlig unterschiedliche Bereiche – mit jeweils eigenen rechtlichen Vorgaben, Tarifstrukturen und wirtschaftlichen Modellen. Sie in einer einzigen großen Gesellschaft zu bündeln, wäre weder effizient noch sinnvoll.
Kurz gesagt: Die Aufteilung ist nicht willkürlich, sondern professionell begründet.
Ist das für Köln gut?
Grundsätzlich ja. Ohne diese Struktur wäre der Tanzbrunnen nicht das, was er heute ist: ein professionell geführtes, wirtschaftlich tragfähiges Veranstaltungsgelände, das jedes Jahr hunderttausende Menschen anzieht. Die GmbH-Lösung ermöglicht Professionalität, Tempo und Planbarkeit.
Gleichzeitig stellt sie höhere Anforderungen an Transparenz. Eine GmbH ist kein Rathaus – viele Zahlen werden nur im Konzernabschluss sichtbar, nicht im öffentlichen Haushalt. Wer verstehen will, wie erfolgreich der Tanzbrunnen wirtschaftlich arbeitet, muss sich durch Beteiligungsberichte und Koelnmesse-Dokumente arbeiten.
Was bleibt am Ende?
Der Tanzbrunnen ist eines der besten Beispiele dafür, wie Köln seine Kultur- und Veranstaltungsorte zwischen öffentlicher Verantwortung und wirtschaftlichem Betrieb austariert.
Er gehört der Stadt – und wird gleichzeitig von einem Unternehmen geführt, das so professionell arbeiten kann, wie es eine Verwaltung nicht könnte.
Für Besucherinnen und Besucher ist das kaum sichtbar. Für Köln aber ist es ein übliches Modell, das den Tanzbrunnen als Bühne, Treffpunkt und Sommerort möglich macht.



