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Drogen und Obdachlosigkeit: Elend in Kölner City erreicht neue Dimension

Wer dieser Tage einen Rundgang in der Kölner Altstadt und der City macht, dem fällt es auf: An vielen Ecken in der Stadt haben Obdachlose ihre Lage aufgeschlagen. Es sind längst keine Menschen mehr, die abends kommen und morgens wieder verschwunden sind. Sie sind in der Stadt auch tagsüber präsent: Sie liegen mit ihrem Hab und Gut mitten auf dem Alter Markt, haben ihre Quartiere in Hauseingängen aufgebaut. Kurz: An vielen Orten in der Stadt ist Verwahrlosung zur Normalität geworden.

Wer durch das Hahnentor am Rudolfplatz geht, kommt an einem großen Kartonlager vorbei. Es ist ein provisorisches Haus. Schon immer gab es Obdachlose in Köln, doch selten hatte man in der Stadt den Eindruck, dass es so viele sind, wie derzeit. Im Sommer, so berichten es Anwohner, lagen die Obdachlosen mitten auf der Breite Straße nördlich des Neumarktes. Obdachlose, die nachts in der Tür des Westportals am Dom liegen – das ist längst traurige Realität.

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Obdachlose in Köln: Zahl verdoppelt

Tatsächlich steigt die Zahl der Obdachlosen in NRW und besonders in Köln seit Jahren an. Die Zahl für Köln hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Laut Statistik gab es in Köln 2020 über 7000 Obdachlose. 2010 waren es noch knapp über 3000. Das sind die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Als Gründe werden unter anderem die verschärfte Situation durch Corona sowie die Zahl der Asylbewerber genannt. Jeder zweite erfasste Obdachlose in NRW hat laut Wohnungslosenstatistik eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit.

Während das Land NRW und auch die Stadt Köln versuchen ihre Angebote und Erfolge hervorzuheben, sieht die Realität in Köln vor Ort in der Stadt anders aus: Die Verwahrlosung nimmt weiter zu.

Drogen am Neumarkt: Eine neue Dimension

Zuletzt wurden auch die Drogenprobleme rund um den Neumarkt in der Öffentlichkeit diskutiert. Tatsächlich aber geht es gar nicht nur um eine Szene rund um den Neumarkt, sondern längst ein Elend in einem ganzen Viertel. In Gesprächen berichten Anwohner und Geschäftsleute, dass es noch nie so schlimm war, wie derzeit. Vor einem Jahr nicht, vor drei Jahren nicht, vor fünf oder zehn Jahren auch nicht. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einige Junkies, die tagsüber und nachts direkt am Neumarkt sind.

Beschaffungskriminalität steigt: Anwohner berichten, wie sie es klappern hören im Treppenhaus. Dann versuchen Junkies die Diebstahlsicherung der geklauten Ware mit Steinen aufzubrechen. Dazu dringen sie in Treppenhäuser ein, steigen zum Teil auf Balkone. Hausgänge rund um den Neumarkt sind abends stets besetzt. Beschaffungskriminalität ist für Geschäftsleute vor Ort ein Problem, denn Junkies reagieren häufig aggressiv.

Ebenfalls Realität: Leute, die sich auf der Straße, etwa zwischen Autos, erleichtern (darunter auch ihr großes Geschäft machen). Anwohner beklagen rund um den Neumarkt den Gestank in den Straßen.

„The Walking Dead“ am Neumarkt

„The Walking Dead“ nennen es die Anwohner am Neumarkt, wenn Ihnen wieder einmal jemand im Drogenrausch entgegenkommt, der wie ein Zombie über den Bürgersteig läuft (in Anlehnung an die TV-Serie).

Wer das für eine Übertreibung hält: Man muss ich auch tagsüber nur ein paar Minuten am Neumarkt aufhalten, um genau das zu erleben. Das Elend ist kaum mit anzusehen: Mit glasigen Augen, aufgerissenen Schuhen, die Arme von sich gestreckt laufen Leute im Drogenrausch hier über den Bürgersteig.

In anderen Teilen der Stadt ist es ähnlich: In der Südstadt berichten Anwohner und Geschäftsleute zunehmend von Konflikten. Aggressives Betteln, aber auch Anwohner, die bedroht werden. Das gleiche Bild am Eigelstein: Auch hier gibt es viele Menschen, die tagsüber längst nicht mehr bei sich sind. Im Drogen oder Alkoholrausch auf der Straße dahinvegetieren.

Bürgervereine fordern: Stadt Köln muss mehr tun

Der Winter steht erst noch bevor. Zwar hat die Stadt Köln Angebote für Obdachlose. Doch längst werden diese nicht von allen genutzt. Letztes Jahr ist in Köln ein Obdachloser mitten in der Stadt erfroren. Im Juni dieses wurde ein alkoholisierter Obdachloser in Köln überfahren.

Mehrere Bürgervereine haben sich bereits im August an die Öffentlichkeit gewandt und die Stadt Köln aufgefordert, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Die bisherigen Angebote und Lösungsvorschläge würden längst nicht mehr ausreichen: „Es geht auch darum, dass sie hier auf der Straße ein Leben führen, das überhaupt kein Leben mehr ist – und jede Menschenwürde.

Wir fordern von der Stadt Köln einfach ein ganzheitliches Konzept, weil die Verwahrlosung hier in der Stadt an verschiedenen Stellen immer mehr zunimmt“, sagte Ruth Wennemar vom Bürgerverein Eigelstein damals im WDR. Wirkliche Hoffnung auf Besserung gibt es in der derzeitigen Situation allerdings nicht.

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Kommentare

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  • Ich arbeite in der Apostelnstrasse und fahre täglich mit der 7. Auf dem Weg von und zur Bahn werde ich oft 3 bis 4 mal um Geld oder Zigaretten angebettelt und teilweise beschimpft, wenn ich nicht reagiere. Schon morgens ist am Neumarkt oftmals eine aggressive Stimmung. Ich habe das Gefühl, da passiert seitens der Stadt überhaupt gar nichts. Das alles erlebe ich nicht erst seit gestern. Hoffnung, dass sich was ändert, habe ich nicht wirklich. Leid tun mir die Anwohner, ich würde mich dort nachts nicht alleine aufhalten. Köln verwahrlost irgendwie immer mehr. Sehr Traurig

  • Ich finde es Grausam das man für ein Statement seinen Namen angeben muss!
    Schlimm finde ich das Köln nicht in der Lage ist, diesen Leuten ein Quatier zu schaffen!
    Schuld sind nicht diese Leute, es sind die Menschen die diese Ursachen verschulden…..

    • Was bitte ist denn grausam an Deinem Namen, “Willem” oder “Küpper”?!?! oder stehst Du nicht zu Deinem Statement? (den vollständigen Namen mußt Du im übrigen nicht angeben).
      Schuldzuweisungen – weder an die Stadt Köln, noch an Obdachlose oder Suchtkranke – helfen da nicht weiter.

  • Was sagt unsere Frau Recker dazu? Geht sie überhaupt mal zu Fuß in die Stadt? Ist sie schon mal mit der KVB alleine, ohne Begleitung, auch Abends, ist sie dort mal reingefahren?
    Als erste Repräsentantin würde ihr das gut zu Gesicht stehen.
    Diese Frau würde ich regelrecht dazu verpflichten sich die Stadt, die sie angeblich regieren will, wirklich anzusehen.