Der Kölner Großmarkt ist Geschichte. Nach 85 Jahren Betrieb sind die Tore in der monumentalen Halle in Köln-Raderberg endgültig geschlossen. Die Halle ist leer, der Betrieb eingestellt. Jahrzehntelang war das Gelände im Süden der Stadt eine zentrale Drehscheibe für Obst, Gemüse, Fleisch, Blumen und internationale Waren.
Nun endet eine Institution, die für viele unsichtbar funktionierte – und für die Versorgung Kölns dennoch eine zentrale Rolle spielte. Die Schließung war lange absehbar. Der Großmarkt soll dem geplanten Stadtquartier Parkstadt Süd weichen. Auf dem Areal sollen in den kommenden Jahren tausende Wohnungen, Büros, Schulen und Grünflächen entstehen. (Fotos: Florian Wächter)
Mit dem Auszug der Händler, trotz ihrer langen Proteste dagegen, ist dafür nun Platz geschaffen worden. Was fehlt, ist jedoch ein funktionaler Ersatz für den Markt selbst.
Großmarkt-Halle weg – künftige Struktur zersplittert
Für die Großmarkthändler bedeutet das das Ende einer gemeinsamen Struktur. Über Jahre hinweg hatten Politik und Verwaltung einen nahtlosen Umzug auf ein neues Gelände in Aussicht gestellt. Dieses Versprechen ließ sich nicht einlösen. Mehrere Anläufe, einen neuen Standort zu finden und einen Betreiber zu gewinnen, scheiterten.
Statt eines neuen zentralen Standorts haben sich die Händler inzwischen aufgespalten. Einige ziehen gemeinsam nach Gremberghoven, andere nach Poll. Eine Gruppe hat im Rechtsrheinischen eine Halle angemietet und dort einen neuen Betrieb aufgebaut.
Doch selbst die Beteiligten machen deutlich: Ein vollwertiger Ersatz für den bisherigen Großmarkt ist das nicht. Das Sortiment ist kleiner, die Wege länger, die Struktur zersplittert.
Folgen für die Gastronomie
Besonders spürbar sind die Folgen für Wochenmarkthändler und die Gastronomie. Wer früher an einem Ort ein breites Angebot beziehen konnte, muss nun mehrere Standorte anfahren – quer durch die Stadt. Wer weiterhin alles aus einer Hand einkaufen möchte, weicht teils ins Ausland aus. Der nächstgelegene klassische Großmarkt liegt im niederländischen Venlo.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:
Ob Köln wieder einen eigenen Großmarkt bekommt, ist offen. Frühestens in den 2030er-Jahren könnte ein neues Frischezentrum entstehen. Ob das tatsächlich passiert? Das wagt niemand zu sagen.
Die Geschichte der Kölner Großmarkt-Halle
Der Ort selbst ist eng mit der Geschichte Kölns verbunden. Die Großmarkthalle entstand in den 1930er-Jahren als monumentaler Gewölbebau mit großer Spannweite und unterirdischen Kühlkellern. Später kamen Erweiterungen, Kühlhäuser und ein Bahnanschluss hinzu.
Über Jahrzehnte gehörte der Markt zu den größten in Deutschland. Gleichzeitig trägt das Gelände eine schwere historische Last: Es liegt auf einem ehemaligen jüdischen Friedhof, ein Umstand, der beim Bau in der NS-Zeit keine Rolle spielte.
Die zentrale Halle steht seit 1989 unter Denkmalschutz. Sie soll erhalten bleiben und im neuen Quartier Parkstadt Süd kulturell genutzt werden. Wie genau, ist offen. Sicher ist nur: Während der Großmarkt verschwunden ist, bleibt der Ort – als sichtbares Zeichen einer Epoche, die Köln über Jahrzehnte geprägt hat.



