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Reiterstandbild

Wer sitzt eigentlich auf dem Reiterstandbild am Heumarkt?

Jeder von uns kennt das große Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt. Zum Weihnachtsmarkt führt die Eislaufbahn um das Denkmal herum. Ansonsten ist das Reiterstandbild an der Südseite des großen Platzes eines der auffälligsten Denkmäler in der Stadt. Wenn man sich jedoch fragt, wer da eigentlich zu sehen ist, kommt man schnell ins Schlingern. Neben der Figur ist aber auch die Geschichte des Reiterstandbildes eine typisch kölsche Geschichte mit vielen Wendungen und Provisorien.

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Enthüllt wurde das Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt am 26. September 1878. Es war eine feierliche Zeremonie, bei der Kaiser Wilhelm I. (ab 1871 der erste deutsche Kaiser) das Standbild persönlich enthüllte. Zu sehen war auf dem Reiterstand einer seiner Vorgänger: König Friedrich Wilhelm III.. Er lebte von 1770 bis 1840 und war der erste von fünf preußischen Monarchen, die Köln unter preußischer Herrschaft erlebt hat.

Reiterstandbild Heumarkt: Über 20 Jahre Planung

Zur Erinnerung: Ab dem Jahr 1815 fiel Köln an die Preußen. Zuvor war Köln knapp 20 Jahre lang von den Franzosen und Napoleon besetzt. Friedrich Wilhelm III. war der erste preußische König, den die Kölner nach den Franzosen erlebten.

Von der Planung bis zur Fertigstellung des Denkmal vergingen jedoch über 20 Jahre. Hintergrund: Der damalige Kölner Oberbürgermeister wollte zur 50-jährigen Befreiung von den Franzosen ein „Kolossaldenkmal“ für die Preußen errichten lassen und Spenden für das Denkmal einsammeln.

Die Aufstellung eines solchen Denkmals galt damals auch immer als Zeichen der Anerkennung. Doch häufig steckte viel mehr dahinter: Man umschmeichelte die Herrscher damit und suchte natürlich auch den eigenen Vorteil, etwa bei Geschäften mit dem Staat.

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Dazu kam: Die Begeisterung für die protestantischen Preußen hielt sich im katholischen Köln aber sehr in Grenzen.

Zwar befürworteten die preußischen Könige auch die Vollendung des Kölner Doms, der ebenfalls in diese Zeit fiel. Das geschah aber weniger aus kirchlichem Kalkül, sondern vielmehr aus politischen Gründen: Der Dom wurde damals als ein Symbol für die nationale Einheit angesehen.

Die wechselvolle Geschichte des Reiterstandbilds

Zurück zum Reiterstandbild: Wer heute vor dem Denkmal steht, der sieht auch die lebensgroßen Figuren am Sockel. Das sind allesamt Personen, die in dieser Zeit „einen wesentlichen Beitrag zur industriellen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung geleistet haben“, wie es auf der Info-Tafel zum Denkmal heißt (die gesamte Liste unter dem Artikel).

Mit der Enthüllung begann die wechselvolle Geschichte des Reiterdenkmals:

Am 29. Juni 1943 stürzte das Denkmal durch eine Druckwelle einer Bombe vom Sockel. Weil man in der Nachkriegszeit in den 1950er-Jahren sehr pragmatisch dachte, wurde der Sockel nach dem Krieg ganz abgetragen: Hier sollte eine Straße entlangführen. Das Päd war fortan über 40 Jahre verschwunden.

Figuren im Stadtgebiet verteilt

Die Reiterfigur wurde bis auf Kopf und Hintern sogar eingeschmolzen. Der Erlös damals: 6.237 DM. Mit diesem Geld wurden die lebensgroßen Sockelfiguren in der Stadt verteilt und aufgestellt. Der Kopf und das Hinterteil des Pferdes wurden ab 1983 an der Rampe zur Deutzer Brücke aufgestellt.

Die Figur war in den 1980er-Jahren also im ganzen Stadtgebiet verteilt. Die damalige Kölner Stadtkonservatorin Hiltrud Kier bezeichnete das als „Denkmal-Fledderei“. So wurde in den 1980er-Jahren per Ratsbeschluss zunächst der Sockel wieder aufgebaut und die Figuren im Stadtgebiet wieder eingesammelt. Am 29. September 1990 konnte schließlich auch ein neu geschaffener Reiter seinen Platz auf dem Sockel einnehmen. In das Bild wurde der Kopf des alten Reiterstandbildes mit eingearbeitet.

Doch damit ist die Geschichte des Reiterdenkmals noch nicht zuende: Nur knapp 10 Jahre später stellt man fest, dass die Statik der gesamten Figur bedenklich sei. Bei einer Unwetterwarnung 2007 wurde das Pferd schließlich abgebaut und stand fortan im Godorfer Hafen.

Schließlich gelang es einer Interessensgemeinschaft (IG Päd) die notwendigen Spenden einzusammeln und das Standbild zu restaurieren. Seit 2009 steht es wieder auf seinem Platz am Heumarkt. Das Reiterstandbild steht unter Denkmalschutz (Baudenkmal Nr. 60).

Mal sehen, was in Zukunft passiert…

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