Der Muezzin Ruf in Köln

Muezzinruf in Köln: Was wird eigentlich gerufen?

In Köln wird am Freitag, den 14. Oktober, erstmals öffentlich der Muezzinruf erklingen. An der Ditib Zentralmoschee wird der Ruf am Freitagmittag erstmals per Lautsprecher öffentlich hörbar sein. Die Stadt Köln und die Ditib haben dazu einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, der zunächst für zwei Jahre gilt.

Der Muezzinruf in Köln darf maximal fünf Minuten lang sein und bei einer Lautstärke von 60 Dezibel erfolgen. Die Ditib ist verpflichtet, die Anwohner per Flyer zu informieren. Die Lautstärke von 60 Dezibel gilt aufgrund der angrenzenden inneren Kanalstraße als kaum hörbar, sondern dürfte vor allem symbolischen Charakter haben. Die Lautsprecher dafür werden im Innenhof aufgestellt.

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Um den Ruf hatte es zahlreiche Diskussionen gegeben. Die Schlüsselfragen dabei sind: Spielt der Ruf dem politischen Islam in die Karten? Oder trägt er zur Vielfalt der Gesellschaft bei und bildet diese ab?

Was ruft der Muezzin in Köln eigentlich?

Hier ist die deutsche Übersetzung des Rufes („Adhān“ /Quelle):

  • Allah (Gott bzw. Gottheit) ist groß (größer als alles und mit nichts vergleichbar)
  • Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah
  • Ich bezeuge, dass Mohammed Allahs Gesandter ist
  • Eilt zum Gebet
  • Eilt zur Seligkeit (Heil/Erfolg)
  • Das Gebet ist besser als Schlaf
  • Allah ist groß (größer als alles und mit nichts vergleichbar)
  • Es gibt keine Gottheit außer Allah
  • Es gibt nichts außer Gott zum Anbeten

Muezzin-Ruf: Allahu akbar

Der Ruf beginnt mit „Allāhu akbar“ („Gott ist groß“) was in westlichen Ländern mit islamistischen Attentätern assoziiert ist, die diesen Ruf regelmäßig weltweit bei Anschlägen benutzt haben. Der Ruf wird davon ab hauptsächlich im Gebets-Kontext oder als Ausruf verwendet und gilt ein zentraler Ausdruck des Islams. Er gilt außerdem auch als Ausruf für Demut gegenüber anderen Menschen.

Muslime hatten in der Vergangenheit kritisiert, dass der Ausdruck von Attentätern missbraucht werde. Er ist unter anderem auf den Flaggen des Iraks, Afghanistans und des Irans abgedruckt.


Angesprochen auf die Zeile „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah“ sagte ein Vertreter der Gemeinde beim Tag der offenen Tür der Moschee laut Kölnischer Rundschau: „Wir meinen nicht, dass ein Bekenntnis Abgrenzung ist, auch das fällt unter die Religionsfreiheit.“

In Köln leben 120.000 Muslime

Die Stadt Köln begründet die Erlaubnis für den Muezzinruf mit dem Recht auf freie Religionsausübung. In Köln waren laut statistischem Jahrbuch der Stadt Köln 2020 350.000 Menschen katholisch und 153.000 Menschen evangelisch. In Köln leben laut Schätzungen rund 120.000 Muslime.

Kritik am Muezzin-Ruf in Köln

Der Berliner Islamismus-Experte Ahmad Mansour bezeichnete den Muezzin-Ruf als „Machtdemonstration des politischen Islam.“ Ist der Muezzin-Ruf das Äquivalent zum Kirchengeläut? Mansour sieht das anders: „Beim Glockengeläut geht es um Klang, beim Muezzinruf geht es um konkrete religiöse Botschaften.“

Die Politikerin Lale Akgün (SPD) bezeichnete den Muezzin-Ruf im Deutschlandfunk als „politischen Akt“ und betont vor allem die Symbolik, die in der Türkei ausgeschlachtet werden würde. „Warum schaffen wir einen Konfliktherd, wo wir gar keinen brauchen?“, würden sich in der türkischen Community die Leute laut Lale Akgün fragen.

