Wie kann man das Thema lebenswerte Stadt mit viel Grün und mehr Wohnraum unter einen Hut bringen? Vor allem in den heißen Sommertagen wird jedes Jahr deutlich: Köln braucht mehr Grün. Zu viele Flächen sind versiegelt. Gleichzeitig braucht Köln aber auch viel mehr Wohnraum. Pro Jahr entstehen viel zu wenig neue Wohnungen. (Grafik: Stadt Köln)
Eine theoretische Antwort darauf gibt die Stadt Köln in ihrem „Köln-Katalog Bestand„. Das Schriftstück zeigt, wie in Köln zusätzlicher Wohnraum entstehen könnte – und gleichzeitig mehr Grün.
Der entscheidende Gedanke: Köln soll nicht einfach jede freie Fläche zustellen. Stattdessen sollen Flächen, die heute wenig effizient genutzt werden, anders organisiert werden. Häuser könnten aufgestockt, eingeschossige Gebäude um weitere Etagen ergänzt, Parkplätze neu geordnet und versiegelte Hofflächen entsiegelt werden. So soll mehr Stadt entstehen, ohne automatisch mehr Boden zu versiegeln.
Mehr Stadt nach oben, weniger Asphalt am Boden
Besonders anschaulich wird das an einem Modellquartier aus der sogenannten „Zwischenstadt“. Der Begriff klingt etwas sperrig, beschreibt aber einen Stadtraum, den es in Köln an vielen Stellen gibt: weder die dichte Innenstadt mit geschlossenen Häuserblöcken noch die lockere Einfamilienhaussiedlung am Stadtrand.
Man kann sich eher ein Stück Stadt entlang einer größeren Straße vorstellen: unterschiedlich hohe Häuser, eine Stadtbahnhaltestelle, einzelne flache Gebäude, vielleicht ein Supermarkt oder andere gewerbliche Nutzungen, dazu Parkplätze, Höfe und versiegelte Flächen.
Das Beispiel liegt in der von der Stadt so bezeichneten „Inneren Stadt“. Damit ist nicht die eigentliche Innenstadt gemeint. Die Innere Stadt umfasst den Bereich zwischen Innerem und Äußerem Grüngürtel. Es geht also um die klassischen Veedel rund um das Zentrum, nicht um den äußersten Stadtrand.
Nicht ein ganzes Veedel, sondern ein überschaubares Quartier
Die Stadt beschreibt hier keinen konkret angekündigten Bauplatz. Das Modell ist vielmehr eine Blaupause für vergleichbare Bereiche Kölns.
Vorstellen kann man sich einen überschaubaren Ausschnitt eines Veedels: einige Häuserblöcke rund um eine Hauptstraße, Seitenstraßen, Innenhöfe und eine Haltestelle. Also nicht ganz Ehrenfeld, Nippes oder Mülheim, sondern eher ein Stück davon.
Gerade solche Bereiche hält die Stadt für interessant, weil dort bereits vieles vorhanden ist: Straßen, Bus- oder Bahnanschluss, Geschäfte und andere Infrastruktur. Gleichzeitig ist die Bebauung oft deutlich lockerer als in der Innenstadt.
Aus einem eingeschossigen Gebäude könnten mehrere Etagen werden
Der große Hebel liegt darin, vorhandene Flächen intensiver zu nutzen. Ein Beispiel: Auf einem Grundstück steht heute ein eingeschossiges Gebäude. Statt daneben weitere freie Fläche zu bebauen, könnte die bestehende Nutzung im Erdgeschoss bleiben und darüber könnten neue Wohnungen entstehen.
Ein Supermarkt könnte also weiterhin unten liegen, während darüber weitere Etagen gebaut werden. Die Stadt nennt dieses Prinzip „Stadt stapeln“. Auch bestehende Häuser entlang größerer Straßen könnten aufgestockt oder durch höhere Gebäude ergänzt werden. In Innenhöfen könnten versiegelte und schlecht genutzte Bereiche neu geordnet werden.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Rechnerisch 641 zusätzliche Wohnungen
Wie groß der Effekt sein könnte, zeigt die Modellrechnung der Stadt. In dem Beispiel der „Zwischenstadt“ könnten rechnerisch 641 zusätzliche Wohnungen entstehen. Das ist keine Ankündigung für ein konkretes Bauprojekt, sondern eine beispielhafte Berechnung für diesen Quartierstyp.
Gerade die Größenordnung zeigt aber, dass es nicht nur um ein paar neue Dachgeschosswohnungen geht. Wenn mehrere Maßnahmen zusammenkommen – Aufstockung, Neubauten, neue Nutzungen über bestehenden Gebäuden und eine Neuordnung von Flächen – kann sich ein bestehendes Quartier deutlich verändern.
Und gleichzeitig 13 Prozent mehr Grün
Das Spannende ist: Obwohl deutlich mehr gebaut wird, weist die Stadt in dem Modell zugleich 13 Prozent mehr qualifizierte Grünfläche aus.
Möglich werden soll das vor allem dadurch, dass die vorhandene Fläche anders verteilt wird. Heute beanspruchen Autos vielerorts große Flächen. Parkplätze, Zufahrten und Höfe sind häufig komplett asphaltiert oder gepflastert. Gleichzeitig verbrauchen eingeschossige Gebäude viel Grundstücksfläche für vergleichsweise wenig Nutzfläche.
Werden Gebäude höher und Nutzungen übereinander angeordnet, wird weniger Boden benötigt. Parkplätze können gebündelt oder anders organisiert werden. Asphalt kann entfernt und durch Grün ersetzt werden.
Vereinfacht lautet die Idee: Mehr Wohnungen nach oben – mehr Grün am Boden.
Straßen sollen mehr sein als Verkehrsflächen
Frei werdende Flächen sollen beispielsweise für Bäume, Grünflächen, Fußwege oder Aufenthaltsbereiche genutzt werden.
Auch Straßen sollen teilweise anders aufgeteilt werden. Der Köln-Katalog spricht davon, Straßenraum stärker zum „Stadtraum“ zu machen. Flächen, die heute vor allem fahrenden oder parkenden Autos dienen, könnten künftig stärker Fußgängern, Radfahrern und dem Aufenthalt zugutekommen.
Dahinter steckt auch ein Klimathema. Die Stadt weist darauf hin, dass große Teile der Innenstadt und der Inneren Stadt stark hitzebelastet sind. Entsiegelung, Bäume sowie begrünte Dächer und Fassaden sollen helfen, die Veedel an heißere Sommer anzupassen.
Noch ist das kein konkreter Bauplan
Wichtig ist: Der Köln-Katalog kündigt nicht an, dass dieses Modellquartier genau so gebaut wird.
Er ist ein städtebauliches Entwicklungskonzept. Er soll künftig bei Vorhaben in bestehenden Quartieren berücksichtigt werden und zeigen, welche Entwicklung die Stadt grundsätzlich für sinnvoll hält. Gebaut würde später – je nach Grundstück – etwa von Wohnungsunternehmen, privaten Eigentümern, Investoren oder städtischen Akteuren.
Zusätzlich arbeitet Köln an einem öffentlichen Baupotenzialregister. Digitale Verfahren sollen Grundstücke und Gebäude identifizieren, auf denen beispielsweise durch Aufstockung oder eine bessere Nutzung bestehender Flächen weiterer Wohnraum entstehen könnte.
Die Stadt will so versuchen, aus dem Platz, den sie bereits hat, mehr zu machen – und ihn gleichzeitig grüner und lebenswerter zu gestalten.
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