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Torsten Burmester

Mit Kölns OB im Linienbus: Torsten Burmester über seinen neuen Alltag, Kölns Brücken und das FC-Stadion

Montagmorgen, 7:19 Uhr in Köln-Bayenthal. Torsten Burmester kommt zu Fuß um die Ecke zur Bushaltestelle der Linie 106. Auf seinem Handy hat der Kölner Oberbürgermeister eine Nachrichten-App geöffnet. In der anderen Hand trägt er eine braune Aktentasche.

Wir sind beide einige Minuten vor der vereinbarten Zeit da. „Dann können wir einen Bus früher nehmen“, schlägt der OB vor. Der 106er-Bus kommt im 10-Minuten-Takt. Zehn Minuten gewonnene Zeit am Morgen – im durchgeplanten Tag eines Oberbürgermeisters ist das ein guter Start.

Im Wahlkampf hat Torsten Burmester gesagt, dass er auch als OB mit dem Bus zur Arbeit fahren möchte, sofern es möglich ist. Wir sind zum Gespräch während der Busfahrt verabredet. Die Linie fährt uns quer durch die Kölner Südstadt bis zum Heumarkt. Von dort geht es zu Fuß weiter zum historischen Rathaus, seinem Arbeitsplatz.

Verliebt in Köln: Wie häufig schaffen Sie es, mit dem Bus zur Arbeit zu fahren?

Burmester: Es ist weniger, als ich gedacht habe. Ich wollte mehr fahren, einmal die Woche. Nun bin ich froh, wenn ich es alle zwei Wochen schaffe. Das erdet immer ein bisschen.

Verliebt in Köln: Wann beginnt Ihr Tag im Büro?

Burmester: Zwischen 7:30 Uhr und 7:45 Uhr beginnt der Tag im Büro. Um 8:45 Uhr habe ich meine erste Presselage. Vorher bereite ich mich auf den Tag vor. Der Pressespiegel kommt gegen 7 Uhr, den lese ich dann schon, damit ich weiß, was passiert ist und was der Tag bringt. 

Verliebt in Köln: Wissen Sie morgens, wie viele Termine Sie tagsüber haben?

Burmester: Ja, ich habe eine Terminmappe, da steht alles drin — ich zähle sie nicht, aber es geht ab 8:45 Uhr mit Terminen los. 

„Dem muss man sich als Kommunalpolitiker stellen

Verliebt in Köln: Und Sie haben auch noch klassisch eine Aktentasche?

Burmester: Ja, ich habe eine schöne braune Aktentasche. Da ist ein Laptop drin und die Tagesmappe und das eine oder andere, was man für den persönlichen Bedarf braucht. Hustenbonbons zum Beispiel.

Verliebt in Köln: Sie treffen viele Menschen in der Stadt auf Terminen, die geplant sind. Gibt es auch Gelegenheiten, wo Sie zufällige Begegnungen haben?

Burmester: Es gibt viele zufällige Begegnungen. Immer dann, wenn ich alltägliche Aufgaben erledige, zum Bäcker gehe oder vom Friseur komme. Die Menschen grüßen, kommen manchmal auf mich zu, machen mir Mut oder kritisieren. Das ist von meiner Seite aus gewollt und dem muss man sich als Kommunalpolitiker stellen.

Verliebt in Köln: Wie viel Zeit verbringen Sie in Ihrem Arbeitszimmer?

Burmester: Ich bin viel in der Stadt unterwegs und habe viele Termine. Aber ich würde schon sagen, ein Drittel bis die Hälfte der Arbeitszeit bin ich im Büro, den angrenzenden Besprechungsraum eingeschlossen. 

„Ich hätte nicht vermutet, dass Köln so vielfältig ist

Verliebt in Köln: Was mögen Sie am Rathaus besonders? 

Burmester: Das Schöne ist der Eingang zum Alter Markt. Wenn du rein oder raus gehst, bist du direkt mitten im Leben von Köln.

Verliebt in Köln: Sie kennen Köln schon seit über 40 Jahren, aber erst seit einigen Monaten als Oberbürgermeister. Wie verändert sich der Blick auf die Stadt als OB?

