Zehn Minuten lang ging es mit dem Zug durch dunkle Stollen, an einem mexikanischen Dorf und brennenden Häusern vorbei. Überall bewegten sich Figuren, Glocken läuteten, Kanonen feuerten und Banditen überfielen eine ganze Ortschaft. Wer die Silbermine im Phantasialand erlebt hat, kann sich häufig noch Jahrzehnte später an einzelne Szenen erinnern.
Von 1984 bis Anfang 2014 gehörte die Themenfahrt zu den bekanntesten Attraktionen des Freizeitparks in Brühl. Längst ist die Silbermine verschwunden. Doch die Erinnerungen an sie sind bis heute lebendig. (Foto: wrayckage, CC BY 2.0)
Eine Reise in eine andere Welt
Die Silbermine nahm die Besucher mit auf eine ausführlich erzählte Reise: In kleinen Minenzügen ging es zunächst in einen dunklen Bergwerksstollen. Dort erlebten die Fahrgäste einen vermeintlichen Einsturz, bevor sich die Szenerie öffnete und der Zug in die Welt eines mexikanischen Dorfes eintauchte. In einer Schankwirtschaft wurde gefeiert, ein Bullenreiter kämpfte darum, sich im Sattel zu halten – doch die friedliche Stimmung hielt nicht lange an.
Banditen überfielen das Dorf, Häuser gerieten scheinbar in Brand und die Feuerwehr versuchte, die Flammen zu löschen. In einer Kapelle läutete ein Glöckner die Feuerglocke. Gesetzeshüter wurden eingesperrt und schließlich erreichte der Zug die größte Szene der Fahrt: den Angriff auf ein mexikanisches Fort.
Dort kamen Kanonen, Gewehre, Leitern, Katapulte und Dynamit zum Einsatz. Licht-, Geräusch- und Raucheffekte ließen die Schlacht lebendig wirken. Zeitweise wurde sogar mit einem Geruchsstoff gearbeitet, der an Schießpulver erinnern sollte.
Zehn Minuten zwischen Bergwerk und Fort
Die Silbermine eröffnete 1984 und galt damals als besonders aufwendige Themenfahrt. Ihre Strecke war rund 307 Meter lang, eine Fahrt dauerte ungefähr zehn Minuten. Etwa 120 bewegliche Figuren bevölkerten die verschiedenen Szenen. Das Fahrsystem stammte vom bekannten Hersteller Schwarzkopf, für die Ausstattung war das Unternehmen Hofmann verantwortlich.
Die Züge bestanden aus einer kleinen Lokomotive und mehreren Wagen. Da es sich um ein Endlossystem handelte, kamen die Fahrzeuge in der Station nicht vollständig zum Stillstand. Eine große Drehscheibe bewegte sich passend zu den vorbeifahrenden Zügen, sodass die Besucher während der langsamen Fahrt ein- und aussteigen konnten.
Bis zu 3.700 Menschen sollten die Silbermine auf diese Weise pro Stunde erleben können. Gerade deshalb war sie über viele Jahre auch an gut besuchten Tagen eine Attraktion, die Familien gemeinsam fahren konnten.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Die Silbermine war schon lange vor ihrer Eröffnung geplant
Die Geschichte der Silbermine begann mehrere Jahre vor ihrer Eröffnung. Bereits 1978 wurde ein Fundament für die geplante Attraktion angelegt. Ursprünglich trug das Projekt offenbar den Namen „Goldmine“. Zunächst konzentrierte sich das Phantasialand jedoch auf den Bau von China Town.
1981 stand die äußere Gestaltung fest, im März 1982 wurde der Bauantrag gestellt. Noch im selben Jahr begannen die Arbeiten an der großen Halle, bevor 1983 der aufwendige Innenausbau folgte. Ein Jahr später konnten die ersten Besucher mit den Minenzügen durch die künstliche Bergwelt fahren.
Die Attraktion war Teil der Westernstadt Silver City. Das große künstliche Bergmassiv und die mexikanisch angehauchten Kulissen prägten über Jahrzehnte diesen Bereich des Phantasialands.
