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Kölsche Klüngel

Was der Begriff Kölsche Klüngel wirklich bedeutet

Jeder kennt den kölschen Klüngel. Das Wort ist überregional bekannt. Meist durch die Medien, die es in der Vergangenheit gerne verwendeten, wenn es in Köln Skandale und Korruption in der lokalen Politik gab. Außerhalb von Köln wird der Klüngel also gerne gleichgesetzt mit Korruption in Köln. Der Begriff hat hat für viele Leute einen abwertenden Charakter.

2019 wurde der Kölsche Klüngel durch den Film „Der König von Köln“ aus Sicht vieler Menschen perfekt beschrieben. Wer den Klüngel verstehen will, der solle sich diesen Film („Ein Meisterwerk der bitterbösen Komik“) anschauen (hier seht ihr den Trailer des Films auf YouTube), heißt es noch heute. Damals lief der Film in der ARD vor einem Millionenpublikum.

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Kölsche Klüngel: Die Bedeutung nach Adam Wrede

Auch im Adam Wrede Wörterbuch zur kölschen Sprache wird der Klüngel als etwas Negatives beschrieben (S. 475): „allgemein unlautere, eigensüchtige, geheime Machenschaft, geheime Abmachung, Vereinbarugn, Verabredung zu persönlichen Vorteilen; Regelung persönlicher oder öffentlicher Angelegenheiten unter der Hand, heimich, nicht offen.

Kurz: Et weed alles met Klüngel jemaat!

Ich habe in meiner Facebook-Gruppe zur kölschen Sprache gefragt, wie man „Kölsche Klüngel“ definieren kann. Die Antworten waren sehr unterschiedlich. Einige definieren es ähnlich, wie man es im Wrede nachlesen kann:

  • Maggele unger de Hand, verjabe vun Pöstchen an usjewählte, wo een Hand de andere wäsch.“ (Uli)

Dä eine, dä jet bruch…
Dä andere, dä et hät…
Dä dritte, dä vun dem andere weiß…
Un dä vierte, dem dä dritte säht, hä sull dem eine Bescheid jävve, dat dä dritte jät vör ihn donn künnt…
Un am Enk sin die vier sich ne Jefalle schuldich.. (Marcel Jacob)

Neben dieser negativen Bedeutung sehen einige Kölner den Begriff Klüngel aber ganz anders. Gabi Limburg schreibt unter der Frage folgendes:

  • „Früher hat man sich gegenseitig unterstützt bei Arbeiten oder bei Krankheiten. Wir hatten ein Geschäft und die Lehrstellen bekamen die Nachbarjungs wenn sie sich bewarben, bevor sie anderweitig vergeben wurde. Solche Dinge halt. Da stand niemand mit dem Geldkoffer. Und wenn heute so leichtsinnig gesagt wird: „Kölscher Klüngel“, dann ärgere ich mich ganz gewaltig. Was heute so bezeichnet wird in den letzten Jahren ist nicht „Kölscher Klüngel“ sondern kriminell!

Agi schreibt dazu ebenfalls unter der Frage:

  • „Eijentlich bedück Klüngel: Ich helfe dir und im Gegenzug hilfst du bei nächster Gelegenheit mir. Et es janz fies, datt dr Trinekens und Co. datt en Veruf jebraat hätt.“

Harald ergänzt:

  • „Zweckgemeinschaft von zwei oder mehr Personen, die sich gegenseitig helfen OHNE dritten zu schaden.“
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Kölsche Klüngel mal anders erklärt

Zum Klüngel habe ich eine weitere sehr interessante Erklärung im Buch „Nice to meet you, Köln“ von Nilz Bokelberg gefunden. Er widmet sich dem Kölschen Klüngel in dem Buch (Polyglott, 14,95 Euro) ein ganzes Kapitel und sagt drin: „Nur weil Kölner:innen den Begriff Klüngel für sich nutzen, sind sie keine Fans von Korruption oder ähnlichen verbrecherischen Machenschaften.“

Korruptionsskandale in Köln wurden in der Vergangenheit zwar stets mit „Kölschen Klüngel“ betitelt, der Klüngel im Alltag sei aber eleganter, subtiler, und ausbalancierter. Kurz gesagt: „Irgendwer kennt immer irgendwen, der für irgendjemand nützlich sein kann.“ In der Wirtschaft würde man von „Synergieeffekten“ sprechen.

Tatsächlich sei Klüngel etwas, das man mittlerweile in vielen Städten vermisst: Miteinander, statt Anonymität. Formel: „Wenn’s allen gut geht, gehts mir auch gut.“

Motto: „Man kennt sich. Man hilft sich. Und wenn man sich nicht kennt, hilft man sich trotzdem.“ Köln eben.

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3 Kommentare

  • Decker Karl-Heinz

    Wenn ein Freund meine Arbeit einem seiner Freunde
    empfiehlt und ich hierdurch einen Auftrag erhalte,
    Fällt dies unter den sogenannten Klüngel.
    In einem solchen Fall fühle ich mich verpflichtet,
    bei meinem Auftraggeber eine möglichst fehlerfreie
    Arbeit auszuführen, damit ich den eventuellen Empfehlungen gerecht werde und vielleicht wieder weiterempfohlen werde.
    Dies wird dann von diverser Seite als „Kölscher Klüngel“ bezeichnet. Hat allerdings mit einer suggerierten Unredlichkeit nichts zu tun .

  • Dieter Kopischke

    Es wäre vielleicht ganz gut wenn es den Klüngel weltweit geben würde. Viele Entscheidungen würden schneller und unbürokratischer getrffen. Das Leben wäre einfacher und bequemer wenn man sich ( auch beim Klüngel ) an die Regeln hält

  • Hans Körner

    Ich weiss nicht, wer es gesagt hat:
    Klüngel ist die sozialverträgliche Art der Korruption

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