Burmester: Ich hätte nicht vermutet, dass Köln so vielfältig ist und so viel bietet. Die 86 Veedel haben alle einen eigenen Charakter. Die musst du alle erfahren und du musst auch mal vor Ort gewesen sein, um den Menschen da zu begegnen, wo sie zu Hause sind.. Ich wohne in Bayenthal und jetzt fahre ich auch nach Libur, nach Porz, nach Chorweiler, nach Worringen. Worringen hat zum Beispiel einen ganz eigenen Karneval, den kannte ich vorher gar nicht. Es sind tolle Erfahrungen, die man macht. 

Verliebt in Köln: Finden Sie Zeit zum Lesen?

Burmester: Jeden Tag Hunderte von Gittermappen. Gittermappen sind die Mappen, in denen Vorgänge drin sind, die man abzeichnen muss, die man lesen muss für den Rat, für den Hauptausschuss, für Unterrichtung, Informationsvorlagen, EntscheidungsvorlagenDie lese ich und manchmal verdirbt einem das den Spaß am Buch, aber ich versuche es trotzdem. Ich habe bald Urlaub, da werde ich ein, zwei Bücher mitnehmen. 

Verliebt in Köln: Zum Beispiel?

Burmester: Die Biografie von Adenauer. 

Verliebt in Köln: Haben Sie einen Buchtipp?

Burmester: Mein schönstes Buch, das ich immer wieder lese, ist ein leichtes Buch: „So zärtlich war Suleyken“ (Anmerkung: Eine Kurzgeschichtensammlung des deutschen Autors Siegfried Lenz). Wunderbare kleine Geschichten.

Verliebt in Köln: Heute ist ein normaler Montag. Wissen Sie schon, wann Sie heute nach Hause kommen? Oder ist sowas an solchen Tagen immer unwägbar?

Burmester: Es gibt noch einen Abendtermin und ich denke, dass ich so 21 Uhr, 21:30 Uhr zu Hause bin heute. An anderen Tagen ist 22 Uhr oder 22:30 Uhr die normale Zeit, wenn man nach Hause kommt. Abends sind Veranstaltungen der Stadtgesellschaft. Damit die Leute verstehen, was Oberbürgermeister sein bedeutet, sage ich immer: Du bist Bundeskanzler, Bundestagspräsident und Bundespräsident in einem. Das macht das Amt aus hier in Köln. Aber eben auch der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern.

Verliebt in Köln: Gibt es etwas, was Sie seit Beginn Ihrer Amtszeit besonders überrascht hat?

Burmester: Ich war ganz gut vorbereitet, kenne das politische Geschäft auf Bundes- und Landesebene. Wichtig war, dass wir jetzt mit wechselnden Mehrheiten arbeiten, einen Kulturwechsel auch im Rat, in der Politik haben, Sachorientierung. Und ich denke, das zahlt sich aus.

Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester in seinem Büro mit Verliebt in Köln Herausgeber Andreas Rickmann (rechts)

Verliebt in Köln: Köln hat derzeit viele Herausforderungen. Die Haushaltslage ist kritisch, viele Menschen sind unzufrieden. Was ist Ihr Rat an die Menschen in Köln?

Burmester: Ich hatte zuletzt die Aktion Sauberkeit und Sicherheit. Und das ist auch meine Bitte: Lasst uns gemeinsam unsere Stadt sauber halten. Und was den Haushalt angeht: Lasst uns gemeinsam das Soziale dieser Stadt erhalten. Wir müssen Einschnitte vornehmen, aber die müssen wir so machen, dass das Leben und auch die Begegnung, das Ehrenamt, das Soziale und der Sport in Köln weiterleben kann.

Verliebt in Köln: Wenn Sie Bus fahren, fahren Sie alleine? 

Burmester: Ich fahre alleine, ja. Manchmal fragen die Leute: Wie, du bist alleine? Hast du keine Sicherheit? Nee, als Oberbürgermeister hast du keine Sicherheit. Du bist direkt gewählter Politiker und deswegen ist der Kontakt mit den Kölnerinnen und Kölnern wichtig. Da brauchst du keinen Sicherheitsdienst.

