Die Trankgasse in der Kölner Innenstadt wird derzeit ihrem Namen gerecht. Denn aufgrund der Baustelle am Domsockel hat sie die Fahrbahnbreite tatsächlich auf die Größe einer Gasse reduziert. Um die Straße zwischen Dom und Hauptbahnhof hat sich zuletzt ein Streit entzündet und nicht zuletzt geht es um die Frage: Wem gehört die Stadt an einem der zentralen Kölner Punkte?
In dem Konflikt gibt es viele Seiten mit berechtigen Anliegen. Wer in einem Parkhaus parkt, möchte irgendwann auch wieder herauskommen können. Das Excelsior Hotel möchte erreichbar sein. Die neuralgische Umgebung zwischen Dom und Hauptbahnhof ist eigentlich nicht geeignet für eine Durchfahrtsstraße. Ein Ende des Konflikts ist derzeit nicht in Sicht.
Fest steht aktuell nur: Die Trankgasse in der Kölner Innenstadt soll vorerst nicht wieder vollständig für den Autoverkehr geöffnet werden. Der Hauptausschuss hat einen entsprechenden Antrag von CDU und FDP/KSG in seiner Sitzung am Montag (10. August) abgelehnt.
Die beiden Fraktionen hatten gefordert, die Trankgasse zwischen Johannisstraße und Marzellenstraße „vollständig und unverzüglich“ in Richtung Westen für den motorisierten Individualverkehr freizugeben. Auf diese Weise sollte wieder eine direkte Verbindung von der nördlichen Altstadt zur Nord-Süd-Fahrt entstehen.
Außerdem sollte die Stadt nach dem Willen der Antragsteller die derzeit gesperrte Tunnelausfahrt zwischen den Bahngleisen und dem Museum Ludwig in Richtung Norden kurzfristig wieder nutzbar machen. CDU und FDP/KSG schlugen dafür eine Vorrichtung wie eine Verschalung vor.
Tunnelausfahrt seit März gesperrt
Die Ausfahrt aus dem Tunnel ist seit März 2026 wegen Schäden am Gewölbe aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres gesperrt. Dadurch können Autofahrer aus der Altstadt sowie aus den dortigen Parkhäusern nicht mehr auf direktem Weg in Richtung Konrad-Adenauer-Ufer fahren. Betroffen ist unter anderem auch die Zufahrtssituation rund um die Kölner Philharmonie.
Unabhängig davon ist die Trankgasse aufgrund eines früheren politischen Beschlusses für den Autoverkehr gesperrt. Während der Arbeiten zur Neuordnung des Domumfeldes wurde dort im Rahmen eines Verkehrsversuchs eine Fahrradstraße eingerichtet.
CDU und FDP/KSG argumentierten, die Verkehrssituation in diesem Bereich habe sich durch die beiden Sperrungen deutlich verschärft. Auch eine neu eingerichtete Linksabbiegerspur von der Trankgasse in Richtung Süden und Osten habe nach Einschätzung der Fraktionen keine Entlastung gebracht.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Statt den Verkehr schneller aus der Altstadt herauszuführen, werde durch eine zusätzliche Abbiegespur von der Rheinuferstraße weiterer Verkehr in den betroffenen Bereich geleitet, hieß es in der Begründung des Antrags. Eine Mehrheit im Hauptausschuss folgte dieser Argumentation jedoch nicht.
Dombaumeister Peter Füssenich hatte sich im Kölner Stadtanzeiger gegen eine Öffnung der Trankgasse für den PKW-Verkehr ausgesprochen: „Die Trankgasse ist keine gewöhnliche Straße. Sie ist Teil des Zugangs zum Kölner Dom, einer Welterbestätte von internationalem Rang. Wer ihre wichtigste Funktion darin sieht, den Verkehr schneller aus der Innenstadt zu führen, reduziert einen der bedeutendsten Stadträume Kölns auf eine Durchfahrtsstraße“, argumentierte er in einem Gastbeitrag.
Bis 2027 ist die Trankgasse noch eine Baustelle, weil die Wand zum Dom, der so genannte Domsockel, neu gemacht wird.



