Alt St. Stephan in Lindenthal ist leicht zu übersehen – und zugleich eines der ältesten kirchlichen Gebäude Kölns. Das sogenannte Krieler Dömchen steht am Suitbert-Heimbach-Platz nahe dem äußeren Grüngürtel.
Wer den romanischen Bau besucht, trifft auf fast vergessene Dorfgeschichte, frühe Kölner Siedlungsspuren und eine Kirche, die über Jahrhunderte Mittelpunkt von Kriel war. Das wirkt heute erstaunlich, denn heute steht das Dömchen quasi mitten in der Stadt.
(Foto: Chris06 / CC BY-SA 4.0)
Eine kleine Kirche mit ungewöhnlich langer Geschichte
Alt St. Stephan, besser bekannt als Krieler Dömchen, gilt als ältestes kirchliches Gebäude Lindenthals und nach St. Gereon als eines der ältesten in ganz Köln.
Der Bau liegt neben St. Albertus Magnus am Suitbert-Heimbach-Platz, zwischen Zülpicher Straße und Gleueler Straße. Heute wirkt die Kirche fast versteckt im Stadtbild. Historisch war sie aber über Jahrhunderte ein zentraler Ort für Kriel und die katholische Bevölkerung im heutigen Lindenthal.
Krieler Dömchen: Die Besonderheiten
Die Kirche stammt in ihrer baulichen Entwicklung aus dem 10. bis 11. Jahrhundert. Nach heutigem Kenntnisstand stand sie auf den Fundamenten eines noch älteren Gebäudes. Für den Bau wurden offenbar auch römische Ziegel verwendet. Das passt zur Vorgeschichte des Gebiets: Schon in römischer Zeit gab es im südwestlichen Bereich des heutigen Lindenthal Ziegeleien.
Das Krieler Dömchen gehört zu den 13 kleinen romanischen ehemaligen Dorfkirchen vor der mittelalterlichen Stadtmauer Kölns, die heute zum Stadtgebiet gehören.
Auch der Kirchhof ist bemerkenswert: Er liegt südlich an der Kirche und gilt als älteste Begräbnisstätte Lindenthals. Bis 1869 fanden dort Beerdigungen statt. Einige Grabsteine reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Vom Dorf Kriel zum Stadtteil Lindenthal
Kriel war über lange Zeit ein eigener Siedlungskern. Die Kirche, das benachbarte Hofgut Kriel und eine eigene Gerichtsbarkeit bildeten über Jahrhunderte das Zentrum dieses Ortes. Das historische Hofgut wurde 1926 abgerissen. Auch der Gleueler Bach, der südlich vorbeiführte, wurde später verrohrt.
Damit ist das Krieler Dömchen heute einer der wenigen sichtbaren Hinweise auf dieses alte Kriel. Wer dort vorbeigeht, sieht also nicht nur eine romanische Kirche, sondern einen Rest der lokalen Geschichte vor der Eingemeindung und vor der dichten Bebauung Lindenthals.
Über viele Jahrhunderte verändert
Das Krieler Dömchen wurde über viele Jahrhunderte verändert. Aus einer frühen Saalkirche entwickelte sich eine kleine zweischiffige Basilika mit Chor, Apsis und gedrungenem Westturm. Die Kirche ist knapp 19 Meter lang und an der breitesten Stelle 6,50 Meter breit.
Im Inneren finden sich Spuren verschiedener Zeiten. Ein Taufstein aus rheinischer Basaltlava wird dem späten 12. Jahrhundert zugeordnet. Auch sogenannte Memoriensteine, frühchristliche Gedächtnistafeln für Verstorbene, sind in das Bauwerk eingefügt worden.
Gottesdienst, Gericht und Erinnerung
An der Südseite des Kirchenschiffs weisen Kragsteine auf eine frühere Nebenhalle hin. Sie könnte als Gerichtslaube gedient haben. Dort wurden offenbar Angelegenheiten des Hofgerichts Kriel verhandelt.
Später wurde das Hofgericht nach St. Gereon in Köln verlegt. Die baulichen Spuren am Krieler Dömchen blieben jedoch erhalten. Auch dadurch wird sichtbar, wie eng kirchliches, dörfliches und rechtliches Leben früher miteinander verbunden war.
Krieler Dömchen heute
Trotz schwerer Beschädigungen im Kriegsjahr 1944 blieb die Bausubstanz des Krieler Dömchens erhalten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche weiter verändert. Teile der früheren Ausstattung befinden sich heute in St. Albertus Magnus oder in Neu St. Stephan.
Eine neuere Veränderung betrifft die Orgel: Das heutige Instrument wurde ursprünglich 1934 für die Aula der Universität Köln gebaut. Nachdem die Universität es 2022 aufgab, wurde es nach Alt St. Stephan versetzt und dort hinter dem Prospekt der Vorgängerorgel eingebaut.
Seit dem Umzug der Kölner Hochschule für Katholische Theologie von Sankt Augustin nach Lindenthal im Jahr 2021 wird der Krieler Dom auch als Kirche der Hochschule genutzt.
Das Krieler Dömchen ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.