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Wir spüren die Auswirkungen der Sperrung der Bonner Nordbrücke

Verliebt in Köln: Auf welche Fertigstellung in Köln freuen Sie sich am meisten in der Stadt – außer der Oper?

Burmester: Wenn alle vier Brücken saniert sind. Ob ich das erlebe, weiß ich nicht, also als Oberbürgermeister. Aber das ist dringend erforderlich, damit die Wirtschaftsverkehre in Köln laufen können und damit die Menschen vom Links- ins Rechtsrheinische kommen.

Verliebt in Köln: Das ist ein richtiges Brett.

Burmester: Das ist ein richtiges Brett, ja. Vor allem, weil so eine Brücke richtig Geld kostet. Brücken sind kommunal, das heißt, wir müssen sie aus unseren Mitteln zahlen. Es sei denn, es gibt Förderprogramme. Daran arbeiten wir gerade. Wir spüren die Auswirkungen der Sperrung der Bonner Nordbrücke. 35 Prozent mehr Verkehr an der Rodenkirchener Brücke, fast 10 Prozent mehr Verkehr auf unseren kommunalen Brücken. Also jede Störung in diesen Rheinquerungen, die hat direkt in der Region Auswirkungen.

Verliebt in Köln: Was kann man aus Ihrer Sicht tun, damit die Menschen nicht das Gefühl haben, in Köln dauert alles immer länger und wird immer teurer?

Burmester: Diese Sachen sind einfach komplex. Auch hier in Köln, oder vielleicht doch gerade hier in Köln, mit dem Untergrund, immer mit dem Thema Denkmalschutz. Köln wird bald – im Jahr 2050 – 2000 Jahre alt. Großprojekte haben ihre Risiken, aber du musst sie aus meiner Sicht konsistent planen. Und wir hatten häufig einen Beschluss im Stadtrat zu bauen, und dann hat es 4, 5, 6 Jahre gedauert. Auf Basis der alten Zahlen. Und dann ist die Inflation schon weitergegangen, du hast wenigstens 15, 20 Prozent mehr Kosten. Das musst du anders machen. Und das versuchen wir auch.

Verliebt in Köln: Anderes Thema. Das RheinEnergieStadion ist ständig ausverkauft. Viele FC-Fans haben kaum Chancen auf Tickets. Können FC-Fans auf ein neues Stadion hoffen? 

Burmester: Lassen Sie uns jetzt mal eins nach dem anderen machen. Wir haben beim Thema Geißbockheim jetzt gemeinsam mit dem FC eine Lösung gefunden. Sie wissen, dass das Stadion mitten in Müngersdorf steht, fast in einem Wohnbereich. Da sind Veränderungen immer schwierig. Aber ja, auch darüber wird man sprechen müssen. Das kann jedoch nur im Einklang geschehen und das ist auch die Lehre aus dem Thema Gleueler Wiese bzw. Geißbockheim. Du musst vorher für einen Konsens sorgen, damit du in der Umsetzung nicht diese polarisierten Bewegungen hast.

Zur Person: Torsten Burmester

Torsten Burmester wurde am 15. Januar 1963 im niedersächsischen Uchte geboren und wuchs in Remscheid auf. Er studierte Sportwissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln und schloss als Diplom-Sportlehrer ab.

Burmester arbeitete unter anderem im SPD-Parteivorstand und im Bundeskanzleramt, zeitweise als persönlicher Referent des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Später übernahm er leitende Aufgaben in verschiedenen Bundes- und Landesministerien.

Von 2020 bis 2022 war er Generalsekretär des Deutschen Behindertensportverbands. Anschließend leitete er bis Ende 2024 als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Bei der Stichwahl am 28. September 2025 wurde der SPD-Politiker mit 53,5 Prozent der Stimmen zum Kölner Oberbürgermeister gewählt. Seit dem 1. November 2025 steht er an der Spitze der Stadtverwaltung. Burmester ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Köln.

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1 Kommentar

  • Ich habe bisher den Eindruck, dass Herr Burmester sich tatsächlich für Köln einsetzt. Er packt selbst mit an und ist bürgernah… und das nicht nur für die Kamera. Ich wünsche ihm weiterhin gute Nerven und ein gutes Händchen für die echten Probleme der Stadt.

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