Ein Sondengänger findet eine römische Münze. Dann noch eine. Selbst nach 15 Funden schlägt sein Metalldetektor weiter an. Was auf einem Acker bei Wesseling zum Vorschein kam, ist laut dem Landschaftsverband Rheinland der größte bekannte Münzschatz aus der Zeit Kaiser Hadrians in Deutschland.
Insgesamt bargen Archäologen des LVR 934 römische Silbermünzen. Zusammen wiegen sie 3,1 Kilogramm. Entdeckt wurde der Schatz von Oliver Riedl bei einer genehmigten Suche. Als er merkte, dass weit mehr als ein paar einzelne Münzen im Boden lagen, verständigte er das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege. Dessen Fachleute übernahmen die Ausgrabung. (Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland)
Die jüngste Münze ist fast 1900 Jahre alt
Die jüngste Münze wurde 124 oder 125 nach Christus geprägt, während der Regierungszeit Kaiser Hadrians. Frühestens danach kann der Schatz vergraben worden sein. Die meisten Münzen sind allerdings älter und stammen aus der Zeit der flavischen Kaiser, die von 69 bis 96 nach Christus regierten.
Eine Münze fällt besonders auf: Sie wurde bereits 148 vor Christus geprägt. Als der Schatz im Boden verschwand, war sie mehr als 270 Jahre alt und trotzdem noch gültig. Laut LVR ist der Fund aus Wesseling der fünftgrößte bekannte Münzschatz dieser Zeit weltweit.
Wie viel Geld waren 934 Denare?
Was man sich damals mit dem Geld hätte kaufen können, lässt sich nicht einfach in heutige Euro umrechnen. Der LVR nennt deshalb den Sold eines römischen Legionärs als Vergleich: Er erhielt zu dieser Zeit 300 Denare im Jahr. Etwa die Hälfte davon wurde für Verpflegung und Ausrüstung einbehalten.
Ein Legionär hätte demnach rund sechs Jahre lang sein gesamtes übriges Geld sparen müssen, um auf die Summe des Wesselinger Schatzes zu kommen. Wem die Münzen gehörten, wissen die Forschenden nicht. Möglicherweise lebte die Person auf einem römischen Landgut in der Umgebung.
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Vermutlich wurden die Münzen gesammelt und später bewusst vergraben. Warum sie dort blieben, ist offen. Vielleicht starb der Besitzer oder die Besitzerin, bevor er oder sie den Schatz wieder bergen konnte. Das ist eine mögliche Erklärung, kein gesicherter Befund.
Bei der Untersuchung fanden die Fachleute neben den Münzen auch Scherben eines Keramiktopfes und Reste von Stroh. Sie vermuten, dass die Denare ursprünglich in einem mit Stroh ausgepolsterten Topf lagen. Durch die jahrzehntelange Bearbeitung des Ackers wurde das Gefäß zerstört und die Münzen im Boden verteilt.
Warum das Verhalten des Finders so wichtig war
Dass sich der Fund heute so genau untersuchen lässt, liegt auch an Oliver Riedl. Er meldete seine Entdeckung, als deutlich wurde, dass hier ein größerer Schatz im Boden lag. Die Archäologen konnten die Konzentration der Münzen daraufhin fachgerecht bergen. Ein Teil wurde mitsamt dem umgebenden Erdreich in die Restaurierungswerkstatt gebracht und vor der Freilegung geröntgt.
Der Schatz gehört nach dem nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetz nun dem Land. Weil Riedl sich an die Regeln hielt, soll er eine Belohnung erhalten. Der Münzschatz wird erstmals im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt.
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Quelle: LVR