Warum blieb die Fahrt so stark im Gedächtnis?
Viele ehemalige Besucher verbinden die Silbermine unmittelbar mit ihrer Kindheit. Das lag nicht an einem einzelnen spektakulären Moment, sondern an der besonderen Mischung der Attraktion.
Die Fahrt war lang genug, um tatsächlich eine Geschichte zu erzählen. Hinter jeder Kurve wartete eine neue Szene. Figuren bewegten sich, Häuser brannten, Kanonen qualmten und aus allen Richtungen kamen Geräusche. Für Kinder konnte die Reise gleichzeitig aufregend, ein wenig unheimlich und faszinierend sein.
Hinzu kam, dass nahezu die ganze Familie gemeinsam einsteigen konnte. Die Silbermine war weder eine reine Kinderattraktion noch eine rasante Achterbahn für besonders Mutige. Großeltern, Eltern und Kinder erlebten dieselbe Fahrt – und entwickelten häufig ein festes Ritual daraus.
Bei vielen Phantasialand-Besuchen durfte die Silbermine deshalb nicht fehlen. Gerade diese wiederholten gemeinsamen Erlebnisse dürften ein Grund dafür sein, warum ihr Verschwinden so viele Menschen berührte.
Am Ende wirkte die Silbermine aus der Zeit gefallen
In ihren letzten Jahren konnte die Themenfahrt allerdings nicht mehr vollständig mit den immer aufwendiger werdenden Neuheiten des Parks mithalten. Die Technik und Teile der Gestaltung waren sichtbar gealtert. Nach dem Großbrand im Phantasialand im Jahr 2001 mussten außerdem Änderungen für den Brandschutz vorgenommen werden. Zusätzliche Notausgangsschilder und entfernte Dekorationen beeinträchtigten nach Ansicht mancher Fans die ursprüngliche Atmosphäre.
Auch die Warteschlangen wurden kürzer. 2012 verlegte das Phantasialand den Eingang deshalb ungefähr in die Mitte des bisherigen Wartebereichs. Der Weg bis zum Einstieg verkürzte sich dadurch deutlich.
Trotzdem kam die endgültige Schließung für viele Besucher überraschend.
2014 war endgültig Schluss
Nach dem Ende der Wintersaison 2013/2014 begann der Abriss der Silbermine und der verbliebenen Westernstadt. Damit endete die Geschichte der Attraktion nach rund 30 Jahren.
Das Phantasialand benötigte die Fläche für eine grundlegende Neugestaltung. Wo zuvor Silver City und die Silbermine standen, entstand bis 2016 der Themenbereich Klugheim mit den Achterbahnen Taron und Raik. Die moderne Basaltlandschaft lässt heute kaum noch erkennen, wie der Bereich früher aussah.
Mit Taron bekam das Phantasialand eine der spektakulärsten Attraktionen seiner Geschichte. Dennoch konnte der Neubau die Erinnerung an die Silbermine nicht verdrängen. Für viele Besucher stehen die beiden Attraktionen für vollkommen unterschiedliche Zeiten des Parks.
Eine Attraktion, wie es sie heute kaum noch gibt
Aus heutiger Sicht wirkte die Silbermine stellenweise langsam, altmodisch und vielleicht sogar ein wenig kurios. Genau darin liegt jedoch ein Teil ihrer heutigen Anziehungskraft.
Die Silbermine ist verschwunden. Doch solange sich ehemalige Besucher an den Einsturz im Bergwerk, das brennende Dorf und den Angriff auf das Fort erinnern, fährt sie zumindest in ihren Köpfen weiter.
Die Silbermine ist nicht die einzige verschwundene Attraktion, an die sich ehemalige Besucher erinnern. Auch der Phantasialand-Jet, die Gondelbahn 1001 Nacht, die Hollywood Tour und die frühere Westernstadt werden bis heute vermisst. Hier findet ihr die Erinnerungen unserer Leser an die legendären Attraktionen des Phantasialands.
Welche Erinnerung habt ihr an die Silbermine? Und welche ehemalige Attraktion aus dem Phantasialand vermisst ihr am meisten?