Kölner Zentralmoschee

Die Kölner Zentralmoschee hat 1200 Plätze und ist das größte islamische Gotteshaus in Deutschland. Zahlreiche Kölner Lokalpolitiker hatten sich für den Bau eingesetzt. Die Moschee galt ein Stück Hoffnung auf Integration. Bei der Symbolträchtigen Eröffnung aber war niemand von ihnen anwesend, sondern ausschließlich der türkische Staatspräsident Erdogan. Ein Vorwurf an die Ditib ist, dass sie unter Staatspräsident Erdogan ein verlängerter Arm des türkischen Staates in Deutschland geworden ist.

Die Moschee als Gebäude steht allen Menschen offen. Durch große Glasfassaden ist sie auch von außen einsehbar. Zuletzt hatte es Anfang Oktober einen Tag der offenen Tür gegeben.

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3 Kommentare

  • Kurt Gassner

    Man sollte über alles Diskutieren können und offen sein für seine Umwelt. Was man nicht darf, die Augen aus falschem „Gutmenschen getue“ vor der Wirklichkeit verschließen.
    Nur ein geringen Prozentsatz der hier in Köln lebender Türken will sich Integrieren. Der Bau der Zentralmoschee und jetzt der Ruf zum Freitaggebet, der von Frau Reker ohne große zustimmung in der Bevölkerung durchgesetz wurde, ist und bleibt eine Machtdemonstration des politischen Islam.
    Man sollte doch gerade in der jetzigen Zeit verstanden haben was passieren kann wenn man Blind einen Autokraten nicht die Grenzen aufzeigt. Zu sehen am Problem Putin. Den nichts anderes ist Erdogan und die Ditib ist nichts anderes wie der verlängerte Arm von ihm.
    Eine solche Anerkennung hat Erdogan gerade in dieser Zeit, wo er versucht den Westen mit der nähe zu Putin zu erpressen, nicht verdient.
    Unser Christliches Glockengeläut ist nicht nur ein Klang, nein in vielen Bereichen auch eine Art Uhrzeit. Beim Muezzin Ruf geht es ganz klar um eine konkrete religiöse Botschaft. Die leider oft genug in der Vergangenheit bei vielen Bluttaten gebraucht wurde. Allein deswegen gehört sie nicht in den öffentlichen Raum. Genauso wenig ist das Kopftuch ein ausdruck von Religion. Nein es ist der Ausdruck von Unterdrückung in der Islamischen Welt. Wo bitte bleibt den hier in Deutschland von Islamischen Verbänden die unterstützung für die Demonstrierenden Menschen im Iran. Nichts kommt von ihnen.

  • Danke für die Information: Köln ist eine liberale Stadt! Lassen wir unseren muslimischen Mitbürgern die Möglichkeit der Religionsausübung! Auch der Ruf des Muezzin ist eine Bereicherung für die Stadt und unser tolerantes Miteinander!

  • Ursula Gall

    In Köln leben sehr viele türkischstämmige Menschen aber auch Moslime anderer Nationalitäten.
    Ich denke sie sollten einen angemessenen Platz zum beten haben. Bei der Anzahl der Kirchen und des Doms in Köln sehe ich dies als Anerkennung für die muslimischen Mitbewohner die friedlich mit uns leben. Gerade uns Kölner die die Toleranz leben , sollten der kurze Muezzinruf nicht stören. (evver blos net vür sebbe Uhr).
    Allgemein gesagt waren einige Religionen schnell bereit Kriege zu führen und Greueltaten zu begehen. Die katholische Kirche bildet da keine Ausnahme. Um Missbrauch der Religion durch weltliche Politiker nicht den Boden zu bieten sollten wir die Politiker im Blick behalten.
    Die Architektur der der Kölner Moschee gefällt mir persönlich sehr gut. Sonst fliegen wir in fremde Länder um solches sehen und bestaunen zu können.
    Das obige Wort Gutmenschen wird gerne als Schimpfwort benutzt. Ich glaube an das gute im Menschen bis sie mich eines besseren belehren. Wenn mich das zu einem „Gutmenschen“ macht lasse ich mich gerne beschimpfen.

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