Winter in Köln: Warum der Rhein wohl nie wieder zufrieren wird

So kalt war es in Köln schon lange nicht mehr: Am Mittwochmorgen lagen die Temperaturen bei bis zu -9 Grad. Schon am Dienstag war es bitterkalt, die Temperaturen waren konstant im Minusbereich. (Fotos: Manfred Baumann / Anna Rubino)

An den Bänken und auch an einigen Bäumen am Rheinufer bildeten sich dicke Eiszapfen. Ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem bei älteren KölnerInnen sofort Erinnerungen an die Jahre wach werden, als der Rhein komplett zugefroren war.

Als der Rhein komplett zugefroren war

Am 15. Februar 1929 titelte die Abendausgabe des Kölner Abendblattes: „Zu Fuß über den vereisten Rhein“. Der Rhein war damals auf seiner gesamte Länge zugefroren. Hierzu gibt es von damals einen Stummfilm mit dem Namen „Der Rhein in Eisfesseln”. Die Menschen nutzen die riesigen Eisstücke zum Teil sogar, um sie in Felsenkellern zu lagern und sie im Sommer zu verkaufen (es gab noch keine Kühlschränke).

In den 60er-Jahren gab es einen Winter (62/63) in dem auf dem Rhein eine geschlossene Eisdecke war. Damals mussten sogar Eisschollen an der Loreley gesprengt werden. Es war das letzte Mal, dass die Menschen dieses Erlebnis hatten. Dann seitdem gab es wohl nochmal Eisschollen auf dem Rhein, richtig zugefroren war er aber nicht mehr.

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Kann der Rhein in diesen Tagen bei den kalten Temperaturen auch zufrieren?

Schaut man sich die aktuelle Wassertemperatur des Rheins (1.238 Kilometer Länge) an, wird schnell klar: Mit Schlittschuhfahren auf dem Rhein wird es in diesen Tagen und auch in der Zukunft nichts mehr.

Die Wassertemperatur des Rheins ist heute deutlich höher, als die Temperatur in der Umgebung. Am Mittwoch lag die bei 6 Grad Celsius. Dass das Wasser Werte um den Gefrierpunkt erreicht, ist heute mit einigen extrem kalten Tagen praktisch nicht möglich. Grund sind die Abwässer und die Abwärme der Industrieanlagen entlang des Flusses.

Der Rhein und die Fließgeschwindigkeit

Hinzu kommt: Der Rhein ist eine Bundeswasserstraße und eine wichtige Schifffahrtsverbindung. In den vergangenen 150 Jahren wurde er an vielen Stellen begradigt (wusstet ihr, dass der heutige Rheinauhafen früher eine 700 Meter lange Freizeitinsel war und Werthchen hieß?).

Das wiederum erhöht die Fließgeschwindigkeit des Wasser (diese Rechnung zeigt, wie in wie vielen Sekunden der Rhein den Dom komplett mit Wasser fluten könnte). Und die ist aufgrund des hohen Pegels derzeit sowieso so hoch, dass es ausgeschlossen ist, dass sich flächendeckend Eis auf dem Rhein bildet.

Wir sehen also: Schlittschuhlaufen auf dem Rhein vor dem Dom-Panorama ist in Zeiten des Klimawandels auch für die Zukunft praktisch ausgeschlossen.

Welche Erinnerungen an den zugefrorenen Rhein oder Eisschollen auf dem Fluss hast du? Hast du noch alte Fotos von damals? Schreib uns eine E-Mail.

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