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Rheinboulevard in Köln

Stadtklima: 6 Maßnahmen, um Kölner Wärme-Inseln abzukühlen

Das Bild zeigt den Rheinboulevard an einem der Hitzetage im Juli 2022. Es ist 14:45 Uhr. Die Betonstufen sind verlassen. Kein Wunder: Um diese Zeit ist es hier glühend heiß. Deutlich wärmer als die eigentlich Außentemperatur von über 30 Grad. Es gibt kein Schatten, nur Beton, der sich aufheizt. So gesehen ist die Betonwüste (Kosten damals: fast 30 Mio.) ein Beispiel, wie Stadträume an besonders heißen Tagen praktisch unbegehbar werden.

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Über 35 Grad am Tag, kaum Abkühlung in der Nacht. Das war sonst das Ausnahmeszenario für Köln. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass dies in Zukunft deutlich häufiger auftritt. Einzelne Tage im Juli 2022 haben uns eine Ahnung davon gegeben, welche Herausforderungen große Hitze für die Menschen in einer Stadt wie Köln bedeutet.

Vor über zehn Jahren haben Autoren im Abschlussbericht „Klimagerechte Metropole“ Köln des Landesumweltamtes NRW vorausgesagt, was nun eintritt: „Die Modellrechnungen zeigen, dass die Zahl der Sommertage bis Mitte das Jahrhunderts für das Stadtgebiet Köln, im Vergleich zu den derzeitigen klimatischen Verhältnissen, um 30 bis 70 Prozent, für die heißen Tage um 60 bis 150 Prozent zunehmen“, heißt es unter anderem in dem Bericht (S. 79).

Doch es ist ein Unterschied, ob ich bei 35 Grad in einer Stadt bin oder nicht. Es gibt viele natürliche Faktoren in Sachen Bebauung, wie man das Stadtklima verblüffend stark beeinflussen kann – und die künftig eine große Bedeutung bekommen.

Wie Wärmeinseln in Köln entstehen

Offensichtlich ist: Die Versiegelung von Flächen heizt die Stadt auf. Das führt tagsüber zu hohen Temperaturen, ist vor allem aber nachts ein Faktor: Dann nämlich strahlt der Beton die Hitze ab. In sehr dicht bebauten Lagen ohne Grünflächen führt das dazu, dass sich die Stadträume nicht mehr abkühlen können.

Auch nachts bleibt es dann viel heißer. So genannte „städtische Wärmeinseln“ entstehen, was in Köln in zahlreichen eng bebauten Lagen der Fall ist. In Köln sind laut Landesumweltamt über 600.000 Menschen von besonderen Hitzebelastungen betroffen.


Klima Köln: Zehn Grad Temperaturunterschied

Als Beispiel: In dem Bericht stellten die Autorinnen Temperaturunterschiede von bis zu 10 Grad in Köln fest. Damals wurden unter anderem die Temperaturen in Köln-Dellbrück etwas außerhalb und am Agrippabad mitten in der Stadt verglichen (S. 55).

Einen Temperaturunterschied von bis zu zehn Grad sehen die Autoren der Studie als „maximale Wärmeinselintensität“ für eine Stadt wie Köln. Heißt: In einigen Lagen der Stadt kann es in heißen Sommernächten bis zu 10 Grad wärmer sein, als am Rand oder im Umland, wo es sich runterkühlt.

Mehr Wärmebelastung trotz gleicher Temperaturen

Bei ihren Messungen stellten die Autoren fest, dass sich die Zahl der „Sommertage“ in der Innenstadt und am Rand der Stadt kaum voneinander unterschieden. Die Tage mit starker Wärmebelastung sind in der Innenstadt, bei gleicher Temperatur, jedoch deutlich höher. Das ist relativ logisch, wie es die Autoren hier auch erklären:

„Bei windschwachen, sommerlichen Wetterlagen ist auf Grund der hohen Rauigkeit in der Innenstadt (mehrstöckige Gebäude) der Luftaustausch stark reduziert und die Bodenbeschaffenheit (große Asphaltflächen) trägt dazu bei, dass die Hitze gespeichert wird. Dies führt dazu, dass die Gefühlte Temperatur – bei gleicher Lufttemperatur – in der Innenstadt deutlich höher ist, als in den Außenbereichen, und somit eine höhere Wärmebelastung verursacht.“ (Studie S. 60)

Künftige Bebauung in der Stadt hat einen großen Effekt auf die Zahl der Hitzetage. Es ist interessant zu sehen, welche klimatischen Effekte man mit einigen Dingen erzielen kann.

6 Empfehlungen für mehr Abkühlung in Köln

Die Autoren des Berichts haben anhand mehrere Kölner Bauprojekte gezeigt, wie man die Temperatur im städtischen Raum senken kann. Ein Untersuchungsgebiet war der Großmarkt in Raderberg. Empfehlungen hier waren unter anderem (Studie S. 105):

  • Neue Straßenzüge nach vorherrschender nächtlicher Windrichtung auszurichten, um die Durchlüftung zu gewährleisten
  • Innenhöfe öffnen für eine bessere Durchlüftung
  • Gebäudeabstände vergrößern, ebenfalls um die Durchlüftung zu verbessern
  • sehr hohe Gebäude verschlechtern zu Durchlüftung
  • für versiegelte Flächen sollten helle Materialien benutzt werden
  • Eine Fassadenbegrünung oder Bäume an der Süd- und westseite der Gebäude, sowie eine Dachbegrünung verhindert eine Aufheizung der Gebäude

Das sind alles Punkte, die man zum Teil auch auf andere Bauten anwenden kann. Man darf gespannt sein, inwiefern solche Punkte künftig in die Planungen von großen Neubau-Anlagen mit einfließen. Die Bedingungen zeigen jedenfalls, dass es eine hohe Bedeutung hat.

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