Kölner Karneval

Warum ist der Kölner Karneval so eng mit der Kirche verbunden?

Wer in diesen Tagen im Sitzungskarneval in Köln unterwegs ist, wird dabei nicht direkt an die Kirche denken. Tatsächlich aber sind Karneval und Kirche in Köln bis heute eng miteinander verbunden. Ich habe hier einige Punkte aufgelistet, die die Verbundenheiten dokumentieren und den historischen Ursprung von Dingen erklären, bei denen heute viele nicht mehr direkt an die Kirche denken.

Der Ursprung des Karnevals liegt im christlichen Kalender. Die Session markiert den letzten großen Überschwang vor der 40-tägigen Fastenzeit. „Carne vale“ – Fleisch, lebe wohl – beschreibt genau diesen Moment des bewussten Abschieds vom Überfluss. Schon im 14. Jahrhundert ist der Fastelovend in Köln belegt. Erst Feiern. Danach folgt der Verzicht.

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Der Ursprung der Zahl 11

Dass die Elf zur Narrenzahl wurde, ist kein Zufall. Sie steht außerhalb der göttlichen Ordnung: eins mehr als die Zehn Gebote, eins weniger als die zwölf Apostel. Gleichzeitig symbolisiert sie Gleichheit – zwei gleiche Ziffern, kein Oben und Unten. Ein erstaunlich theologischer Gedanke für den Karnevalsbeginn um 11:11 Uhr.

Warum der Karneval katholisch blieb

Mit der Reformation verschwand der Karneval in vielen evangelisch geprägten Regionen. Ohne verpflichtende Fastenzeit fehlte der Anlass.

Im Rheinland dagegen blieb der Karneval lebendig – und wurde im 19. Jahrhundert sogar bewusst neu geordnet. Der heutige organisierte Kölner Karneval ist damit auch ein Produkt katholischer Prägung.

Gottesdienst im Kölner Dom

Seit 2007 gehört ein ökumenischer Karnevalsgottesdienst im Kölner Dom fest zur Session. In Kostüm, mit Standarten und eigens gestalteter Sessionskerze treffen sich Karnevalisten, Geistliche und Gläubige. Gesegnet wird nicht der Karneval – sondern die Menschen, die ihn tragen. Auch kölsche Lieder gehören dazu. Der Dom bleibt sakral, aber nicht abgehoben.

Der bewusste Schnitt am Aschermittwoch

So ausgelassen der Rosenmontag ist – am Aschermittwoch endet alles abrupt. Viele Jecken gehen direkt vom letzten Abend in den Gottesdienst, oft noch in Uniform.

Das Aschenkreuz markiert den Übergang: vom Lärm zur Stille, vom Feiern zur Besinnung. Kaum eine Stadt lebt diesen Bruch so konsequent wie Köln.

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Wenn der Karneval (zu?) unbequem wird

Karneval darf den Finger in die Wunde legen – auch gegenüber der Kirche. Persiflagewagen zu Missbrauchsskandalen haben zuletzt gezeigt, wie sensibel dieses Verhältnis sein kann. Zwischen berechtigter Kritik und verletzten religiösen Gefühlen verläuft eine schmale Linie.

Dass darüber gestritten wird, gehört zum kölschen Karneval genauso wie zum Glauben: Beides lebt vom Diskurs.

Das Festkomitee hat sich in den vergangenen Jahren jeweils auch erlaubt, Kardinal Woelki nicht mehr zur Prinzenproklamation einzuladen. „Die Kirche gehört zum Karneval dazu. Das heißt aber nicht, dass der Kardinal automatisch zur Proklamation eingeladen wird“, erklärte das Festkomitee dazu gegenüber der Kölnischen Rundschau dazu.

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