Kölsche Grammatik

Warum man auf Kölsch nicht einfach „ich esse“ sagt

Kölsche Sprache, schönste Sprache. Stell dir vor, du sitzt im Büdchen, ein Kölsch in der Hand, und jemand sagt: „Ich ben am drinke.“ Klar, die Person trinkt gerade – aber so würde das in Hannover niemand sagen. Willkommen in der kölschen Grammatik! Unsere Sprache hat nämlich eigene Satzformen, die im Hochdeutschen nicht vorkommen. Und genau das macht sie so charmant.

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„Ich ben am …“ – die kölsche Verlaufsform

Eine der bekanntesten Eigenheiten ist die sogenannte rheinische Verlaufsform. Statt schlicht „ich esse gerade“ heißt es bei uns: „Ich ben am esse.“ Und das funktioniert fast mit allem:

  • „Ich ben am schwade“ – ich rede gerade
  • „Mer sin am laache“ – wir lachen gerade
  • „Do bes am jonn“ – du bist unterwegs

Das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte erklärt: Diese Satzform ist typisch fürs ganze Rheinland, aber in Köln so alltäglich, dass man kaum darüber nachdenkt. (Quelle: LVR)

Die rheinische Verlaufsform verbindet die Präposition am mit einem Verb (am Arbeiten, am Ausgehen) und drückt aus, dass eine Handlung gerade andauert oder regelmäßig wiederkehrt.

Sprachwissenschaftlich gilt die rheinische Verlaufsform als Beispiel für einen Grammatikalisierungsprozess: eine ursprünglich dialektale, mündliche Variante breitet sich in die Standardsprache und sogar in die Schriftsprache aus.

„För ze …“ – wie man Zwecke ausdrückt

Noch spezieller wird es bei Sätzen mit Absicht. Während man auf Hochdeutsch sagt: „Ich mache das, um zu lachen“, klingt das auf Kölsch so: „Ich maach dat, för ze laache.“

Beispiele gibt’s viele:

  • „Ich ben doför en Lied ze sänge.“ – Ich bin dafür, ein Lied zu singen.
  • „Dat hät se jemaht, för ze fiere.“ – Das hat sie gemacht, um zu feiern.

Auch das ist nicht irgendein Sprachfehler, sondern eine feste Regel des Dialekts. (Quelle: LVR)

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Fragen, die sich anders anhöre

Und auch beim Fragebau macht Kölsch, was es will. Hochdeutsch: „Bist du am essen?“ Kölsch: „Do bes am esse?“

Das Geheimnis liegt in der Betonung. Im Hochdeutschen verrät die Satzstellung die Frage, im Kölschen erkennt man sie oft nur am Tonfall. Praktisch – und irgendwie gemütlicher. (Quelle: LVR)

Mehr als nur Wörter

Klar, Kölsch ist bekannt für Wörter wie „Bützje“ oder „Driss“. Aber das Spannende steckt auch in der Grammatik. Wer Kölsch spricht, benutzt automatisch Strukturen, die man woanders in Deutschland kaum hört. Für Sprachforscher ein Schatz – für uns Kölner einfach Alltag.

Und jetzt seid ihr dran: Welche kölschen Satzformen benutzt ihr ständig – vielleicht sogar, ohne es zu merken?

Wenn du Lust hast, dein Wissen in der kölschen Grammtik direkt zu testen:

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2 Kommentare

  • Marie Lehmacher

    Kann ich bestätigen. In Hannover spricht man anders. Wurde in der Nähe von Hannover geboren. 1962 kam ein junger Kölner, und hat mich ,der Liebe wegen, nach Köln geholt.

  • Birgit Langguth

    Was mir am Kölschen besonders auffällt ist, dass anstatt ‚als‘ immer ‚wie‘ verwendet wird.
    Als Kind und Jugendliche habe ich das überhaupt nicht bemerkt, erst als eine Dame mich mal beim gemeinsamen Sport schräg anschaute (ich war der Meinung, ich spreche Hochdeutsch 😄) und die Trainerin nur sagte: „Das ist rheinisch“, wurde mir das bewusst.

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