Wie viel Bohei darf man um die Eröffnung der Oper machen? Und wie viel Geld darf man dafür zusätzlich ausgeben? Wenn im September die Oper in Köln wieder eröffnet, wird die Stadt 1,465 Milliarden Euro für Baukosten, Interimsspielstätten und die Finanzierung ausgegeben haben. Ursprünglich geplant waren mal rund 300 Millionen.
Für die Eröffnung ist ein Festival geplant, das 1,4 Mio. Euro kosten soll. Zusätzlich gibt es ein Budget von 2,1 Mio. Euro für Marketingmaßnahmen.
Zur Einordnung: Der Haushalt der Stadt Köln beträgt pro Jahr rund 6,5 Millarden Euro. Das Defizit beträgt derzeit etwa 400 Millionen Euro.
Um die Marketingmaßnahmen gibt es in der Kölner Politik nun erste kritische Stimmen:
➡️ Die SPD-Ratsfraktion in Köln fordert eine deutliche Reduzierung der Marketingausgaben für die Wiedereröffnung der Bühnen am Offenbachplatz.
Eine groß angelegte Werbekampagne sei angesichts der angespannten Haushaltslage nicht angemessen. Stattdessen verlangt die Fraktion eine transparente Aufschlüsselung der Kosten, eine effizientere Nutzung städtischer Kommunikationskanäle.
Um die Eröffnung der Oper richtig in Szene zu setzen, hat die Stadt die Agentur Jung von Matt engagiert, eine der renommiertesten Agenturen in Deutschland. Seit einigen Wochen bereits wird über einen neuen Instagram-Kanal für die Oper getrommelt. Im März wurde ein so genannter Frustzaun an der Oper eingerichtet.
Kölner Portale wie rausgegangen oder koelnistkool posten auf ihren Social Media-Kanälen freundliche Werbeclips zur Oper.
Dazu kommen viele Plakate in der Stadt, die die Eröffnung halbironisch begleiten.
Ziel aller Maßnahmen: Die Stimmung zur Eröffnung soll gedreht werden. Nicht mehr das Milliarden-Desaster soll im Vordergrund stehen, sondern Vorfreude auf die Eröffnung.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:SPD fordert Aufschlüsselung der Ausgaben
Die SPD konkretisiert ihre Kritik dabei in mehreren Punkten. In einer Stellungnahme fordert die Fraktion, das Marketingbudget zur Wiedereröffnung „um einen sechsstelligen Betrag“ zu kürzen, also um mehr als 100.000 Euro.
Zugleich verlangt sie eine detaillierte Aufschlüsselung der geplanten Ausgaben. Bislang fehle eine nachvollziehbare Darstellung, wofür die Mittel im Einzelnen eingesetzt werden sollen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die grundsätzliche Strategie der Stadt. Aus Sicht der SPD sollten stärker die eigenen Kommunikationskanäle genutzt werden, statt externe Kampagnen in großem Umfang einzukaufen.
Die Fraktion spricht sich dafür aus, auf „Effizienz statt Hochglanz“ zu setzen und fordert: „Keine Blankoschecks für teure Werbung! Kulturförderung muss fair verteilt sein.“
Darüber hinaus fordert die SPD, frei werdende Mittel gezielt umzulenken. Denn das Steuergeld, das für die Plakatierung in der Stadt oder Werbung auf weiteren Social-Media-Seiten ausgegeben wird, fehle laut SPD der freie Kulturszene sowie dem Kinder- und Jugendtheater in Köln.



