15 Jahre Kasalla, Jubiläumskonzerte in der Lanxess, ein neues Album – und trotzdem klingt bei Basti Campmann und Rene Schwiers von Kasalla wenig nach Routine. Im Podcast Dreierkette Köln gehts eigentlich um Fußball und den FC. Im Gespräch mit Host Martin Schlüter sprachen die beiden Bandmitglieder von Kasalla aber auch ausführlich darüber, was eigentlich einen guten Song ausmacht, und was der Anspruch von Kasalla ist.
Martin: Ihr feiert 15 Jahre Kasalla. Habt ihr nach all der Zeit noch Bock auf Karneval, Bühne und Band?
Rene Schwiers:
Auf jeden Fall. Wir haben auf jeden Fall noch Bock. Jetzt im Herbst feiern wir unser Jubiläum in der Kölnarena an zwei Tagen. Das ist natürlich dieses Jahr unser großes Thema. Neues Album kommt raus, da freuen wir uns sehr drauf. Wir haben auf jeden Fall nach wie vor Bock und sind dankbar, dass wir das so machen dürfen.
Basti Campmann:
Ja, absolut, total. Es ist verrückt, dass das 15 Jahre schon sind. Wir sind immer noch mit Bock unterwegs. Natürlich hat man mal solche und solche Tage. Das ist bei jedem Job so, aber wir lieben sehr, was wir da tun.
Martin :Wie schafft man es, sich diese Lust über 15 Jahre zu bewahren – und was ist eure Erfolgsformel für so viele starke Sessions?
Basti Campmann:
Erstmal ist es natürlich so, dass man es nie genau weiß. Aber wir haben mit Flo jemanden, der das als Songwriter von der Pike auf gelernt hat und da echt ein Händchen hat mit den Ideen, die oft von ihm kommen und die wir dann als Band zusammenschweißen und schmieden.
Natürlich ist es auch ein bisschen Glück. Man weiß es ja vorher nicht. Wenn man es vorher wüsste, wäre es auch gerade im musikalischen Bereich noch viel langweiliger als im Fußballbereich. Das ist ja auch immer ein bisschen die Herausforderung. Bis jetzt müssen wir sagen: Wir haben tatsächlich sehr, sehr viele Treffer gelandet. Das ist ein großes Geschenk. Und es ist vor allen Dingen ein großes Geschenk, dass die Menschen diejenigen sind, die das entscheiden, nicht wir. Das nehmen wir sehr demütig an.
Martin: Kann man vorher spüren, was in einer Session funktionieren wird?
Rene Schwiers:
Du weißt halt vorher auch nicht: Wie ist denn jetzt der allgemeine Vibe bei den Leuten? Haben die Bock auf eine ruhige Schunkelnummer, wo du dich in den Armen hältst? Oder willst du einmal voll ausrasten? Wenn man sich die Sessionshits der letzten Jahre anschaut, hast du mal so eine Nummer, mal so eine Nummer. Da steckst du vorher auch nicht drin.
Und was natürlich auch immer mal sein kann: Du denkst, du hast die geilste Nummer im Gepäck, die wird jetzt alles wegbomben – und dann kommen Kollegen von einer anderen Band, die haben einfach noch eine geilere Nummer. Das muss man dann auch neidlos anerkennen. Und das ist dann so.
Wann merkt man, dass ein Lied wirklich zündet?
Rene Schwiers:
Ich glaube, man merkt das ganz gut. Zum Beispiel bei „Kölsche Jung“ von Brings. Oder ein paar Jahre später bei „Leev Marie“ von den Paveiern. Da merkt man dann schon im Sommer irgendwie: Okay, das wird es.
Oder aktuelles Beispiel „Karnevalsmaus“: Wenn schon im Sommer klar ist, dass das ganze Internet dazu durch die Gegend tanzt, dann weißt du: Okay, der Zug ist für uns auf jeden Fall abgefahren.
Basti, wird man mit den Jahren entspannter, wenn es um den einen großen Sessionshit geht?
Basti Campmann:
Ich glaube, man wird mit den Jahren ein bisschen entspannter und ist nicht mehr so in diesem Supergetriebe. Man möchte das natürlich unbedingt. Aber es gibt halt auch Songs, die einfach wachsen und am Ende ihren Platz finden, sodass man merkt: Das berührt die Leute.
Wir haben zum Beispiel eine ganz ruhige Nummer, die wir zum Schluss immer spielen. Die war zwar bei „Loss mer singe“ vorne, aber das ist keine Nummer, bei der man in der Kneipe sitzt oder auf Mallorca. Das ist eine kleine Nummer, die die Leute irgendwo hier berührt. Das merkt man halt auch.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Das ist auch wichtig für das, was wir machen. Wir sind ein bisschen anders aufgestellt und kommen mehr über die breite Palette von Emotionen. Dann muss man auch damit leben – und sehr gerne damit leben –, dass man den Partyhit des Jahres nicht immer liefern kann. Das ist auch gar nicht der Anspruch, weil wir einfach das machen, was wir auf der Bühne fühlen.
Martin: Du sagst, manche Songs könntest du gar nicht verkaufen. Was meinst du damit?
Basti Campmann:
Es gibt einige Songs der letzten Jahre, die könnte ich überhaupt nicht verkaufen, weil da sehr viel Choreografisches oder Ähnliches drin ist. Das sind wir einfach nicht. Das zu versuchen, würde auch extrem albern sein.
Martin: Ihr schreibt also nicht nach dem Reißbrett: schnelles Tempo, Mitsingteil, Tanz dazu?
Rene Schwiers:
Wir machen Songs halt, wie wir es gerade fühlen. Klar kannst du in Richtung Session sagen: Was brauchen wir? Schnelles Tempo, Mitsingteil, vielleicht noch ein Tanz dazu – so ein bisschen am Reißbrett konstruiert.
Aber dann gibt es Songs aus den letzten Jahren, die eigentlich überhaupt nicht so karnevalistisch herkommen und trotzdem funktionieren. Manchmal sind halt auch die Grower die Songs, die am besten funktionieren.
Was macht solche Grower aus?
Rene Schwiers:
Wenn du dir anschaust, wie manche Nummern über die Jahre zu einem der größten Karnevalshits gewachsen sind, dann sieht man: Sowas gibt es. Das sind wirklich Songs, die bleiben. Die gehen nicht mehr weg und werden quasi zu Volksliedern.
Das ist vielleicht in der ersten oder zweiten Session nicht unbedingt der Superknaller. Aber was das hinten raus macht, ist wertvoller als jeder One-Hit-Wonder. Es gibt Nummern, die knallen total rein, die haben aber auch eine geringere Halbwertszeit. Die sind irgendwann auserzählt.
FC-Podcast Dreierkette Köln
Die ganze Folge des Podcasts Dreierkette Köln könnt ihr hier hören:



