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Stüssgen in Köln

Warum die legendären Stüssgen-Läden aus Köln verschwunden sind

Es war eine Kölner Traditionsmarke. Noch heute gibt es viele Kölnerinnen und Kölner, die hier ihre Ausbildung gemacht haben. Und nach dem Krieg war es gleichzeitig der Erfinder des Supermarkts, wie wir ihn heute kennen: Die Supermarktkette Stüssgen gab es früher an jeder Ecke in Köln. Seit über 15 Jahren ist sie komplett aus dem Stadtbild verschwunden.

Stüssgen geht auf den Kaufmann Cornelius Stüssgen zurück. Die Wurzeln der Firma liegen in Köln-Ehrenfeld: Sein erster Supermarkt hieß „Kölner Konsum-Anstalt“ und stand auf der Venloer Straße 466. (Foto: Superbass / CC BY-SA 3.0)

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Stüssgen und die Supermarkt-Revolution

Schon vor dem 2. Weltkrieg hatte Stüssgen eine stattliche Supermarktkette mit über 140 Läden im Raum Köln. Nach dem Krieg führte Stüssgen die Selbstbedienungsläden („Tempo Laden“) ein und revolutionierte so die Supermärkte in Deutschland. Was uns heute selbstverständlich erscheint, war damals Handarbeit: Zuvor wurden die Lebensmittel immer von Verkäufern im Laden verpackt, aufgeschrieben und ausgegeben. Von nun an konnte jeder einfach einkaufen gehen.

Stüssgen führte auch die Eigenmarken ein. Diese trugen den Namen Cornelia – angelehnt an seinen Vornamen. Bereits vor dem Krieg hatte er in der Unternehmenszentrale große Packanlagen bauen lassen, mit denen sich Lebensmittel ab- und verpacken ließen.

Stüssgen war nach dem Krieg mehrere Jahrzehnte komplett selbständig mit zahlreichen Supermarkt-Filialen. Doch der Druck der Mitbewerber wurde zunehmend größer. Im Jahr 1984 übernahm REWE einige Filialen, im Jahr 1989 übernahm REWE alle Filialen. In den folgenden Jahren wurde die Marke noch einmal neu gestaltet. Fortan stand „der Frische“ unter dem Logo.

Doch die Marke sollte danach nur noch rund 15 Jahre eigenständig bleiben. Zum September 2006 beschloss REWE, dass die Marke Stüssgen im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung verschwinden würde. Die letzten Filialen schlossen im Herbst 2006 für immer ihre Pforten.

Kölner Weinkeller von Stüssgen

Ebenfalls auf Cornelius Stüssgen zurück geht übrigens der Kölner Weinkeller: Er liegt an der Stolberger Straße in Braunsfeld, wo früher auch die Firmenzentrale stand, und wurde 1937 gebaut. In dem Keller lagerte und füllte er die Weine für die hauseigenen Marken ab und konnte so seine Filialen befüllen. Um in den Keller zu gelangen, muss man 51 Stufen 13 Meter in die Tiefe steigen. Durch die besondere Bauweise hat der Keller perfekte Bedingungen für die Lagerung von Wein. Auch wenn es extrem heiß im Sommer ist, bleibt die Temperatur im Keller konstant bei 18 Grad.

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Der Keller hat imposante Ausmaße, ist 95 Meter lang und 25 Meter breit und zählt auch heute noch zu den historisch größten Weinkellern Deutschlands. Heute ist hier eine Weinhandlung mit dem Namen „Kölner Weinkeller“ (gehört auch zu REWE) hier ansäßig, das besonders hochwertige Weine vertreibt.

Cornelius Stüssgen liegt auf dem Melatenfriedhof begraben.

Erinnerungen an Stüssgen in Köln

In meiner Facebook-Gruppe zur kölschen Sprache haben sich viele Kölnerinnen und Kölner an die Supermärkte in Köln erinnert. Hier sind einige Auszüge:

  • „Dort holten wir in der Feinkostabteilung immer den leckeren Kartoffelsalat, nahmen ihn mit, aßen ihn dann Zuhause! Tolles Geschäft!“ Lucia
  • „Stüssgen war damals als bester Ausbilder im Einzelhandel bekannt. Hast du dort gelernt, hat dich jeder mit Kusshand genommen. Dort habe ich damals Blindtippen gelernt.“ Birgit
  • „Wenn wir dort einkauften, war ich stolz wie Oskar, weil auf den Einkaufstaschen mein Name „ Cornelia“ stand.“ Cornelia
  • „Wenn ich sage, ich gehe zum Stüssgen, wissen meine Freunde und Nachbarn im Veedel alle, wo ich hingehe.“ Beate
  • „Eine Flasche Cola in 1- und 2-Pfennigstücken bezahlt. Reaktion: “Hatt ihr et Sparschwein jeschlachtet?“ Der Stüssgen am Hermeskeiler Platz hatte doch so ein Leergut-Karusell -nicht zur Selbstbedienung, damals kam extra Personal- wo die Flaschen in Vertiefungen gestellt wurden und dann fielen sie der Reihe nach nach unten in ein Transportsystem -ohne kaputt zu gehen. Weltraumtechnik der 70er.“ Heiner
  • „Anfang der 80er hab ich als Schülerin im Stüssgen auf der Luxemburger Str. als Aushilfe gearbeitet. Angefangen mit einem Stundenlohn von 5,- DM…. ich fand das damals toll. Und oft war Hans Süper zum Einkaufen da.“ Claudia

Kaffeedosen von Stüssgen

Bei Stüssgen gab es damals Kaffeesdosen mit vielen kölschen Motiven. Das ging von kölschen Sprüchen, bis hin zu Karnevalsgesellschaften aber auch bekannten Kölner Persönlichkeiten, wie Willi Millowitsch. Hier seht ihr eine Auswahl, wie die Kaffeedosen von Stüssgen damals aussahen:

Foto: Christine Luther
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