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Stavenhof Köln

In dieser Kölner Straße lagen Bordelle direkt neben Wohnhäusern

Wer heute durch den Stavenhof am Kölner Eigelstein spaziert, sieht eine schmale Gasse mit Wohnhäusern, restaurierten Fassaden und einer traditionsreichen Kneipe. Kaum etwas erinnert auf den ersten Blick daran, dass diese Straße einmal zu den bekanntesten Rotlichtvierteln Kölns gehörte. Hier arbeiteten Prostituierte, während nur wenige Meter entfernt Familien wohnten und Kinder auf der Straße spielten.

Der Stavenhof, im Kölschen auch „Stüverhoff“ genannt, war über Jahrzehnte eine der drei großen Bordellstraßen der Stadt. Erst 1972 wurden die Bordelle geschlossen. Die Geschichte der kleinen Gasse erzählt von einem ungewöhnlichen Nebeneinander, vom Kölner Rotlichtmilieu und von einem Pfarrer, der sich gegen den Bau eines Großbordells wehrte.

Als Kinder zwischen Prostituierten spielten

Der Stavenhof liegt zwischen dem Eigelstein und dem Gereonswall. Die enge Gasse war lange ein Zentrum der Prostitution in Köln. Neben der Nächelsgasse in der Südstadt gehörte auch die Kleine Brinkgasse im Friesenviertel zu den früheren Zentren der Prostitution in Köln.

Dabei gab es eine Besonderheit: Im Stavenhof lebten auch ganz normale Familien. Die Frauen, die dort als Prostituierte arbeiteten, standen teilweise unmittelbar neben spielenden Kindern.

Eine ehemalige Prostituierte erinnerte sich später daran, dass in der Straße viele Privatleute gewohnt hätten. Die Kinder hätten draußen gespielt, während die Frauen daneben auf Kundschaft warteten. Das Zusammenleben sei damals für sie selbstverständlich gewesen.

Auch eine ungewöhnliche Regel gab es: Bis 1964 mussten Prostituierte mindestens 30 Jahre alt sein, um im Stavenhof arbeiten zu dürfen.

Schülerinnen sollten die Gasse meiden

Wie berüchtigt der Stavenhof war, zeigt eine weitere Geschichte aus dem Viertel.

Den Schülerinnen der nahe gelegenen Ursulinenschule war es früher untersagt, auf ihrem Schulweg über den Eigelstein zu gehen. Erst recht sollten sie keinen Blick in den Stavenhof werfen.

Denn dort gehörten die Bordelle und das Rotlichtmilieu zum Straßenbild. Die Gasse war damit nicht nur ein Ort der Prostitution, sondern auch ein Teil des Kölner Milieus, in dem Zuhälter, Geldeintreiber und kriminelle Gruppen Einfluss ausübten.

Die Geschichte dieser Zeit wird heute gelegentlich als kölsche Miljö-Folklore erzählt. Tatsächlich gehörten aber auch Gewalt, Abhängigkeiten und Ausbeutung zu dieser Welt.

Ein Pfarrer kämpfte gegen ein Großbordell

1964 sorgten Pläne für ein großes Bordell am Stavenhof für erheblichen Widerstand.

Die Idee war, die Prostitution an einem zentralen Ort zu konzentrieren und besser kontrollieren zu können. Doch im Eigelsteinviertel regte sich Protest.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Paul Fetten, der damalige Pfarrer von St. Ursula. Er stellte sich gegen die Pläne und griff zu einer ungewöhnlichen Drohung: Sollte das Großbordell gebaut werden, wollte er verlangen, dass die heilige Ursula nicht länger Stadtpatronin Kölns sein sollte.

Der Widerstand hatte Erfolg. Das geplante Großbordell am Stavenhof wurde nicht gebaut. Die Kirche St. Ursula ist bis heute für ihre außergewöhnliche Goldene Kammer bekannt, deren Wände mit menschlichen Gebeinen geschmückt sind.

1972 wurden die Bordelle geschlossen

Das Ende der offiziellen Bordellstraße kam 1972. Die Stadt Köln schloss die Bordelle am Eigelstein und damit auch im Stavenhof.

Im selben Jahr wurde an der Hornstraße in Neuehrenfeld das sogenannte Eros-Center eröffnet, das später unter dem Namen Pascha bekannt wurde. Die Prostitution sollte damit aus den bisherigen Innenstadtgassen verlagert und stärker konzentriert werden. Die Geschichte des Pascha und seiner Entstehung ist eng mit der Verlagerung der Prostitution aus den Kölner Innenstadtgassen verbunden.

Vollständig verschwand sie allerdings nicht aus dem Eigelsteinviertel. Auch nach der Schließung der Bordelle gab es dort weiterhin Prostitution. Für den Stavenhof begann dennoch ein tiefgreifender Wandel.

Was heute vom alten Stavenhof geblieben ist

In den 1990er-Jahren wurden die historischen Häuser der Gasse umfassend saniert. Aus ehemaligen Gebäuden des Rotlichtmilieus wurden Wohnungen und Büroräume.

Heute ist der Stavenhof eine kleine Wohn- und Kneipenstraße. Zu den bekannten Adressen gehört das „Anno Pief“, das 1981 eröffnet wurde.

Auch der Straßenname selbst hat eine Geschichte: Er erinnert an die Kölner Patrizier- und Bürgermeisterfamilie Stabe und ist damit deutlich älter als die Rotlichtvergangenheit.

Wer heute durch den Stavenhof läuft, kann sich nur schwer vorstellen, was sich hier noch vor gut 50 Jahren abspielte. Die schmale Gasse ist geblieben. Ihre Rolle im Kölner Stadtleben hat sich grundlegend verändert.

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