Butzweiler Hof

Kölns vergessener Flughafen: Von hier ging es nach Paris – heute steht hier IKEA

Vor 100 Jahren begann in Köln ein neues Zeitalter – und zwar nicht dort, wo heute Flugzeuge starten und landen. Am 6. April 1926 wurde in Ossendorf der Butzweilerhof für den zivilen Luftverkehr eröffnet. Von hier aus ging es nach Berlin, nach Paris und in andere große Städte Europas. Köln war plötzlich angeschlossen an die Welt. (Foto: Imago / dieBildmanufaktur)

Heute erinnert daran kaum noch etwas. Statt Flugzeugen prägen neben der Motorworld Gewerbehallen, Büros und ein Möbelhaus das Gelände. Dabei war der Butzweilerhof einmal einer der wichtigsten Orte der Stadt.

Seine Geschichte beginnt schon vor dem Ersten Weltkrieg. Auf dem Gelände eines alten Bauernhofs entsteht ab 1912 eine militärische Fliegerstation. Die Lage ist ideal: weit genug draußen, aber nah an der Stadt, direkt neben einem Luftschiffhafen in Bickendorf. Köln wird früh zu einem Zentrum der Luftfahrt – zunächst für Luftschiffe, dann für Flugzeuge.

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Nach dem Krieg verändert sich die Rolle des Areals grundlegend. Aus dem Militärflugplatz wird ein ziviler Flughafen. Am 6. April 1926 wird der Betrieb offiziell aufgenommen. Es ist ein symbolischer Moment, denn plötzlich ist Köln nicht mehr nur per Bahn oder Schiff erreichbar, sondern auch aus der Luft. Die Lufthansa nimmt kurz darauf den Linienverkehr auf, unter anderem mit der Strecke Berlin–Köln–Paris.

Luftkreuz des Westens in Köln

Was heute selbstverständlich wirkt, ist damals ein gewaltiger Fortschritt. Fliegen ist neu, schnell und faszinierend. Schon im ersten Jahr werden täglich zahlreiche Starts und Landungen gezählt. Nur wenige Jahre später entwickelt sich der Butzweilerhof zum sogenannten „Luftkreuz des Westens“. In den 1930er-Jahren gehört er zu den bedeutendsten Flughäfen Deutschlands, nur Berlin-Tempelhof ist größer.

Parallel gab es zwischen 1926 und 1928 auch Linienflüge, die auf dem Rhein neben der Bastei starteten und landeten (Köln nach Rotterdam und zurück).

Der Flughafen steht für eine Zeit des Aufbruchs. Köln wird internationaler, moderner, vernetzter. Ossendorf ist plötzlich kein Randgebiet mehr, sondern ein Ort, an dem die Welt ankommt.

Ein repräsentatives Empfangsgebäude entsteht, Hangars werden gebaut, die Infrastruktur wächst. Auch politisch wird der Ausbau unterstützt, unter anderem durch Oberbürgermeister Konrad Adenauer, die in den 1920-Jahren zahlreiche Projekte anschob, die bis heute die Stadt prägen.

Zweiter Weltkrieg als Zäsur

Doch diese Entwicklung wird jäh unterbrochen. Mit dem Zweiten Weltkrieg endet die zivile Nutzung. Der Butzweilerhof wird militärisch genutzt, von hier starten Einsätze der Luftwaffe. Das Gelände wird Ziel von Angriffen, Gebäude werden beschädigt, Strukturen zerstört.

Nach 1945 bleibt der Ort zunächst in militärischer Hand. Erst die Royal Air Force, später die Bundeswehr nutzen das Gelände. Zwar gibt es noch eine Zeit lang zivilen und sportlichen Flugbetrieb, doch die große Bedeutung kehrt nicht zurück.

Spätestens 1957 ist klar: Der neue Flughafen Köln/Bonn in Porz übernimmt die Rolle des zentralen Luftverkehrsknotens. Der Butzweilerhof verliert seine Funktion.

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In den folgenden Jahrzehnten verschwindet der Flughafen Stück für Stück aus dem Stadtbild. 1980 wird der Flugbetrieb endgültig eingestellt. Was folgt, ist ein kompletter Wandel. Das Gelände wird zu einer sogenannten Konversionsfläche – also einem Areal, das neu genutzt wird.

Früher Flughafen, heute Wirtschaftsstandort

Heute ist der Butzweilerhof ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Hunderte Unternehmen haben sich hier angesiedelt, tausende Menschen arbeiten auf dem Gelände. Medienfirmen, Produktionsstudios, Büros und große Handelsflächen prägen das Bild. Aus wirtschaftlicher Sicht hat Köln mehr aus seinem alten Flughafen gemacht, als etwa Berlin – wo Tempelhof bis heute keine Nachnutzung hat und über eine Bebauung des Tempelhofer Felds gerungen wird.

Wo früher Flugzeuge gestartet sind, stehen in Köln heute Gebäude, Parkplätze und Straßen. Dass hier einmal eines der wichtigsten Luftfahrtzentren Deutschlands lag, ist auf den ersten Blick kaum noch zu erkennen.

Und doch ist die Geschichte nicht ganz verschwunden. Einige Gebäude aus den 1930er-Jahren stehen noch und sind denkmalgeschützt. Das ehemalige Empfangsgebäude mit seiner klaren, funktionalen Architektur ist erhalten geblieben, ebenso Teile der Hangars und des Rollfelds. In den alten Hallen befindet sich heute unter anderem die MOTORWORLD mit Gastronomie, Hotel und Ausstellungen.

Die historische Empfangshalle des Flughafens ist bis heute erhalten und kann für Events gemietet werden.

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